Full text: Hessenland (2.1888)

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deutschen König Konrad I., den Franken, durch den 
Verein für hessische Geschichte und Landeskunde im 
Dome zu Fulda, die Schrift „Das Grab König 
Konrads I. in der Basilika zu Fulda" heraus. Als 
am 22. Mai 1885 das fünfzigjährige Jubiläum des 
reorganisirten Gymnasiums zu Fulda stattfand, ver 
faßte Professor Gegenbaur die Festschrift unter dem 
Titel „Ein Jahrhundert aus der Geschichte der 
höheren gelehrten Schulen Fulda's, 1734—1835“. 
Alle diese Schriften zeichnen sich ebenso sehr durch 
zweckmäßige Anordnung des Stoffes, wie durch 
musterhafte Behandlung der Sprache aus. Und daß 
auch der wissenschaftliche Werth sich stets mit dem 
formalen deckt, dafür bürgt allein schon der Name des 
Verfassers, gilt Gegenbaur doch nebst seinem Freunde, 
dem am 6. Januar 1886 verstorbenen Rechts 
anwälte Victor Freys, für den besten und gründ 
lichsten Kenner der fuldaischen Geschichte. Dieses 
Rufes erfreut sich Gegenbaur allgemein unter 
den deutschen Historikern. Zahlreich waren und sind 
heute noch die Anfragen, die an ihn um Aufklärung in 
historischer Beziehung gestellt werden, und die er stets 
mit größter Bereitwilligkeit nach bestem Wissen be 
antwortet. — Auch noch auf anderem Gebiete, denn 
auf historischem, war Gegenbaur als Schriftsteller 
thätig. Wir wollen hier nur nebenbei seines 
„Leitfadens für den geographischen Unterricht auf 
Gymnasien, Realschulen rc." gedenken, der 1853 
zuerst erschien und wiederholt neue Auflagen erlebt 
hat. — Zu der Herausgabe einer Sammlung seiner 
Gedichte hat sich Gegenbaur bis jetzt noch nicht ver 
stehen können, und doch verdienten sie dieselbe. 
Einzelne, wir wollen hier nur das „Dem deutschen 
Parlamente“ im Jahre 1848 gewidmete, sowie das 
Gedicht auf Rhabanus Maurus „Wohl stand im 
goldenen Mainz die Wiege“, das von dem trefflichen 
Komponisten Dr. Andreas Henkel in Musik gesetzt 
worden ist, erwähnen, sind reich an poetischer Schön 
heit. — Schärfe des Verstandes, Wärme des Her 
zens, nimmer versagendes Gedächtniß, treue Freund 
schaft, Wohlwollen gegen Jedermann, sind Eigen 
schaften, durch die sich Gegenbaur ganz besonders 
auszeichnet, und wie sehr dieselben auch Anerkennung 
gefunden haben, das stellte sich so recht bei der Feier 
der silbernen Hochzeit Gegenbaur's am 10. Juli 
1881 heraus. Zahlreich waren die Glückwünsche, 
die da von Freunden und dankbaren Schülern 
an den Jubilar und die Jubilarin, die sorg 
same Hausfrau, die treffliche Erzieherin ihrer 
Kinder, die treue Genossin der Bestrebungen ihres 
Gatten einliefen, trotzdem die Feier sich nur im engen 
Kreise der glücklichen Familie vollzog. — Möge es 
unserem hochverehrten Freunde und Gönner noch 
recht lange vergönnt sein, sein otium cum dignitate 
zu genießen und möge er bei seiner Geistesfrische 
und seinem regen Interesse für Geschichte, Literatur 
und Kunst seine jetzige Muße dazu verwenden, uns 
noch recht oft mit Erzeugnissen seiner schriftstellerischen 
Wirksamkeit zu erfreuen. 
F. Z. 
Im Schaufenster der E. Hühn'schen Hofbuchhandlung 
war vor einigen Tagen ein von Max Lieb erg ge 
maltes, sehr gelungenes und wohlgetroffenes Portrait 
(Kniestück) des hiesigen Schriftstellers S. H a h n - 
d o r f ausgestellt. Das Bild erweckt um so größeres 
Interesse, als Hahndorf, der Nestor unter den deutschen 
Journalisten, der am 12. Dezember d. I. sein 
87. Lebensjahr vollendet, ein in den weitesten Kreisen 
bekannter, allgemein hochgeschätzter und seiner Vater 
stadt treu ergebener Bürger ist, den man mit Recht 
als die personifieirte Geschichte Kassels seit 60 Jahren, 
in guten und in bösen Tagen, bezeichnen kann. 
Seine hervorragende Wirksamkeit auf fast sämmtlichen 
Gebieten des öffentlichen Lebens ist zu bekannt, als 
daß dieselbe noch besonderer Erwähnung bedürfte. 
Im hiesigen Kunsthause sind seit Kurzem eine 
größere Anzahl von Bildwerken einheimischer Künstler 
ausgestellt. Da ist u. A. Louis K a tz e n st e i n mit 
einem interessanten historischen Genrebild: „Mozart 
spielt Schikaneder die Melodiken zur Zauberflöte vor" 
und einer „Lautenspielerin" vertreten. Der Akademie 
lehrer E. Neumann sandte ein größeres gemaltes 
„Marinestück“ und eine „Landschaft aus dem schotti 
schen Hochland“. Auch mehrere seiner Schülerinnen, 
wie Frl. v. Hugo und Frl. v. Grote haben tüch 
tige Arbeiten geliefert. Der unermüdlich schaffende 
Johannes Kleinschmidt stellte wieder einige vor 
treffliche Portaits, sowie ein sehr humorvolles und 
auch technisch bedeutendes Genrebild, „Glückseligkeit" 
betitelt, aus. Einem hübschen neuen Talente begeg 
neten wir in Frl. Mensing, welche vier Pastell- 
Portraits zur Ausstellung brachte. 
Auf dem Friedhofe zu H e r s f e l d ist vor Kurzem 
dem am 25. März 1887 verstorbenen Gymnasial- 
Oberlehrer Bruno B e r l i t ein Grabdenkmal 
errichtet worden, dessen Uebergabe an die Familie 
des Dahingeschiedenen» wie die „Hersfelder Zeitung" 
berichtet, am 17. Oktober erfolgte. Nahezu 200 
Schüler des beliebten Lehrers haben es durch 
ihre Beiträge ermöglicht, daß dieses Denk 
mal in stattlichster Form ausgeführt werden 
konnte. Auf einer breiten Grundlage aus rothem 
Sandstein erhebt sich ein mehrfach gegliedertes Posta 
ment aus grünlichem Sandstein, dessen obere Theile 
ringsum reichende Eichenkränze von wirkungsvoller 
Steinmetzarbeit schmücken. Das Postament trägt 
einen Obelisken aus schwarzem Granit, dessen Vor 
derseite, dem vorbeiführendem Wege zugewandt, ein 
vergoldetes Kreuz zeigt. An derselben Seite ist in 
das Postament eine weiße Marmorplatte eingelegt
	        

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