Full text: Hessenland (2.1888)

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ErIChtet Dieses Iahr aLs Vnser gnaeDIgster 
ChVrfürst LotharlVs FranOIsCYs BeY fYrs CarL 
hJer Jn Hessen Wahr. Gott behVt Vor FeVr. 
(1713?) 
Wir wollen wünschen, daß die Schlußworte in 
Erfüllung gehen mögen und bemerken, daß Fritzlar, 
Neustadt, Amöneburg und Naumburg mit den beiden 
zu letzterem gehörigen Dörfern Altendorf und Alten 
städt, welches 1656 mit der Pfarrei Balhorn ver 
bunden wurde, zur Zeit der Errichtung des Gebäudes 
kurmainzisches Gebiet waren und erst durch den 
Reichs-Deputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 
als Entschädigung für die Graftschaft Nieder-Katzen- 
elnbogen (Rheinfels und St. Goar) dem Landgrafen 
von Hessen-Kassel zufielen. 
Zu welchem Irrthum kann aber diese Inschrift 
möglicherweise führen, wenn ein Geschichtsforscher sie 
für seine Behauptung als Beweis geltend macht, daß 
das Gebäude in Balhorn errichtet worden, als unser 
Kurfürst hier in Hessen war. 
Noch wollen wir einer Inschrift erwähnen, welche 
wir Mitte der sechziger Jahre an einem Hause in 
Balhorn lasen. Sie lautet: 
Des Herren Wort während in Ewigkeit! 
Weiß gemacht in diesem Jahre. 
A. Kchwk. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Kassel. In der letzten Nummer unserer Zeitschrift 
berichteten wir, daß in der auf den 23. September 
d.J. zu Großalmerode anberaumten Hauptversammlung 
des Centralverbandes des „Niedcrhessischen Touristen 
vereins “ der Antrag auf Abänderung des Namens 
„Niederhessischer Touristenverein" in „Nieder-Hessischer 
Wanderverein" zur Abstimmung kommen werde. 
Dieser Antrag selbst ist aber hinfällig geworden und 
mußte von der Tagesordnung abgesetzt werden, nach 
dem in einer am 17. September abgehaltenen außer 
ordentlichen Generalversammlung der hiesigen Sektion 
des „Niederhessischen Touristenvereins" der frühere, 
die Namensänderung betreffende Beschluß aufgehoben 
und der vom Vorstande gestellte Antrag: die Namens 
änderung für spätere Zeit zu verschieben und den 
geeigneten Zeitpunkt dafür dem Vorstande zu über 
lassen, angenommen worden war. 
— Vom 28. bis 30. September hielt dahier der 
„Allgemeine Deutsche Sprachverein" 
seine zweite Hauptversammlung ab. Dieselbe war 
zahlreich aus allen Theilen Deutschlands und Deutsch- 
Oesterreichs besucht und nahm einen in seinen Er 
gebnissen sehr befriedigenden Verlauf. Bericht über 
die Verhandlungen folgt in der nächsten Nummer 
unserer Zeitschrift. 
— Das soeben erschienene Werk: „Die Fremd 
wörter der deutschen Sprache, ihre Erklärung, 
Verdeutschung und Aussprache, ihre Abstammung, 
ihre durchgängige Wiedergabe im Französischen, ihre 
Eintheilung nach Wortarten, nach einfachen und zu 
sammengesetzten, nach gebräuchlichen und wenig oder- 
ungebräuchlichen Wörtern; ihre zeitgemäße Schreib 
weise", von Oberlehrer Richard Förtsch dahier, 
zeichnet sich, wie uns berichtet wird, durch Reich 
haltigkeit und systematische Durchführung Vortheilhaft 
aus, und kann daher'allen, die sich näher unterrichten 
wollen, auf das Beste empfohlen werden. 
— Im vorigen Jahrhundert bestand in Vecker 
hagen eine Glasfabrik und in Fulda eine 
Porzellanfabrik, aus denen prachtvolle Kunst 
werke hervorgegangen sind. Leider ist die Geschichte 
dieser beiden Fabriken nur wenig öffentlich bekannt 
geworden, man weiß bis jetzt eigentlich nur, daß die 
„Veckerhager Glasfabrik" von dem Landgrafen Karl 
gegründet worden ist, nnd daß die „Fuldaer Porzellan 
fabrik" ihre größte Blüthe unter der Regierung des 
Fürstbischofs Heinrich VIII. von Bibra erreichte. 
Etwaige Notizen, die bezüglich der Geschichte jener 
beiden Fabriken zur Aufklärung dienen können, werden 
mit Dank von der Redaktion der Zeitschrift „Hessen 
land" entgegengenommen. 
Todesfall. Aus Bremen ist die Trauerkunde 
eingetroffen, daß der Senator August Nebelthau, 
Sohn des vorhinnigen Oberbürgermeisters von Kassel 
Friedrich Nebelthau, zu Schönebeck bei St. Magnus 
gestorben ist. August Nebelthau war am 8. März 
1839 in Kassel geboren, er widmete sich dem Kauf 
mannsstande in Bremen; dort wurde er schon mit 
jungen Jahren in die Bürgerschaft und Handels 
kammer aufgenommen und im Jahre 1883 in den 
Senat gewählt. Im vorigen Jahre befiel ihn ein 
Nierenleiden, von dem er nicht mehr hergestellt werden 
sollte. — Die Bremer Blätter widmen dem Ver 
blichenen warme Nachrufe. So schreibt die „Weser 
zeitung": „Mit ihm ist ein in jeder Beziehung außer 
ordentlicher Mensch von uns genommen. Er war 
ein Charakter von seltener Reinheit und unerschütter 
licher Festigkeit, ein Mann von außerordentlicher Ruhe 
und Reife des Urtheils, die sich stets bei seinem Auf 
treten im öffentlichen Leben gellend machten. Die 
Abneigung, seine Person in den Vordergrund treten 
zu lassen, hielt ihn oft auch da zurück, wo seine 
Freunde und Gesinnungsgenossen gewünscht hätten, 
er möge die Leitung einer Angelegenheit in die Hand 
nehmen. Er war ein Mann, den unser Gemeinwesen 
schwer entbehren kann und der vielleicht in der Ganz 
heit seines Wesens gar nicht zu ersetzen ist." Friede 
seiner Asche!
        

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