Full text: Hessenland (2.1888)

332 
Ans alter und neuer Zeit. 
Sprüche an Häusern in der Wette rau. 
In Nr. 19, S. 301 des werthen „Hessenlandes" von 
diesem Jahrgange finden sich einige Ergänzungen zu 
der schätzenswerthen Sammlung von Sprüchen an 
alten hessischen Bauernhäusern in Nr. 18, S. 253 
bis 255 genannter Zeitschrift vom Jahrgange 1887. 
Daneben sei noch verwiesen auf den anziehenden 
Aufsatz: «Hessisches Leben in Sprüchen der Häuser“ 
im Althessischen Volkskalender vom Jahre 1884 
(Melsungen bei W. Hopf) S. 54 — 95. 
Hierzu bringen wir einen kleinen Beitrag aus 
Laubach in der Wetterau. 
Allda lesen wir an einem Eckhause der sog. 
„Wildemannsgasse" (benannt nach einem Hause dieser 
Gasse, an dessen Eckbalken zwei wunderliche, bunt 
gemalte Gestalten, der „wilde Mann und die wilde 
Frau/ angebracht sind): 
„„Auf Gottes Güt hab ich gebauwt, 
Niemand als Ihm allein verträumt, 
Behud dies Haus, o treuwer Got, 
Vor Wasser und vor Feuwersnoth, 
Ewig las dir befohlen sein 
All die darin gehn aus und ein.““ 
B. H. David Virling. 1656. Caspar Ros f — 
Im sog. „Grünen Meer“ finden wir: 
„„Gott bewahre dieses Hauß 
Und führe alles in Gnaden auß, 
Er lasse den Einwohner in Friede leben, 
In Worten und Werken nach seinen Geboten 
streben. 
So wird alles wohlgethan, 
Wann er geht die Himmelsbahn.““ 
In demselben Stadtviertel hat ein Ehepaar den 
Spruch gewählt: 
„ „Der Segen des Herrn macht reich ohne Mühe. 
Adam Schmitt und Sibylla, beyde Eheleut, durch 
Gottes Segen erbaut, aufgericht im Jahr 1667 
den 14. May.““ --- 
Eine halbverstümmelte Inschrift in der „Langen 
Gasse“ besagt: 
„„.... Sein Meister Johan Berger genannt, 
Gott behuts vor Wasser und Braut.“" — 
Holperigen Versmaßes, aber wohlmeinend, ist 
nachstehender Spruch an einem Hause „in der Lippe“: 
„„Ghe bald, 
Ehdan du werft krank und ald, 
Dan hie doch kein Bleibens nicht mehr ist, 
Deine Wohnung mach bei Jesus Christ.““ 
Selbstbewußt klingt die Inschrift eines Hauses 
derselben Straße: 
„„Der Bauwherr dieses Haus genannt 
Johannes Triebert, 
Sein Nam ist wohlbekannt.““ 
Der ansprechende Vers; 
„„Wir banwen alle fest 
Und sein doch fremte Gäst 
Un da wir sollen ewig sein, 
Da bauwen wir gar wenig ein,““ 
den uns der Althessische Volkskalender a. a. O. 
S. 55 aus Dennhausen, das Hessenland a. a. O. 
S. 254 aus Lobenhausen und Westfalen meldet, 
findet sich ebenwohl an zwei Häusern derselben 
Straße. 
In gleichem Viertel unseres Städtchens stoßen wir 
auf nachstehende lateinische Inschrift: 
„ „ Auxiliante Deo domus haec est Bartolomaei 
Draubi structa Dei quam pia dextra tegat. 
Hans Hoffmann civis incola Laubach 18. Sep 
tember 1617.“ “ 
Ueber der Thüre dieses Hauses steht: 
„„Foelix introitus, foelicior exitus esto.““ — 
Hier sei noch beigefügt die Inschrift einer Scheune 
in der „Langen-Gasse“, erbaut im Jahre 1620 
durch Dominus Albertus Otto Bilgenius (vergl. 
über diese Persönlichkeit die „Wetterfelder Chronik,“ 
hggbn. von Friedrich Grafen zu Solms-Laubach und 
Gymnasiallehrer Dr. W. Matthäi, Gießen bei 
I. Ricker 1882, S. 55—56), also lautend: 
„ „Anno quo Comiti Palatino bella serebat Caesar 
per Spinolae tacta (facta) severa trucis, haec 
Albertus Otho Bilgenius horrea struxit, quae 
tegat a cunctis Christus Jova malis. “ “ — 
Dr. JL A. 
Sie erwähnten in der vorigen Nummer der Kunst 
des Wein trinken s aus früheren Zeiten. Ein 
Beispiel ähnlicher Art findet sich in der Selbst 
biographie eines hessischen Edelmanns, welcher 
im Dienste des Fürsten von Waldeck im Jahre 1738 
an den gefürsteten Abt von Corvey abgesandt war. 
Er schreibt über diese Sendung: „Der gefürstete 
Abt ließ mich durch einen Kavalier und vier 
Laquaien in einem mit 6 Pferden bespannten Wagen 
im Posthause in Höxter, wo ich abgestiegen war, ab 
holen. Von dem Fürsten wurde ich recht höflich 
empfangen und empfing Vormittags die Lehen. Mit 
tags bei Tische tranken mir Jhro Fürstliche Gnaden 
zwanzig Deckelgläser Wein unter Trompeten- und 
Paukenschlag zu. Nachmittags wurden der Lehnbrief 
und die Reservates unterschrieben und wurde da der 
Wein in großen Bouteilles in die Lehnkammer ge 
bracht. Doch ich konnte in der Zeit ungemein stark 
trinken und fuhr in derselben Begleitung, wie ich 
abgeholt war, ziemlich nüchtern nach Höxter zu 
meinem Postmeister zurück. Dieser stutzte, als er 
mich noch so nüchtern sah und gerieth in gar großes 
Erstaunen, als ich ihn bat, mir zu dem Nachtessen 
noch drei Maß Wein auszufolgen.“ 
W. R.-L.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.