Full text: Hessenland (2.1888)

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mit der Inschrift: „Ihrem treuen Lehrer Bruno Berlit 
widmen dieses Denkmal dankbare Schüler. 1888." 
Universitätsnachrichten. Marburg. An 
Stelle des nach Berlin berufenen Professors Dr. Adolf 
Harnack ist der Professor Dr. Richard Greef zum 
Rektor der hiesigen Universität für das Amtsjahr 
1888/89 gewählt und bestätigt worden. — Der Privat 
dozent an der Universität Berlin und Prediger an der 
Waisenhauskirche zu Rummelsburg bei Berlin Die. 
tüeol. et Dr. phil. Gustav Adolf Iülicher 
wurde vom 1. Oktober d. I. ab zum außerordent 
lichen Professor in der theologischen Fakultät der 
hiesigen Universität ernannt. Dem Vernehmen nach 
ist derselbe mit der Verwaltung der durch das Ab 
leben des Konsistorialraths Professor Dr. Ranke frei 
gewordenen ordentlichen Professur beauftragt worden. 
— In der philosophischen Fakultät hiesiger Hoch 
schule habilitirte sich Dr. Wolfgang v. Oettingen 
mit einer Habilitationsschrift: „Der Bildhauer- 
Architekt Antonio Averlino, genannt Filarete" und 
einer Probevorlesung über Ziele und Wege der 
neueren Kunstgeschichte. (O. Z.) 
Todesfälle im Monat Oktober. Am 2. 
Oktober starb dahier der Konsistorialrath Heinrich 
Seebohm. Geboren am 2. April 1825 zu Roden - 
berg in der Grafschaft Schaumburg, Schüler des Gym 
nasiums zu Rinteln, war derselbe in Rinteln zuerst 
als Lehrer, dann 22 Jahre als Pfarrer daselbst und 
15 Jahre hier in Kassel als Konsistorialrath thätig. 
— Am 7. Oktober verschied dahier im fast vollendeten 
82. Jahre der Oberst z. D. Philipp Otto 
Schneider, früher kurhessischer Artillerieoffizier. — 
Am 10. Oktober starb zu Fulda in seinem 84. 
Lebensjahre nach nahezu fünfjähriger Krankheit Dr. 
Joseph Wiesen, 1834 —1835 Lehrer der Mathe 
matik und Naturwissenschaften am Gymnasium zu 
Rinteln. In Fulda ertheilte er eine lange Reihe 
Jahre Privatunterricht in Sprachen, Mathematik 
und Naturwissenschaften und hat Tausende von 
Schülern in diese Wissenschaften eingeführt. — Am 
13. Oktober starb dahier im Alter von 70 Jahren 
der Kantor und Schulvorsteher Otto Ringeling. 
— Am 24. Oktober verschied dahier im 68. Lebens 
jahre der Privatmann Daniel Zahn, Mitglied 
des hiesigen Stadtraths. — Am 24. Oktober starb 
zu Marburg im Alter von 59 Jahren der Baron 
August Wilhelm Xaver von Knoblauch zu 
Hatzbach. — Am 27. Oktober verschied dahier im 
82. Lebensjahre der ehemalige Staatsminister Sig 
mund von Meyer, der letzte Gesandte Kurhessens 
am Pariser Hofe. Der Verblichene genoß in hohem 
Grade das Vertrauen des Kurfürsten Friedrich 
Wilhelm und war bekanntlich einer der Testaments 
vollstrecker von dessen letztem Willen. Getreu dem 
Grundsätze „Noblem oblige“ zeichnete er sich durch 
seinen Wohlthätigkeitssinn auf das Rühmlichste aus. 
Kunst und Literatur. 
Bilder aus der Hessischen Geschichte. 
Gemalt von Louis Katzenstein. Kassel, Ernst 
Hühn (1888). 
Kein deutsches Land, das eine Rolle in der Ge 
schichte gespielt hat, dürfte so arm an künstlerischen 
Darstellungen aus seiner Vergangenheit sein, als 
Hessen. Leider — dürfen wir vom Standpunkte des 
Kunstliebhabers ausrufen — wird wohl kein hessisches 
Fürstenschloß mehr von kunstsinnigen Herrschern mit 
Wandgemälden geschmückt werden, wie andern deutschen 
Stämmen dies jetzt zu Theil wird. An Stoff würde 
es dem Künstler nicht fehlen, am wenigsten, wenn 
er sich kriegerische Großthaten zum Vorwurf nehmen 
sollte. — Louis Katzen st ein hat solche nicht ge 
wählt, — ob mit Absicht, weiß ich nicht. Dagegen 
hat er uns mit einer Reihe wunderhübscher Genre 
bilder beschenkt, welche (ein einziges ausgenommen) 
als Friedensbilder sich bezeichnen lassen. Der 
Gedanke ist glücklich: seine Ausführung erinnert uns 
an Zeiten, wo Fürsten und Volk noch einander nahe 
standen, so nahe oft, daß die landesväterliche Fürsorge 
sich selbst auf die Speisen und Getränke erstreckte. 
Das erste Bild zeigt uns Landgraf Philipp in 
Luthers Wohnung zu Worms i. I. 1521. Die Scene 
ist so zu sagen der Ausgangspunkt jener Umgestaltung, 
welche im zweiten Bild wirksam zur Anschauung ge 
bracht wird: Heinz von Lüder rettet die Insassen 
von Kloster Haina vor drohender Austreibung. Trägt 
die Erzählung, wie sie uns Lezner in seiner Be 
schreibung d?s Klosters Haina giebt, auch nicht gerade 
den Stempel der Wahrheit an der Stirn (daß etwas 
dem Aehnliches stattgefunden, ist leicht denkbar), so 
ist sie doch sehr charakteristisch. Der Maler hat, wie 
man mit Vergnügen bemerkt, sich von jeder, hier so 
nahe liegenden Uebertreibung fern gehalten. 
Auf dem 3. Bilde sehen wir den Landgrafen 
Moritz, wie er die persische Gesandschaft, welche 
i. I. 1600 Kassel passirte, empfängt. Das vierte 
versetzt uns in die Zeit des dreißigjährigen Krieges: 
Landgräfin Amelie Elisabeth läßt im Lager bei 
Leer ihrem Sohne, dem jungen Landgrafen Wil 
helm VI., damals acht Jahre alt, huldigen. Der 
zarte Knabe einer- und der vor ihm knieende Kriegs 
mann, wohl General Melander, andererseits bilden 
einen seltsamen Kontrast. Es folgen dann die glück 
lichen Zeiten Landgraf Karls, des trefflichen, nicht 
genug zu schätzenden Friedensfürsten: Bild 5 zeigt
        

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