Full text: Hessenland (2.1888)

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geheuerlich Ding, dannen es, wannen gutes be- 
fürgestandten, zwahr ein hell freundlich liecht 
von sich geben, darhingegen aber, wannen übles 
zu gewartten, gar greulich anzuschauen, auch 
sonsten allerhandt böß gespuck darumb her zu 
spühren geweßen, daß seiner Haußfrauen dafür 
gegrauet. Weilen nun immer ein Unglück überß 
andtere kommen, und solcher nichts dar- 
gegen geholffen, sondiern wol gar daran schuldt 
geweßen, alß hat sie solchen? da ihr Eheherr 
hintter Weydtenhaußen geschoßen geweßen undt 
gar lang zu Marpurg darniedter gelegen, in 
den tieften brunn zur Naumburg geworffen, ihn 
darmit loß zu werdten. Aber zur selben stundt 
hat er sich bei Melchiori zu Marpurg einsundten, 
daß sich solcher gar höchlich darob verwundtert. 
Ist aber mit ihme von stundt an beßer worbten 
undt hat er ihn hernacher wiedter mit gen 
Vacha bracht. Allda hat ihn Frau Anna in 
der Heyligen nachtt in Keller in ein ritzen ge 
bannt undt mit kalck eingoßen; ist nachmahlen 
von da nach Eyßenach, furtter nach Schmal- 
kaldten getzogen undt hat sein schier vergehen. 
Da man aber spether in den Burg-Keller zu 
Vach eine treppen verleget, ist er wiedter Herfür 
kommen und der gefeyung ledtig worbten undt 
ohnversehends in Schmalcaldten aufs der Edel 
frauen tisch gestaubten, daß sie fast zu todt er 
schrocken. Tags darauff sindt die Schweden eyn- 
gerucket undt geplundtert, darbet) ein Cornett, 
Tubaldus geheißen, solchen spiritum familiärem 
sundten, selbigen mit großer Freudt umbgehenget 
undt darvon getzogen. Als er aber' ettliche täg 
darauff in der Ruhlen beim trunck gesehen, den 
Crhstalen seinen cameradten gewießen undt 
darob sein spott gedtrieben, ist ihm solcher auß 
der handt fallen undt zerbrochen, allßogleich der 
loßkommen, Tubaldo den kragen ümbge- 
drehet undt mit ihme darvon gefahren. Hat sich 
nit wieder sehen laßen undt ist die familie seiner 
erlößet geweßen. 
10. 
Anno 1653 ist Georg Heß v. Wichdorff in ge- 
schefften nacher Milßungen undt Caßell geritten 
undt untterwegen nit weit an einen Hochgericht 
♦— 
furüber kommen, darauff man tags zuvorn einen 
mißetheter, so halb geredtert, annoch lebendtig 
auffs radt gesetzet. Solcher armer sündter hat 
gar kleglich geächtzet undt da Georg sambt seinen 
Knecht still gehallten undt ettliche leutt, so dar 
best gestaubten, darumb gefraget, hat ihn der 
arme sündter mit nahmen ahngeruffen undt umb 
Christiwillen gebethen, daß er ihn mit einen 
schuß von seiner quäl erlößet. Er hette es umb 
ihn wohl verdienet, Maaßen er ihn in der 
schlachtt bey Ribbelstorff auß denen Kayßerlichen 
herauß gehauen. Hat sich alßo befundten undt 
ist ein altter rottmeyster aus deme Roßischen 
Regiment geweßen, so sich nach deme krieg auffs 
rauben geleget. Obwohlen nun Geörg hefftig 
betretten geweßen, und darvon reitten wollen, 
hat ihn doch der arme sündter nochmahlen so 
beweglich umb Christi Blut undt Barmhertzigkeit 
gebetten, daß er endtlich sein rohr vom sattel 
genommen undt ihn vorn Kopfs geschoßen, daß 
derßelbige alßbaldt des todts geweßen. Darauff 
sie fürbaß geritten. Da sie aber ins stettlein 
kommen, dahin albereit etliche so bey deme 
Galgen gestandten, gelausfen, hat man sie ge- 
fengklich annehmen wollen. Zum Glück ist Geörg 
Heß v. Wichdorff nit gar unbekandt allda ge 
weßen, insondterheit aber an deme Amptmann 
in Philippsthal einen gutten freundt gehabt, 
dahero man ihn reyßen lassen. Item, man soll 
der justitz nit inß handtwerck pfuschen. 
* * 
* 
Es ist ein gutes Stück Mittelalter, welches in 
den obigen Bildern an uns vorüber zieht und 
wie ein Kranz von Poesie seine Ranken um 
einen so schönen Theil der geliebten hessischen 
Heimath schlingt. Möge es Anklang finden als 
Zeichen dafür, daß die Pietät für die Vorfahren, 
die Bewunderung ihres mannhaft - kernigen 
Wesens, ihres Biedersinns und ihrer Frömmig 
keit und Treue, sowie Sinn und Verständniß 
für die blaue Blume der Romantik in unserer 
heutigen, oft so materiellen Zeit doch noch nicht 
zu den überwundenen Standpunkten gehören! — 
-i.—+- —- 
Heinrich von Bibra, Wrstbischos von Aulba. 
Von F- Iwenger. 
(Fortsetzung.) 
Nachdem Fürstbischof Heinrich am 25. August 
1763 die feierliche Huldigung seines Landes 
empfangen hatte, unternahm er eine Rundreise 
durch das Hochstift, um sich persönlich von dem 
Zustande desselben zu überzeugen. Jeden äußern 
Prunk vermeidend, war er auf das Eifrigste
	        

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