Full text: Hessenland (2.1888)

ababurg 
Historische Skizze von F. Swenger. 
(Fortsetzung.) 
Unsere hessischen Vorfahren liebten es, die Ent 
stehung ihrer Städte, Dorfschaften, Burgen mit 
einer Sage zu umweben. Dies ist auch bei 
Sababurg der Fall. Soll da in grauer Vorzeit 
eine Riesenjungfrau, die Saba, gelebt haben, die, 
wie die Trcndela die Trendelburg, die Brama 
die Bramburg, die Sababurg erbaut haben soll. 
Hat man doch auch für Lippoldsberg eine Lippola, 
für Gieselwerder eine Giesela geschaffen. Es ist 
wohl klar, daß diese Sagen, welche erst im 16. 
Jahrhundert auftauchten, auf etymologische Spie 
lereien zurückzuführen sind, wie sie damals unter 
den Gelehrten Mode waren. Daran ändert auch 
nichts, daß auf der Sababurg lange Jahre hin 
durch eine riesige Bettlade als diejenige vor 
gezeigt wurde, in welcher die Riesenjungfrau ge 
ruht haben soll. Und in das Gebiet der Fabel 
ist es auch zu verweisen, daß man die unmäßig 
großen Rippen der Saba aufgefunden und in 
der Kunstkammer zu Kassel aufbewahrt haben soll. 
Historisch verbürgten Nachrichten zufolge hat 
das Erzstift Mainz, zu dessen Kirchensprengel 
bekanntlich unser Hessenland gehörte und in 
dessen Territorialbesitze damals ein großer Theil 
der dortigen Gegend sich befand, mit der Er 
richtung der Sababurg, Zapfenburg, Zappinburg, 
wie sie bis in das 16. Jahrhundert wohl wegen ihrer 
Bauart hieß, erst am 20. April 1334 begonnen und 
im Jahre 1336 war der Bau nothdürftig vollendet. 
Das benachbarte Gottesbüren war. im Mittel 
alter ein berühmter, vielbesuchter Wallfahrtsort. 
Dort spendeten die Pilger reiche Gaben, und ein 
Theil der letzteren wurde dazu verwendet, die 
Zapfenburg zu errichten, wohl zu dem Zwecke, 
um als Feste die dortige Gegend zu beschützen 
und dieselbe im Gehorsam zu erhalten. Zum 
Bau erwählte man die eine Stunde südlich von 
Gottsbüren sich 1104 Fuß über der Weser bei 
Gieselwerder erhebende Basaltkuppe eines von 
Norden nach Süden ziehenden Bergrückens, 
welche die dortige Gegend beherrschte. Die 
Burg wlirde nach ihrer Herstellung einem wackeren 
Kriegsmann, dem Ritter Arnold von Porten- 
hagen, zur Bewachung übergeben, dem auch der 
fernere Ausbau übertragen wurde. Kaum war 
dies geschehen, als der Landgraf von Hessen be 
gründeten Protest gegen die Burg erhöh, weil 
dieselbe auf seinem Boden errichtet sei, den 
Abbruch verlangte und im Weigerungsfälle mit 
der Gewalt der Waffen drohte. Ein gleiches 
Verfahren hielten auch der Herzog von Braun 
schweig und der Bischof von Paderborn ein. 
Der Widerspruch dieser drei benachbarten Fürsten 
fand keine Beachtung. Die Verhandlungen dar 
über zogen sich in die Länge und als dieselben 
zu keinem Resultate führten, so griffen der 
Landgraf von Hessen, der Herzog von Braun 
schweig, der Bischof von Paderborn zu den 
Waffen. Die Fehde zog sich einige Jahre hin, 
endlich wurden die Mainzer besiegt und der 
Streit über die Zapfenburg durch den Vertrag 
vom 10. Mai 1354 dahin ausgeglichen, daß den 
Landgrafen von Hessen die Hälfte der Burg als 
Eigenthum abgetreten, Paderborn aber durch 
Geldeutschüdigung abgefunden wurde. Die ver 
pfändete Mainzer Hälfte fiel später dem Ritter 
Burkard von Schöneberg zu, und als der letzte 
dieses Geschlechts 1428 gestorben war, verkauften 
1429 dessen Erben die Pfandschaft an Hessen, 
welches dadurch in den Besitz der ganzen Burg 
gelangte. Wenn nun auch die Zapfenburg einige 
Zeit verfallen war und in Folge dessen unbe 
wohnt blieb, so wurde sie doch^ trotz ihrer 
Verödung von den hessischen Fürsten häufiger 
besucht ünd allmälig ihrer eigentlichen Bestim 
mung zugeführt, in ein Jagdschloß umgewandelt 
zu werden in dem größten und wildreichstcn 
Waldbezirke Hessens, dem Reinhardswalde, dessen 
Bestand vorzüglich Buchen und Eichen bilden. 
Landgraf Wilhelm II. von Hessen war es, 
der den glücklichen Gedanken faßte, die 
Trümmer der Sababurg zu den Grundlagen 
eines Jagdschlosses zu benutzen. Im Jahre 
1490 wurde der Bau begonnen und 1492 
war das neue Schloß bereits soweit gediehen, 
daß es bewohnt werden konnte. Zugleich hatt--' 
der Landgraf ein Gestüte angelegt, das ba 
emporblühte. 1508 wurde das Schloß er
        

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