Full text: Hessenland (2.1888)

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kurze Angaben aus der Geschichte des Städtchens 
Hünfeld werden unseren Lesern nicht unerwünscht sein. 
Im Jahre 782 schenkte Karl der Große das Feld, 
welches Hünfeld genannt wurde, dem Stifte Fulda. 
Dieses legte daselbst ein Kloster an, neben welchem 
ein Dorf entstand, das schon frühe durch eine Burg 
befestigt wurde, die nach 1274 als die alte Burg 
Hünfeld bezeichnet wird. Nachdem das Kloster in 
ein dem heiligen Kreuze gewidmetes Chorherrenstift 
verwandelt worden war, und Hünfeld schon einen 
Marktplatz und auch befestigte Häuser besaß, wurde 
es zu einer Stadt erhoben und 1310 von Kaiser 
Ludwig IV., dem Bayer, mit dem Stadtrechte von 
Gelnhausen begnadigt. Als 1359 zwischen dem 
Abte von Fulda, Heinrich VII. von Kralucke und 
dem Landgrafen von Hessen Heinrich II., dem Eisernen, 
sich eine Fehde erhob, eroberte Otto der Schütz, der Sohn 
des Landgrafen, Hünfeld, indem er dasselbe in der 
Nacht vom 25. November mittelst Sturmleitern 
erstieg. Aber nur kurz war der Besitz, denn bald 
erschien ein fuldischer Heerhaufen und warf die 
hessische Besatzung siegreich hinaus. Als Landgraf 
Philipp der Großmüthige 1525 gegen die auf 
rührerischen Bauern zog, welche bei Fulda lagerten, 
wurde auch Hünfeld besetzt und 1526 in dem Streite 
wegen Vertragserfüllung nochmals von den Hessen 
erobert. Die Wandlungen, welche das Fuldaer Land 
zu Anfang dieses Jahrhunderts betrafen, erstreckten 
sich auch auf Hünfeld, bis es mit dem größeren 
Theile des alten Fürstenthums Fulda 1816 an 
Kurhessen siel. 1803 war vom damaligen Regenten 
von Fulda, dem Erbprinzen Wilhelm Friedrich von 
Oranien, das Chorherrenstift zu Hünfeld aufgehoben 
und das Vermögen desselben größtentheils zur Stiftung 
des Landkrankenhauses in Fulda verwandt worden. — 
Aus Hünfeld stammte eine große Anzahl hervor 
ragender Geistlicher der Diözese Fulda, von denen 
wir hier nur des unvergeßlichen Bischofs Johann 
Leonard Pfaff (geb. am 15. August 1775 zu Hünfeld, 
gest. am 3. Januar 1848 zu Fulda), einer Zierde 
des deutschen Episkopats, gedenken wollen. 
Universitätsnachrichten. Professor der Rechts 
wissenschaft Dr. Paul Jvers, seither in Kiel, ist 
an die Universität Gießen berufen worden. 
— Der Rücktritt des berühmten Professors der 
Chemie, Geheimen Raths Dr. Robert Wilhelm 
Bunsen in Heidelberg von seinem Lehramt ist 
jetzt offiziell verkündet worden. Professor Bunsen 
steht in seinem 78. Lebensjahre — er ist geboren 
am 31. März 1811 zu Göttingen — und war be 
kanntlich von 1836 — 1838 Lehrer der Chemie an 
der polytechnischen Schule zu Kassel, von 1838—1851 
Professor an der Universität Marburg, von wo er 
zunächst nach Breslau, dann nach Heidelberg berufen 
wurde. 
— An der technischen Hochschule zu Darmstadt 
hat Dr. Adolf Hansen aus Altona die venia 
docendi für das Fach der Botanik erworben. 
Todesfälle. Am 2. November d. I. starb zu 
Hannover in seinem 77. Lebensjahre der vor- 
hinnige Direktor des Hersfelder Gymnasiums Dr. 
Georg Friedrich E y s e l l. Derselbe war ge 
boren am 23. März 1812 zu Heiligenstadt, besuchte 
das Lyceum zu Kassel, studirte von 1830—1833 zu 
Marburg Philologie, war nach bestandenem Fakultäts 
examen von 1834 bks 1835 Praktikant am Mar- 
burger Gymnasium, wurde dann Hilfslehrer am 
Gymnasium zu Fulda und von da im Sommer 1836 
an das Gymnasium zu Rinteln versetzt, wo er bis zu 
seiner Ernennung zum Direktor des Gymnasiums 
zu Hersfeld im Jahre 1867 verblieb. 1876 trat er 
in Ruhestand. Der Verstorbene war ein tüchtiger 
Philologe; seine — unseres Wissens nicht im Druck 
erschienene — Uebersetzung des Horaz war von 
musterhafter Knappheit und Schönheit des Ausdrucks. 
Dr. Eysell hat außerdem ein Werk über die „Jung 
frau von Orleans« geschrieben, das in mehreren Auf 
lagen erschienen ist. — 
Am 13. d. M. verschied zu Marburg der seit 
einer längeren Reihe von Jahren daselbst wohnende 
Herr Major z. D. v. G ir on court. Der Verblichene 
war im Jahre 1831 in Kassel geboren, absolvirte 
die Kadettenschule und trat im Jahre 1849 als 
Offizier in das kurhessische Artillerie-Regiment ein. 
Im Jahre 1866 als Hauptmann in das schlesische 
Artillerie-Regiment versetzt, machte er mit diesem den 
Feldzug von 1870/71 gegen Frankreich mit, nahm 
dann, da seine Gesundheit durch denselben angegriffen 
worden, seinen Abschied und im Jahre 1878 seinen 
dauernden Aufenthalt in Marburg. Hier widmete 
er sich insbesondere historischen Studien und zeichnete 
sich durch reiche Kenntnisse der neueren, namentlich 
der hessischen Geschichte aus, wie er denn auch als 
einer der eifrigsten Förderer der Bestrebungen des 
hessischen Geschichtsvereins galt und auf diesem Ge 
biete namentlich durch seine gediegenen Vorträge über 
frühere hessische Militärverhüllnisse in: Marburger 
Geschichtsverein, sowie durch einen, im Jahre 1886 
gelegentlich der Generalversammlung des hessischen 
Geschichtsverein in Homberg gehaltenen großen Vor 
trag, in weiteren Kreisen bekannt wurde. Seit Jahren 
leistete der Verblichene auch als Volontär auf dem 
Marburger Staatsarchiv die besten Dienste, wo er 
sich um die Sichtung und Ordnung der Militär 
urkunden ein großes Verdienst erwarb. In gleich 
vortrefflicher Weise wirkte er als langjähriger Biblio 
thekar der Museumsgesellschaft in Marburg, deren 
Bibliothek er mit großem Fleiße in die beste Ver 
fassung brachte und sich, neben seinen sonstigen rühm 
lichen persönlichen Eigenschaften, durch welche er sich 
die allseitige Liebe und Achtung seiner Mitbürger er-
        

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