Full text: Hessenland (2.1888)

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herausgegebenen Blättern für Geist und Herz 
eine Anzahl Gedichte. 
Mit der 6. Digilie endete Koch seine poetische 
Thätigkeit und bald sollte er erfahren, wie wetter 
wendisch die Gunst des Volkes sei, „nach einem 
kurzen Lenz allgemeiner Liebe, in der er sich ge 
sonnt hatte, trat jetzt eine frostige Zeit allgemeinen 
Hasses ein." 
Im Jahre 1832 war nach Erscheinen der be 
kannten Bundestagsbeschlüsse vom 28. Juni. 
welche den konstitutionellen Liberalismus zur 
Ruhe verwiesen, auch in Kurhessen der Kampf 
gegen denselben entbrannt. 
Der gegen die Feinde der Volksfreiheit ge 
richtete Haß wurde auch Koch zu Theil, als in 
dieser Periode des politischen Partheihaders seine 
Bestellung als Sekretär der Landtagskommission 
erfolgte. Von vielen seiner früheren Freunde 
gemieden, litt er schwer in dieser Zeit, bis ihn 
die Liebe zu neuem Leben erweckte. Bei Fräulein 
Fulda, einer Tochter des Münzdirektors, verweilte 
in dieser Zeit in Kassel eine Tochter ihrer in 
Braunschweig an den Oberistlieutenant a. D. 
v. Bosse verheiratheteu Schwester, welche dieser 
zur Zeit, als er in Kassel als westpfälischer 
Offizier in Garnison stand, kennen gelernt hatte. 
Im Jahre 1810 hatte er bei der Belagerung 
von Gerona als westphälischer Artillerieoffizier 
einen Arm verloren, avancirte unterKönig Jerüme 
zum Obristlieutenant uud Palastfourier, und folgte 
dem entthronten König bis zum Ende der 20r. 
Jahre ins Exil. 
Die Liebe Kochs zu der 16jührigen Henriette 
v. Bosse war gleich bei ihrem ersten Anblick in 
ihm erwacht ebenso bald hatte er Gegenliebe ge 
funden und fand die Verlobung statt. In einem 
ihrer Briefe schreibt diese ihrem Verlobten: 
„Ich lebte in Gedanken all die Momente wieder 
durch, welche durch Dich Bedeutung für mich ge 
wonnen haben, von dem ersten an, wo ich Dir 
in der Bellevue begegnete und Du mich so ver 
wundert ansahst." 
Einige Tage nach dieser Begegnung schrieb sie 
einer Freundin: 
„Ich habe einer Sitzung der Landstände bei 
gewohnt. Dr. Koch war von der ganzen Ver 
sammlung der schönste, überhaupt zeichnet er sich 
Vortheilhaft vor allen andern jungen Leuten aus 
durch seine schlanke Figur, seine alabastcrweiße 
Stirn, der man das Denken ansieht und durch 
seine vornehme Haltung. Dazu hat er wunder 
volle braune Augen, die oft wie die Sterne 
glänzen und volles dunkelbraunes Haar." — 
Das Beisammensein der Liebenden blieb aber 
nach ihrer Verlobung von sehr kurzer Dauer. 
Der Vater der Braut war auf die Anzeige davon 
alsbald nach Kassel geeilt und hatte für die 
Brautleute, da beide ohne Vermögen seien, in 
Uebereinstimmung mit Kochs Vater eine Prüfungs 
zeit auf ein Jahr bestimmt, in welcher sie sich 
nicht sehen sollten, und die Veröffentlichung der 
Verlobung erst genehmigt, wenn Koch sein Assessor- 
examen: bestanden haben würde, bis dahin aber 
den Liebenden einen Briefwechsel gestattet. Nach 
der Abreise der Braut führte Koch ein gänzlich 
zurückgezogenes Leben, entsagte aller publicistischen 
Thätigkeit und widmete sich eifrig den Arbeiten 
seines Berufs in dem ihn jetzt allein beherrschen 
den Streben, eine Stellung" zu erringen, welche 
ihm die Heimführung seiner geliebten Henriette 
gestatte. In einem Briefe an diese schreibt er: 
„Nie, und wenn ich auch in den unbeschränktesten 
Verhältnissen lebte, würde ich jetzt die heilige 
Kunst durch dergleichen Schriftstellereien entweihen, 
wie ich sie noch vor 2 Jahren auf einen edlen 
Boden streute. Drei Vigilien machten mich be 
kannt im Lande, das war ein Zeichen, das man 
noch Gemeinheit haßte"; und in einem andern 
Brief: „Politische Sorgen lasten schwer auf mir, 
ach es ist schrecklich, wenn ein Ideal nach dem 
andern zerschlagen wird." 
Koch hatte seine Hoffnung zur Erreichung seines 
Ziels auf Hassenpflug gesetzt. Er schrieb an einen 
Freund: „Hassenpflug, der jetzt im Ministerium 
ist, scheint mir gewogen und so habe ich alle 
Hoffnung, bald vorwärts zn kommen und Henriette 
heimzuführen." Nach kurzer Zeit konnte er dann 
auch schon seiner Braut mittheilen daß er am 
26. Juli 1832 provisorisch zum außerordentlichen 
Referenten im Ministerium des Innern ernannt 
sei, „ich gestehe, schreibt er, daß das in Rücksicht 
auf mein Alter (24 Jahre) ein rasendes Glück 
ist. Meine juristische Laufbahn werde ich mir 
dennoch offen halten." 
Es war ein sehr trügerisches und sehr kurzes 
Glück. Selbst Henriette konnte ihre Bedenken 
nicht verheimlichen. Sie schrieb: „Also Hasien- 
pflug ist nicht allein Minister der Justiz, sondern 
auch des Innern, Jordan gedrückt und mit ihm 
in Streit für die Verfassung, so sagen die Zei 
tungen und Deine Briefe. Du, abhängig von 
dem einen und ein Freund des andern, da gilt 
es, solchen Konflikten gegenüber das Bewahren 
der eignen Ehre." 
Und schwer war auch der Kampf, welchen Koch, 
der Freund und treue Anhänger seines Lehrers 
Jordan, in seiner Stellung zu bestehen hatte, ein 
Kampf, dem er nicht gewachsen war. 
Er schrieb an seine Braut: 
Du bist glücklich, weil Du die Qual nicht kennst, 
wenn ein Staatsdiener etwas gegen seine Ueber 
zeugung thun muß. O, noch vor wenig Wochen 
schritt ich so sorgenlos auf der Bahn fort, sie 
war eben, ich ahnte nicht die Ausschreitungen
        

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