Full text: Hessenland (2.1888)

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lichung seiner Person, sondern ausschließlich auf 
die Wohlfahrt seiner Unterthanen war das 
Streben dieses edlen Fürsten gerichtet." 
Die Städte Fulda, Hammelburg, Hünfeld und 
Brückenau ließ Heinrich von Bibra mit neuem 
Pflaster belegen, die Dörfer mit Feuerspritzen 
versehen. Er ordnete die Anlegung der Todten- 
höfe außerhalb der bewohnten Ortschaften an 
und verbot das Begraben der Leichen innerhalb 
der Kirchen, Städte und Dörfer. 
Im Jahre 1782 erließ Fürstbischof Heinrich 
eine Verordnung über die Armenpflege, durch 
welche dieser Zweig der Staatsverwaltung eine 
durchgreifende Organisation erhielt. An jeder 
Gerichtsstelle mußte sich eine Armenkommission 
bilden, welche halbmonatliche Berichte und Ta 
bellen an die Centralarmenkommission in Fulda 
einzusenden hatte; jene Tabellen hatten Rubriken: 
1) für die arbeitsunfähigen, 2) für die von der 
Kommission zu beschäftigenden, 3) für diejenigen 
Armen, welche durch Zwangsmaßregeln zur Ar 
beit anzuhalten seien. Hiermit trat ein strenges 
Verbot des Bettelns in Wirksamkeit. 1787 er 
ließ der Fürst eine Zunftordnung. Er errichtete 
ein Zwangsarbeitshaus mit Wollenmanufaktur 
im Spital zum hl. Geist, ferner eine Waisen 
anstalt und eine Vorschußkasse. 
Aber nicht allein um die materielle Wohl 
fahrt seines Landes hat Fürstbischof Heinrich VIII. 
sich die größten Verdienste erworben, auch für 
das geistige Wohl seiner Unterthanen war er, 
wie bereits bemerkt, eifrigst besorgt, und 
wie wenige unter den Fürsten seiner Zeit suchte 
und wußte er dasselbe zu fördern. Zwei 
Schöpfungen sind es in dieser Beziehung, die 
ihm vor allem in der Geschichte seines 
Landes einen unvergänglichen Namen ver 
schafft haben: Die Stiftung der Landes 
bibliothek und der Erlaß einer Schulord 
nung, welche letztere heute noch mit zu dem 
Besten gehört, was auf diesem Gebiete geleistet 
worden ist. 
Heinrich von Bibra war, wie die meisten Fürst 
äbte und Fürstbischöfe von Fulda im vorigen 
Jahrhundert, kein Freund der Jesuiten, denen 
in jener Zeit hauptsächlich der Unterricht in dem 
Hochstifte Fulda anvertraut war. An der 
Universität theilten sie sich mit den gelehrten 
Benediktinern, mit welchen sie fast ständig auf 
dem Kriegsfuß lebten, in die Professuren, das 
Gymnasium beherrschten sie ganz und auch an 
den niederen Schulen war ihr Einfluß vorwiegend. 
Da erfolgte am 21. Juli 1773 durch Papst 
Klemens XIV. die Aufhebung des Jesuitenordens, 
die für den Fürstbischof Heinrich von Bibra 
weder unerwartet noch unerwünscht gekommen 
zu sein scheint. Gleich nachdem die Nachricht in 
Fulda eingetroffen, richtete er an den Kanzler 
der Universität, den Propst vom Michaelsberg 
Freiherrn Damian Ritter von Grünstein ein 
Schreiben, das nach den einleitenden Kurialien 
mit den Worten beginnt: „Nachdem endlichen 
Seine päpstliche Heiligkeit Sich entschlossen, den 
Orden derer ckosaitaruin .... aufzuheben." 
(S. Komp, die zweite Schule Fulda's 1877, 
pag. 157.) Und nun kam der vom Fürstbischof 
Heinrich schon längst gehegtePlan der Verbesserung 
des Schulwesens in seinen Landen zur raschen 
Ausführung. Er setzte zu diesem Zwecke eine 
aus dem Superior des Benediktinerordens Karl 
von Piesport, dessen jüngerem Bruder dem 
Domkapitular und Universitäts-Rektor Ermenold 
von Piesport, dem geheimen Hofrath Franz 
Leonard Brack und dem Professor des kanonischen 
Rechts Di'. Ludovicus Beck bestehende Kommission 
ein, zu deren Berathungen auch der fürstliche 
Leibarzt Dr. M. A. Weikard zugezogen wurde. 
Das Ergebniß derselben war die fürstliche Ver 
ordnung vom 23. September 1774, welche das 
gesammte Unterrichtsgebiet der höheren, mittleren 
und niederen Schulen umfaßte. Der Lehrplan 
für die mittleren und niederen Schulen erfuhr 
durch diese Verordnung eine vollständige Änderung. 
Bei den mittleren Schulen, zu welchen das 
Gymnasium zählte, wurde nicht blos auf die 
alten Sprachen Latein und Griechisch Rücksicht 
genommen, es wurde vielmehr ganz besonderes 
Gewicht auf den Unterricht in der deutschen 
Sprache und in den Realien gelegt. An das 
Gymnasium, welches vier Klassen umfaßte, schloß 
sich als höhere Schule ein zweijähriger 
philosophischer Kursus an, in welchem die sog. 
philosophischen Disciplinen, als Philosophie im 
engeren Sinne, Philologie, Geschichte, alte und 
neuere Literatur, Mathematik und Naturwissen 
schaften von Professoren der Universität gelehrt 
wurden. Erst nach Absolvirung dieses Kursus 
konnten die Schüler zu den eigentlichen Fach 
studien übergehen. Der Unterricht an dem hoch- 
fürstlichen Gymnasium, wie die Anstalt nunmehr 
hieß, war anfänglich Weltgeistlichen übertragen 
worden. Da diese aber, wenig vertraut mit den 
pädagogischen Anforderungen und dem Schulfache 
überhaupt, sich nicht so bewährten, als man 
gehofft hatte, so mußte man wohl oder übel zu 
den Exjesuiten zurückgreifen und diese als Lehrer 
des Gymnasiums verwenden. Einen besonderen 
Einfluß gewannen sie dadurch jedoch nicht wieder. 
Sie mußten sich genau nach den Weisungen des 
gestrengen Herrn Superiors Karl von Piesport 
richten, welcher der eigentliche Kultusminister 
des Fürstbischofs war. 
Von weit größerer Bedeutung waren die ein 
greifenden Aenderungen und Verbesserungen, welche
        

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