Full text: Hessenland (2.1888)

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in die Hände des Gesammtvorstandes gelegt war, 
gab Gymnasialdirektor Dr. Heußner (Kassel) einen 
kurzen Bericht über den Versuch des Gymnasial 
lehrers H ontcm a n n (Hannover), die Fachworte 
der Grammatik zu verdeutschen. Hiermit war die 
Tagesordnung erledigt, v. Wartenberg, Excellenz 
(Weimar) brachte ein mit Begeisterung aufgenommenes 
Hoch auf den hochverdienten Gründer und Vorsitzen 
den des Vereins, Prof. Hermann Riegel, aus. 
Damit wurde die Hauptversammlung für geschlossen 
erklärt. Nachmittags vereinte ein glänzendes Fest 
mahl im großen Saale des Stadlparkes noch einmal 
die Theilnehmer, wobei sich die Begeisterung für die 
hohe Sache des Sprachvereins, die Genugthuung 
über das Erreichte und die Freude an dem un 
gezwungen herzlichen Zusammensein dieser Tage in 
einer endlosen Reihe von Trinksprüchen, ernst und 
heiler, in Vers und Prose, kundgab. Noch lange 
nach Beendigung der Tafel dauerte die Fröhlichkeit 
fort und man sagt, daß viele der auswärtigen Gäste 
erst spät am anderen Tag sich dem Dampfroß an 
zuvertrauen wagten, das sie ihrer Heimath zuführen 
sollte. 
So verlief die zweite Hauptversammlung des 
„Allgemeinen Deutschen Sprachvereins" bei ungetrübter 
Uebereinstimmung in segensreicher Arbeit; sie brachte 
allen Teilnehmern vielseitige Anregung, der Sache 
selbst die reichste Förderung. Möge denn der 
Deutsche Sprachverein weiter wachsen und wirken 
zum Heil seines Volkes! „Die Sprache ist der 
Spiegel einer Nation", sagt unser großer Dichter; 
wir dürfen uns heute der Hoffnung hingeben, daß 
dieser Spiegel dem deutschen Volke einst ein reines, 
fleckenloses Bild zurückstrahlen wird. 
3- S» 
Hessische Kiicherschau. 
Deutsche Gedichte aus Oesterreich von A. 
Trabert. Erster Band: Schwertlieder eines 
Frieds amen. Frankfurt a. M. (Verlag von 
G. Wendel). 
Welchem Leser des „Hessenlandes" ist der Verfasser 
nicht ein lieber Bekannter? Oft erfreut er uns mit 
seinen tiefgefühlten, aus warmem Menschenherzen 
kommenden Weisen, in denen er besingt, was uns 
lieb und theuer istHerd und Heimath, Vaterhaus 
und Vaterland. Seit Jahren in der Fremde weilend, 
ist er doch ein treuer Sohn der hessischen Erde ge 
blieben, und in wohllautenden Liedern strömt er diese 
Liebe und Treue aus. In den vorliegenden Gedichten 
nun schlägt er allerdings, wie schon der Titel anzeigt, 
einen anderen Ton an; es sind Kriegsballaden aus 
der österreichischen und theilweise hessischen Geschichte. 
Und daß Trabert gerade diese Gattung der Dichtung 
beherrscht, beweist er unwiderleglich. Das sind nicht 
trockene geschichtliche Erzählungen, in Reime gebracht, 
die er uns bietet, sondern lebendige, prächtige Dicht 
ungen, die sich vernehmen lassen wie Trommelwirbel 
und Kampfesruf, Schlachtenlieder, deren Klang uns 
mitten in das Getümmel des Kampfes versetzt. Des 
Verfassers politischer Standpunkt ist bekannt, nicht 
Jeder wird ihn theilen. Aber für Jeden, der dem 
Menschen und Dichter das Recht zugesteht, seine 
Meinung frei und in der Sprache des Herzens zu 
sagen, werden die „Schwertlieder" eine Quelle der 
Freude bilden. Wir können unseren Lesern die schöne 
dichterische Gabe Trabert's warm empfehlen, zumal 
der Verfasser auch hier unser Hessen nicht vergißt, 
sondern seinen Söhnen manch würdiges Denkmal setzt. 
v. 8. 
Am 1. Oktober ist die Rhönbahn Fulda-Gers- 
feld feierlich eröffnet und dem Betriebe übergeben 
worden. An dem Zustandekommen dieser Bahn, 
welche schon vor länger als dreißig Jahren geplant 
wurde, hat der Rhönclub wesentlichen Antheil. Der 
äußerst rührige Präsident dieses blühenden Vereines, 
Dr. Justus Schneider, hat nun in den Nummern 
121 und 122 des „Fuldaer Kreisblatts" die Geschichte 
der Eisenbahnen im Fuldaer Lande in einem sehr- 
interessanten Artikel „Zur Eröffnung der Nhönbahn 
Fulda-Gersfeld" geschildert, auf den aufmerksam zu 
machen wir nicht verfehlen wollen. 
Berichtigung. 
In dem Artikel der vorigen Nummer unserer Zeitschrift 
„Heinrich von Bibra, Fürstbischof von Fulda" sind Seite 
293, Spalte 2, Zeile 14 v. u. aus Versehen zwei heute 
noch blühenden Linien des freiherrlichen Geschlechtes von 
Bibra unerwähnt geblieben. Es sind die Brennhäuser und 
die Bibraer, vormals Hochheimer Linien. Von den jetzt 
noch bestehenden Zweigen der Freiherren von Bibra ge 
hören die Adelshofer, vormals Euerheimer, die Gleichen- 
wieser und die Schwebheimer Linien den: Valentinischen 
Stamme, die Brennhäuser, Bibraer und Jrmelshäuser 
Linien dem Bernhardischen Stamme an. 
Briefkasten. 
W. H. in Marburg. Ein geschichtlicher Artikel über den 
berührten Gegenstand ist uns sehr willkommen. 
Ph. L. in Kassel. Gedicht aus dem vorigen Jahrhundert 
kommt demnächst zum Abdruck. 
0. 0. in Kassel. Mit Dank angenommen. 
L. W. in Fulda. Wollen uns die Sache überlegen. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
        

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