Volltext: Hessenland (2.1888)

294 
v. 
Schuldbrief Philipp's von Hessen über 10 000 
Gulden schenkte, welcher für die damalige Zeit 
sehr hohe Betrag dem Ritter später auch anstands 
los ausbezahlt wurde. Beide Fürstbischöfe von 
Würzburg und Herzoge von Franken waren sehr 
tüchtige Regenten. Außerdem hat das Geschlecht 
Derer vom Bibra viele ausgezeichnete Staats 
männer, Heerführer und Prälaten aufzuweisen, 
die theils in kurmainzischen, theils in würz- 
burgischen und bambergischen, theils in fuldaischen 
Diensten standen. Auch Schriftsteller von an 
erkanntem Ruf bestnden sich darunter. Wir 
wollen hier nur des geistreichen und gelehrten 
Propstes vom Petersberg (bei Fulda) Sigmund 
Freiherrn von Bibra-Gleichenwiesen gedenken, 
der mit den Koryphäen unserer Literatur in 
Weimar in sehr nahen Beziehungen stand und 
von 1785—1792 das von seinem Freunde, dem 
Dichter von Göckingk, 1784 gegründete „Journal 
von und für Deutschland", eine der vorzüglichsten 
Zeitschriften jener Zeit, herausgab. Freiherr 
Sigmund von Bibra starb, nachdem er seines 
Ordensgelübdes als Benediktiner vom Papste 
entbunden worden war, als fürstlich oranisch- 
fuldaischer Geheimer Konferenzrath am 5. März 
1803 zu Fulda. Freiherr Ernst von Bibra, 
gestorben zu Nürnberg-am 5. Juni 1878, war 
ein ebenso vorzüglicher Schriftsteller auf natur 
wissenschaftlichem Gebiete, wie er sich auch als 
Verfasser von trefflichen Reiseskizzen, kultur 
historischen Schilderungen und Novellen aus 
gezeichnet hat. 
Heinrich von Bibra ist am 22. August 
1711 zu Bamberg als Sohn des Erb-Truchsesses 
des Hochstiftes Bamberg und Erbmarschalls des 
Hochstiftes Würzburg, Generals und Geheimen 
Raths Heinrich Karl Freiherrn von Bibra und 
dessen Gemahlin Maria Johanna Theresia, geb. 
Freiin von Ehb, geboren. Sein Familientaufnahme 
war Karl Sigmund nach dem Pathen, dem Bam- 
berger Domdechanten Karl Sigmund von Aufeß. 
Seinen ersten Unterricht erhielt er unter der 
Leitung eines geistlichen Hauslehrers zu Forch- 
heim, wo sein Vater seit 1717 als Kommandant 
der dortigen Festung lebte; von 1725 an besuchte 
er, als „Vorollsmius" bezeichnet, die Universität zu 
Bamberg. Seine Eltern erweckten frühzeitig in 
ihm den religiösen Sinn und einen hohen 
Grad von Empfänglichkeit für alles Gute und 
Edle, wofür er denselben sein Leben lang 
dankbar war. Schon frühzeitig kam bei ihm der 
Entschluß zur Reife, den geistlichen Stand als 
Lebensberuf zu wählen. Dem Rathe seiner 
Eltern folgend, wandte sich Karl Sigmund, erst 
18 Jahre alt, an den Fürstabt Adolf von 
Dalberg zu Fulda mit der Bitte um Aufnahme 
in das dortige Benediktinerstift; nach gelieferter 
Ahnenprobe wurde er am 6. November 1729 als 
Novize aufgenommen. Am 12. November 1730 
legt er das Ordensgelübde ab und erhielt dabei 
statt seines Taufnamens den Klosternamen 
Heinrich. Er trat nunmehr, gleich allen 
adeligen Novizen, in das sog. Magisterium als 
„Dominicellar" ein. Auf den Wunsch des Fürst 
abtes Adolf von Dalberg begab sich Heinrich 
von Bibra zu seiner weiteren wissenschaftlichen 
Ausbildung 1733 auf ein Jahr nach Rom. 
Hier erwarb er sich durch seine Bescheidenheit 
und vielseitigen Kenntnisse in hohem Grade die 
Gunst des Papstes Clemens XII. und des ge- 
sammten Kardinal-Kollegiums. Nach Fulda 
zurückgekehrt, wurde Heinrich von Bibra am 
9. April 1735 von dem damaligen Suffragan- 
Bischof, nachmaligen Fürstbischof von Fulda, 
Amand von Buseck, zum Priester geweiht. Am 
25. Mai 1750 wurde er Kapitular; am 22. 
August 1751 wurde er zum Superior des adeligen 
Konventes ad 8. Salvatorem, im Dezember 1756 
zum Präsidenten des Oberforstamtes und 1759 
zum Präsidenten der Hofkammer ernannt. Nach 
dem am 16. September 1759 zu Schloß Johannis 
berg im Rheingau erfolgten Tode des Fürst 
bischofs von Fulda, Adalbert von Walderdorf, 
wurde Heinrich von Bibra am 22. October 1759 
mit Einstimmigkeit als He inri ch VIII. zu dessen 
Nachfolger erwählt. In Folge dieser Wahl 
führte er den Titel: Bischof und Abt zu 
Fulda, des heil. Römischen Reiches 
Fürst, der Römischen Kaiserin Erz 
kanzler, durch Germanien und Gallien 
Primas. Das Einkommen des Fürstbischofs 
von Fulda belief sich auf 300 000-350000 
Gulden. Der kriegerischen Ereignisse wegen, die 
sich in der Nähe von Fulda abspielten, mußte 
der neue Fürst vier Stunden nach der Wahl 
seine Hauptstadt verlassen. Er begab sich nach 
Hammelburg. Hier vernahm er mit tiefer Weh 
muth, wie sehr sein armes Land fortwährenden 
Brandschatzungen ausgesetzt und von allen Seihen 
des Krieges*) heimgesucht sei. Erst im Sommer 
1760 war ihm die Rückkehr in seine Hauptstadt 
vergönnt. In feierlichem Aufzuge von den 
Bürgern und Studierenden eingeholt, zog er am 
12. August zur Freude seiner Unterthanen in 
Fulda ein und am 14. September 1760 wurde 
seine Konsekration in der Domkirche durch seinen 
Onkel, den Suffragan-Bischof von Freising, Frei 
herrn von und zu Werdeustein, unter Assistenz 
der Weihbischöfe Heinrich von Nitschke von Bam 
*) Von den Brandschatzungen, Drangsalen und Leiden, 
welchen Fulda im siebenjährigen Kriege ausgesetzt war, 
gibt Malkmus in seinem „Fuldaer Historienbüchlein S. 
41—75 eine der Beachtung werthe Schilderung.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.