Volltext: Hessenland (2.1888)

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berg und Konstantin Schütz von Holzhausen von 
Fulda vollzogen. Doch schön wenige Wochen nach 
der Weihe zwangen ihn die kriegerischen Zustände 
abermals Fulda zu verlassen und seinen Aufent 
halt abwechselnd in Bamberg, Karlsbad, Höch- 
stadt a/A. und in Hammelburg zu nehmen. 
Der Hubertusburger Friede (15. Februar 1763) 
machte dem siebenjährigen Kriege ein Ende, und 
nun erst konnte Fürstbischof Heinrich dauernd in 
I. 
^js^r hatte die Nacht schlaflos verbracht, der 
Wl junge, heißblütige Freiheitskämpfer, die erste 
C'T Nacht, in der engen Zelle der Festungshaft. 
Das also war aus den hochfliegenden Idealen, 
aus den Träumen von Freiheit, Gleichheit und 
Brüderlichkeit geworden, daß er hier festsaß. 
Sein kraftstrotzender Körper im engbegrenzten 
Raum, und sein kühner, für Recht und Wahrheit 
glühender Geist gleichfalls in Fesseln geschlagen! 
Aber er wollte sie nicht anerkennen, diese 
Fesseln. Nein! Und abermals nein! Alles 
empörte sich in ihm gegen den ihm durch die 
Tyrannei seiner Richter auferlegten Zwang. 
Was hatte er denn gewollt? Das unterdrückte 
Volk beglücken helfen. Und das sollte so straf 
bares Beginnen sein? Und welch' eine gar enge 
Klause hatten sie ihm angewiesen! Kaum daß 
er drei Schritte durch das öde Gemach thun 
konnte, und wieder setzte eine grau getünchte 
Wand seiner Wanderung ein Ziel. 
Wie zum Hohn schien goldig, die Nacktheit 
der Wände grell beleuchtend, die Morgensonne 
durch die gardinenlosen Fenster. Die Strahlen 
tanzten neckisch über das dunkle Haupt des 
Mannes. Sie schienen zu fragen: „Scheinen 
wir nicht auch für Dich? Ist die Gotteswelt 
nicht schön? Warum haltet Ihr Menschen nicht 
Frieden miteinander?" 
Wie magnetisch angezogen durch die Lichtfluth, 
trat er an das schmale Fenster mit den trüben, 
bleigefaßten Rundscheiben. Mit leidenschaftlicher 
Hast öffnete er und war erstaunt, keine Eisen 
stäbe davor zu finden. 
Warum nicht Gitter, die ihm den Weg zur 
Freiheit hemmten, da er doch einmal ein Ge 
fangener war? Gleich darauf lachte er bitter 
seine Hauptstadt zurückkehren und die feierliche 
Huldigung der Stände und des gesammten Lan 
des entgegennehmen. Sein Wahlspruch war: 
Oonsilio et aecjnitate. Von nun an beginnt seine 
schöpferische Thätigkeit auf allen Gebieten des 
Staatswesens. Er handelte dabei treu dem 
Grundsätze: 8alu8 publica Suprema lex, die 
Staats-Wohlfahrt soll das höchste Gesetz sein. 
(Fortsetzung folgt.) 
auf. Freilich, da war an ein Entkommen nicht 
zu denken. Das kleine Gemach war ein frei aus 
der Masse des Schlosses vorspringender Erker. 
Schwindelnd hoch schwebte er über der Erde. 
„Ein Schwalbennest in der That! Nur daß 
mir die Flügel zum freien Fluge arg beschnitten 
wurden", knirschte er zwischen den Zähnen. 
Dennoch kam etwas von der friedlich süßen 
Ruhe des köstlichen Junimorgens über ihn, als 
er im Fenster lehnend begierig den würzigen 
Duft einsog. Es war ein Idyll, welches da tief 
unter ihm, noch im halben Morgenschlummer, 
ruhte. Auf hoher, mächtiger Mauer lag der 
kleine Garten. Früher das Burggärtchen der 
edlen Frauen des Schlosses, jetzt dem Kastellan 
oder besser Inspektor zugetheilt. Sie war schon 
weit vorgeschritten, die Frühlingspracht. Das 
hatte er all' die Zeit, da ihm so viel wichtigere 
Dinge Kopf und Herz erfüllten, gar nicht geahnt. 
Der breitästige Kastanienbaum da unten hatte sich 
wie ein riesiger Weihnachtsbaum mit Tausenden 
weißer Blüthenkerzen geschmückt. An den Mauern 
blühten Flieder und Schneeball und auf den zier 
lichen kleinen Blumenbeeten öffneten viel holde 
Frühlingskinder die schlaftrunkenen Augen dem 
belebenden Sonnenstrahl. Und dort seitlich — 
wie lauschig mußte das Plätzchen sein — ein 
zierliches Laubengestell, von Geisblatt und Kletter 
rosen umrankt. 
Noch lag Kirchenstille aus dem schönen Erden 
fleck. Das erhabene Landschaftsbild, welches sich 
von hier aus weithin über die Dächer der tief 
unten ruhenden Stadt dem schier geblendeten 
Auge des Mannes bot, verschleierte halb der 
zarte Duft des vom Flusse aufsteigenden leichten 
Nebels. Wie Elfenschleier wallten und wogten 
die Duftmassen höher und höher. Immer klarer 
wurde das Bild und auch der bittere Zug um 
lu§ gährenöer Heit. 
Novelle von F. Zlorck.
        

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