Full text: Hessenland (2.1888)

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Erträge zur HeschLchle des Mäötchens Weöenstein und öer 
Uamilie Keß v. Wichdorff. 
Herausgegeben von Ernst Wolfgang Heß v. Wichdorff. 
II. Theil.*) 
(Schluß.) C<r. ; ^ '■' ' ? 
7. 
Landtgraff Philippus hat einen Cantzlar ge 
habt, der hieß Johann Feyge undt ist ein gar 
gelahrter kluger Mann geweßen, undt gar reich 
wordten, so aber gern andtere Leutt geutzet. 
Alß nun einßmahlen aufs einen landt-tagk der 
Landtgraff seine sürnehmen reihe, feldt-Hauptt- 
leutte undt andtere von Adel zur taffel gehabt 
undt Conrad Heß v. Wichdorff gegen den Cantzlar 
über gesehen, hat solcher ihn umb seinen Namen 
undt standt auffziehen wollen, sagende: Die 
Heßen wären untter denen Edtel-geschlechtern in 
Hessenlandt mit die eltesten, wie es doch zu 
gangen, daß sie nit mehr so reich undt mechtig, 
wie andtere? Wormit er aufs den Riedt-Eßell 
geziehlet, so neben ihme gesehen. Hat Conrad 
flugß geanttwortt: wir Heßen sindt ein altt- 
knorrigt Steineychen-geschlecht, so gar kerglich 
undt zeh aufs denen bergen gewachßen, sindt dahero 
nit so geyll auff geschoßen, alß die Feygenbäum 
in denen hoff-gertten. Darob menniglich ge- 
lachet, daß auch der Landtgraff für lachen den 
wehn verschüttet. Hatt zum Cantzlar gesagt: 
siehst du Johanne, dieße Eychen-art hat auch 
gar schärfst dörn, daran man leichtlich hengen 
bleibet. Der Cantzlar hat darnach eine weyll 
mit Conrado getzürnet, sindt aber baldt wiedter 
freundt wordten. 
8. 
Da Melchior Heß v. Wickdorff mit Anna 
v. Bohneburgk-Hohenstein zu Wichdorf hochzettt 
gehallten undt viel der Gast dageweßen, ist 
abendts speth der wehn auff die Neigen gangen. 
Hat Melchior die altte magdt, die Meckell, mit 
der großen Schlauff-kannen geschicket, auff die 
alte Kemnaden nach Nydenstein zu lauffen undt 
geschwindt noch wehn allda zu langen. Solche 
magdt ist ein guthwilligs, aber nit gar kluges 
inensch geweßen, hat ihn unrecht verstandten undt 
*) Alle Rechte vorbehalten. 
ist, anstadt nach dem Untter-Hoff zu Stadt- 
Nydenstein, wie ihr Herre gemeyuet, hinauff auff 
den altten Nydenstein geloffen, allda den wehn 
zu holen. Kvmbt vor die pfortten, so damahlen 
noch vor dem wüsten gemäuer geweßen, pochet 
undt ruffet undt fluchet endtlich, man sollt doch 
ins ff ff ff namen auff machen, dannen sie keyne 
zeitt hette. — Wirdt endtlich auff gethan undt 
kombt ein klein pucklicht mennlein, deß weißer 
barth bis übern gurth gangen, in einen rothen 
wambß Herfür, den sie noch nit gesehen. Nimbt 
ihr die kandtel ab undt bringet solche voll weynß 
wiedter. Hat das trinckgeld für seine müh nit 
genommen, aber der magdt verbotten, sie soll 
nit sagen, wo sie den wehn geholet. Alß sie 
nun den wehn inß hochzeit-hauß bringet, ists 
ein gar köstlicher wehn geweßen, daß sich alle 
darob gefreuet undt tapfer darüber Hergängen. 
Aber so viel sie auch getruucken, der wehn in 
der kandtel hat nit abgenommen, daß sich endt 
lich alle verwundtert. Da nun lctzlich der Hauß- 
herre fraget, wie das zugienge undt wo der 
wehn her wehre, hat die magdt erst nit mit 
der sprach heraußgewolldt, auff ernstlich zuredten 
aber endtlich ertzehlet, wie es zugangen. Hat 
sie aber alßobaldt mitten im saal von ohnsicht- 
barer handt eine dermeßige Maulschellen ent- 
pfangen, daß sie zu bodten gefallen, auch bis 
an ihr endt einen schwartzen backen behaltten. 
In der kandtel ist aber kein tropffen weyns 
mehr geweßen, hat alßo die zech ein endt ge 
habt undt auch denen Gästen der Durst ver 
gangen. 
9. 
Melchior Heß v. Wichdorff hat aus Welsch 
land einen spiritum familiärem mitbracht, so 
ein wundterbahr feurig weßen, in ein Crystalen 
eingoßen geweßen, alßo gefaßet, daß man selbi 
gen bequehmlich au einen riemlein an Halß 
tragen können. Doch hat solchen Melchior nit 
viel anhengen mögen, weylen es ein schier un
	        

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