Full text: Hessenland (2.1888)

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Beginn des achten Jahrhundertes, und widmet sich 
einer Schilderung, solcher selischen Kämpfe in den 
Gemütern. Nur ein so sittlich gediegenes Volk als 
die Germanen ihrer ursprünglichen Art nach waren, 
vermochte die Offenbarungs-Wahrheit in ihrer lau 
tersten Tiefe voll und ganz zu erfaßen. Wenn uns 
Grebe als durchaus gläubiger Christ entgegen tritt, 
so kennzeichnet und ehrt es doch auch sein deutsches 
Gemüt, die Liebe zu edlen Vorfahren, daß er gleich 
wol dem Scheiden der alten Götter wehmütigen Ab 
schieds-Gruß mit Nichten versagt. 
Im Falle der Geismarer Donars-Eiche, womit 
tatsächlich das Heidentum in unserer nördlichsten 
Mark seinen Abschluß fand, gipfelt auch Greben s 
lebenswarme Dichtung. Ebenwohl der Gunst ward 
unser Chatten-Stamm teilhaft, daß ihm das Christen 
tum germanische Raffen-Genossen übermittelten: dem 
Südwesten der westgothische Adaling S. Goar, dem 
Nordosten der große Angelsachse Winfrid Bonifaz. 
In sechzehen Abschnitte, deren jeder wiederum in 
einzelne Gesänge zerfällt, gliedert Grebe in reicher 
Ausführung seinen Stoff: Einleitung; der Eichen- 
Hain; Brunons Jugend; die Weißagung der 
Priesterin; ein Volks-Fest; das Gastmahl; die Flucht 
der Geister vor dem Kreuze; auf der Gerichts-Stätte; 
die Klagen; Bruno und Priester Wolfram; der 
Kampf; Berta; der Hohen Untergang; die Befreiung; 
der Fall der Eiche; Schluß. 
„Hoch im Nord am Urdaborne 
Nah' dem großen Welten-See 
Webt und wirkt die heil'ge Norne, 
Kiest auf Erden Wol und Weh." 
hebet, im Heidentume stehend, die Dichtung an; 
„Engel-Fürsten schwebten nieder, 
Die dem Trone Gottes nah'; 
Laut ertönten Jubels-Lieder: 
Soli deo gloria!" 
ist die den Ausgang feiernde Strofe. — 
Ergreifend schön sind manche Seiten des Gedichtes; 
das dem Verlaufe der Ereignisse eingewobene Liebes 
Schicksal entwickelt sich ungekünstelt durch mancherlei 
herbes Leid zu glücklichem Ende. 
In ethnologischer Hinsicht ist einiges verfehlt: 
namentlich muß der chattische Stamm in seiner Ge 
samtheit als eigenster echter Kern fränkischer (istäwischer) 
Völkerschaften gelten; nicht als verwandtes Anhängsel. 
Zumal in den Kämpfen wider Thüringe und 
Sachsen waren wir Träger fränkischer Reichs-Geschichte; 
nicht einmal gelegentliches Liebäugeln selbst heidnisch 
gebliebener Chatten mit jenen überlieferten Wider 
sachern unseres Stammes dürfte jemals unterstellt 
werden. Auch kleine geschichtliche und volkstümliche 
Irrtümer laufen wohl hie und da mit unter. 
Selbstredend tuet derlei rein dichterischem Werthe 
der Schöpfung G r e b e n s keinen Abbruch. Wir 
empfehlen das, von vaterländischem wie gottseligem 
Sinne zeugende Büchlein — das dem Andenken des 
seligen Herrn Metroplitanes Vilmar zu Melsungen 
gewidmet ist — der Leserschaft unserer lieben Zeit 
schrift „Hessenland" zu freundlicher Teilnahme und 
etwa geneigter Beachtung als weihnachtliches An 
gebinde. Die Ausstattung ist gefällig; Wahl wissen 
schaftlicher germanistischer Schreibung, anstatt der 
neuen schulmäßigen Alfanzerei hätte einzig zum Stoffe 
gepasst. Kermann v. Pfister. 
Wir verfehlen nicht, die Kunstliebhaber unter den Lesern 
des „Hessenlandes" darauf aufmerksam zu machen, daß 
am Montag den 26. November in Leipzig durch die Kunst 
handlung von C. G. Boerner der Verkauf des sehr reich 
haltigen Kunstnachlasses der Künstlerfamilie Ruhl aus 
Kassel stattfindet. Begründer der sehr bedeutenden 
Sammlung war der Hofbildhauer Professor Johann 
Christian Ruhl (lebte von 1764 — 1842 in 
Kassel); fortgesetzt wurde dieselbe von seinen beiden 
Söhnen, dem in März 1887 dahier verstorbenen 
Geheimen Hofrath Ludwig Sigismund Ruhl und 
dem Ober-Hofbaudirektor Julius Eugen Ruhl (ge 
storben in Kassel am 27. November 1871). Der 
Katalog, welcher in der G. Klaunig'schen Hofbuchhandlung 
dahier, einzusehen ist, umfaßt 569 Nummern, von denen 
die meisten mehrere Blätter enthalten. 
Briefkasten. 
Mehreren Mitarbeitern. Wir bitten um Angabe 
von Namen (nicht Buchstaben) zur Unterzeichnung Ihrer 
Einsendungen. Das gilt insbesondere für C. R. (Hohen 
stein bei Chemnitz); 0. W. F. (Kassel); Aug. R. (Kassel); 
H. Ch. in N. (Bayern); M. S. (Haina). 
E. Bn. Fulda. Wir sind Ihnen noch einen Brief schuldig 
und gedenken in Bälde unserer Verpflichtung nachzukommen. 
M. H. Regens bürg. Dürfen wir „Weihnachtsgebet" 
verwenden und unter welchem Namen? 
E. II. Kassel. 8. B. Trier. Warum hören wir nichts 
von Ihnen. 
H. R. H. Kassel. Soll im Frühjahr verwendet werden. 
G. N. Hanau. C. H. Fulda. M. K. 0. in G. (bei 
Schlüchtern). Nicht verwendbar. Probiren Sie es mit 
einer zweiten Sendung. 
R. in Berlin. Trabert's Gedichte erregen allgemeines 
und berechtigtes Aufsehen. So kräftige Klänge schlagen 
selten an unser Ohr. Das Büchlein eignet sich trefflich 
zum Weihnachtsgeschenk. 
Berichtigung. 
In dem Artikel „Hessische Offiziere" in der vorigen 
Nummer unserer Zeitschrift, Seite 327, Spalte 1, Zeile 
28 ist statt Christian Bödicker zu setzen: Herm. Phil. 
Reinh. Bödicker. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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