Full text: Hessenland (2.1888)

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näher kennen lernen werden. Aus ihr erscheint schon 
1341 Hermann v. Schweinsberg als Junker. 
Bald wurde der Gebrauch des Herrentitels sogar 
beim hohen Adel, selbst bei den herrschenden Familien 
häuptern, von der Erwerbung der Ritterschaft ab 
hängig. Einen schlagenden Beweis hierfür hat 
G. Landau aus Hessen beigebracht: 1370 wie vor 
her heißen Graf Gottfried von Ziegenhain und 
Gottfried sein Sohn beide Junker, am 14. März 
1371 wird nach Wigand Gerstenberger der jnnge 
Gottfried „Ritter geschlagen" und in der nächst 
folgenden bekannten Urkunde vom 21. März erschei 
nen „die edeln meine lieben, Junker Gottfried Graf 
v. Ziegenhain, meine Junfrau Agnes seine eheliche 
Hausfrau und mein Herr Gottfried ihr Sohn." 
Mehrere interessante Beispiele für den Gebrauch 
der Titel Herr und Junker bietet die Geschichte des 
Hessischen Fürstenhauses: Landgraf Johannes, Hein 
richs I. Sohn, der 1308—131 1 in Niederhessen 
regierte, blieb bis zu seinem Tode Junker. Hein 
rich II., der Eiserne, kam 1328 zur Regierung, aber 
noch 1334 hieß er Junker, und erst 1336 finden 
wir ihn Herr genannt. Inzwischen muß er also die 
Ritterschaft erlangt haben. Sein Sohn Otto der 
Schütz ist 1359 zuletzt Junker, seit 1361 aber, zu 
Lebzeiten seines Vaters, Herr. Otto starb 1366, 
Heinrich 1377. Auf diesen folgte sein Neffe 
Hermann. 
Der hatte nun überhaupt keine ritterliche, sondern 
eine geistlich-gelehrte Erziehung erhalten und es zwar 
zum Baccalaureus und Domherrn, aber nicht zum 
Knappen, geschweige denn zum Ritter, gebracht, als 
er die Regierung übernahm. So blieb er denn sein 
ganzes Leben Junker, und „den Gelehrten" nannte 
man diesen hartnäckigen, trotzig-kriegerischen Fürsten, 
dessen eiserne Zähigkeit in langen Kämpfen Hessen 
aus der Gefahr, von Mainz vernichtet zu werden, 
errettete und die mächtig aufstrebenden Gewalten des 
Ritter- und Städtethums unter die fürstliche Landes 
hoheit beugte. 
Namentlich die Angehörigen des Ritterstandes 
hüteten sich, jemandem einen Titel zu geben, auf den 
er von ihrem Standpunkte kein Recht hatte. Deut 
lich klingt z. B. der Gegensatz heraus, wenn dem 
Landgrafen geschrieben wird: „Wisset hochgeborener 
Fürst Junker Hermann Landgraf zu Hessen, daß 
ich Curt Spiegel Ritter will Euer, Euer Land 
und Leute Feind sein." Seitdem aber verschwindet 
der Junkertitel aus dem Hessischen Fürstenhause, 
wahrscheinlich wurde die Erwerbung der Ritterwürde 
zu einer leicht erfüllbaren Formalität, denn im letzten 
Lebens- und Regierungsjahre Landgraf Hermanns, 
1413, reden die Urkunden eigenthümlicherweise von 
„dem hochgeborenen Fürsten meinem lieben gnädigen 
Jungherrn, Jungherrn Hermann Landgrafen zu 
Hessen und Herrn Ludwig seinem Sohn", obgleich 
dieser, (nachher Ludwig I., der Friedfertige), damals 
erst 11 Jahr alt war. — 
Im weiteren Verlaufe des Vortrags handelte es 
sich dann wieder darum, daß die einzelnen Ritter- 
wappen den Namen ihrer Träger — nicht aus ihnen, 
sondern aus gleicher Quelle mit ihnen abgeleitet, — 
viel häufiger entsprächen, als man gewöhnlich geneigt 
sei anzunehmen. Wappen und Namen hatten als 
Erbezeichen ein und dieselbe Ausbildung, und vor 
deren Vollendung entsprach das Annehmen. Aufgeben 
und Vertauschen der Wappen ganz dem häufigen 
Gebrauch des Namenwechsels. Tenn beides hatte 
oft die gleiche Veranlassung: der Veränderung des 
Besitzes oder des Wohnortes, namentlich durch Erb 
schaft, oder der Anlage neuer Burgen; und den 
selben Zweck: vielfach nur den der Unterscheidung 
von gleichnamigen Verwandten. 
Nun traf es sich glücklich, in der Geschichte eines 
einzelnen Hessischen Freieugeschlechts eine ganze Reihe 
von zugleich Namen- und Wappenwandlung (durch 
G. Schenk zu Schweinsberg) nachgewiesen zu finden, 
die zusammengestellt ein außerordentlich typisches 
und lehrreiches Beispiel ergaben, (dem es natürlich 
keinen Eintrag thun würde, wenn etwa fortgesetzte 
archivalische Forschung die Stellung des einen oder 
anderen Gliedes in der Stammtafel verändern sollte.) 
Werner (a) v. Bischofshausen (jetzt Bischhausen) 
an der Schwalm erwarb durch seine Gemahlin An 
theil an Burg und Herrschaft Itter und baute um 
die Mitte des 13. Jahrhunderts die Burg Löwen- 
stein, deren Namen an das Wappenthier der Herren 
v. Itter erinnert. Werners Wappenschild war von 
einer Zinne schräglinks getheilt. Von seinen Söhnen 
setzten 3 das Geschlecht fort?) 
1) Der älteste, Heinrich (b), führt anfangs ein 
Siegel, das er wahrscheinlich von seinem mütterlichen 
Großvater, nach dem er genannt zu sein scheint, 
geerbt hat, mit dem gekrönten Löwen und der Um 
schrift „Heinrich v. Itter". Später hat er ein neues, 
eignes Siegel mit der Umschrift „Heinrich v. Bischofs- 
Hausen^, aber ebenfalls mit dem Jtterschen Löwen. — 
2) Der andere Sohn heißt wie der Vater Werner 
(6) v. Bischofshausen und erbt dessen Siegel mit der 
Zinne. — 3) Der jüngste der 3 Söhne endlich, 
Hermann (b), hat wieder den Jtterschen Löwen wie 
sein ältester Bruder, aber den Namen v. Löwenstein 
im Siegel, während er in Urkunden fast stets ebenso 
wie seine Brüder „v. Bischofshausen" heißt, und nur 
a *) Bischosshausen-Löwenstein: Werner (Itter) 
b Heinrich (Schweinsberg) Werner (Westerburg) Hermann (Ronrrod) 
e Werner Heinrich Werner Krasto Hermann -j-Werner -j-Heinrich 
d Hermann ^Johann | J 
Schweinsberg Westerburg Löwenstein
	        

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