Full text: Hessenland (2.1888)

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Jahrhunderten, aber auch sie veranstalteten 
glänzende Jagden / die wohl noch in lebhafter 
Erinnerung der Theilnehmer geblieben sind. 
Zum Zwecke der Ausübung der Jagd und zur 
Feier der damit verbundenen Festlichkeiten hatten 
schon in frühester Zeit hessische Fürsten Jagd- 
schlösser erbaut. Hatten früher die Burgen von 
Spangenberg und Reichenbach dazu gedient, so 
legte Landgraf Ludwig II. 1469 das erste Jagd 
schloß in Hessen in einem wildreichen Walde der 
Mülmisch, nahe des Dorfes Kehrenbach bei 
Melsungen, an. Es wurden ferner zu Jagd 
schlössern die alten Festen Wollersdorf und 
Friedewald umgewandelt. Weiter finden wir 
Jagdschlösser und Jagdhäuser zu Heida, zu Weißen 
stein, zur Karthause am Heiligenberge, zu Bracht 
im Burgwalde, zu Marburg, zu Kaufungen, zu 
Holzhausen, zu Hombressen, zu Elgershausen, zu 
Waldau, zu Wabern. Zum fürstlichen Jagdzeug 
haus und zugleich zur Wohnung des fürstlichen 
Oberjägermeisters diente bereits unter Landgraf 
Philipp das Jägerhaus zu Kassel und wurde zu 
diesem Zwecke benutzt bis in das vorige Jahr 
hundert, wo es befestigt und zu einem Staats 
gefängnisse umgewandelt wurde. Das bedeutendste 
Jagdschloß aber in Hessen war die im Reinhards 
walde gelegene Zapfenburg, Sababurg wie 
sie heute heißt, jenes alte Schloß, das reich an 
historischen Erinnerungen, eine Zierde und ein 
Stolz unseres Hessenlandes ist. Mit der Ge 
schichte dieses Schlosses, dessen Bild nach Merian 
wir unserem Artikel vorgestellt haben, werden 
wir uns in der nächsten Nummer unserer Zeit 
schrift beschäftigen. 
lFortsetzung folgt.) 
mnrich von Mbra, Kürstbischos von 
Von F. Swenger. 
lFortsetzung.) 
Am 20. März 1757 hatte eine Feuersbrunst 
die Kirche und einen Theil des Klostergebäudes 
am Frauenberge zerstört, am 6. September 1758 
hatte der Vorgänger Heinrich's von Bibra, der 
Fürstbischof Adalbert II., von Walderdorf, den 
Grundstein zu der neuen Kirche gelegt. Der 
Bau derselben wurde von dem Fürstbischof 
Heinrich (1766) vollendet und zugleich das neue 
Klostergebäude aufgeführt, zu welchem am 20. 
April 1762 der Domkapitular Ermenold von 
Piesport auf Geheiß des Fürsten den Grund 
gelegt hatte. Im Jahre 1770 ließ Fürst Heinrich 
von Bibra den Bau der jetzigen Stndtpfarrkirche 
beginnen, die 1785 vollendet wurde. Außerdem 
erbaute er noch das Schloß in Neuhof und das 
Zuchthaus in Fulda. Dem Bade Brückenau, in 
welchem er gern zu verweilen Pflegte, wandte er 
seine ganz besondere Fürsorge zu. Er ließ den 
Park dortselbst anlegen, den sog. rothen Bau 
und den Langenbau errichten, ja sogar ein 
eigenes Theater (nachher ein Wirthshaus) her 
stellen. Er selbst bewohnte in Brückenau das 
spätere königliche Schlößchen, nachdem er seine 
frühere Wohnung „zum Biber" aus Gesund 
heitsrücksichten verlassen hatte. Unter der Re 
gierung Heinrich's von Bibra erreichte das Bad 
Brückenau seine erste Glanzperiode. 
Ungleich größeres Verdienst als durch seine Hoch 
bauten, erwarb sich der Fürstbischof Heinrich von 
Bibra durch Errichtung von musterhaften Land 
straßen durch fast alle Gebiete des suldaischcn 
Landes. Schon im Jahre 1764 begann er den 
Straßenbau, als einer der ersten deutschen 
Fürsten, die sich mit diesem für die Landeswohl 
fahrt so äußerst wichtigen Zweige der öffentlichen 
Verwaltung beschäftigten. Die ersten Land 
straßen, die Fürst Heinrich von Bibra herstellen 
ließ, waren die Straße von Fulda durch Hüu- 
feld bis an die Grenze von Vacha und die 
Straße von Fulda durch Neuhof bis an die 
Grenze von Schlüchtern; mit der ersteren stand 
die Errichtung der Hauptwache und des Paulus 
thores, mit der letzteren der Bail der Kohl- 
häuserbrückc in Verbindung. Die Herstellung 
dieser Straßen fällt in die Jahre von 1764 bis 
1771. Die Straße durch das Amt Salmünster 
wurde in den Jahren 1773 und 1774 angelegt; 
von 1774 bis 1779 wurde die Straße von 
Kohlhaus bis Brückenau und von 1779 bis 
1785 die Straße von Brückenau bis Hammel 
burg erbaut. Hiermit stand in Verbindung 
eine Abzweigung der Straße nach dem Schlosse 
Fasanerie und eine solche nach dem Bade 
Brückenau. — „Bei allen Bauten des Fürsten 
Heinrich VIII. von Fulda," schreibt der Bau 
inspektor Karl Arnd in seiner Geschichte des 
Hochstiftes Fulda, „findet sich keine Spur von 
sogenannten Hofbauten; nicht auf die Verherr-
        

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