Full text: Hessenland (2.1888)

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Pfingstmorgen ihre schürtzen voll thaues auffn 
Nydenstein sammeln undt vvr Sonnen-Aufgangk 
anst unßerer lieben Frauen alttar zu Nhdenstein 
oysfern. Alßdann dörffen sie die Burgk neuw 
auffbauen undt wiedter darauff haußen. 
(Schluß folgt.) 
Heinrich von WLbra, Wrftbischof von Kulöa. 
Von F- Swenger. 
Der 25. September ist ein Gedenktag in 
der Fuldaer Geschichte. An ihm schloß vor hundert 
Jahren die irdische Laufbahn eines der bedeu 
tendsten Regenten des Fuldaer Landes: des 
Fürstbischofs Heinrichs VIII., Freiherrn 
von Bibra, dessen Regierung die Zeitdauer 
von 29 Jahren, von 1759 bis 1788, umfaßte. 
Ausgezeichnet durch hohe Regententugenden, stets 
auf das Eifrigste für das allgemeine Wohl be 
sorgt, ein erleuchteter Gesetzgeber, ein Freund und 
treuer Pfleger der Wissenschaften, ein Reformator 
auf dem Gebiete des Schulwesens, ein Förderer 
der Landwirthschaft, der Industrie, des Handels 
und des Verkehrs, der Erbauer vortrefflicher 
Landstraßen, einfach in seinem Leben, frei von 
Leidenschaft, ein Feind des Aberglaubells und 
der Frömmelei, aber von wahrhafter Frömmig 
keit und werkthätiger Nächstenliebe beseelt, konnte 
Heinrich von Bibra als das Musterbild eines 
Fürsten gelten zu einer Zeit, in welcher an den 
weltlichen wie an den geistlichen Höfen die 
Ueppigkeit, die Schwelgerei, die Genußsucht nur 
zll sehr überhand genommen hatten. Seltsam, 
während die meisten Fürsten jenes Zeitalters, 
auch die unbedeutendsten, ihre Biographen und 
Lvbredner gefunden haben, besteht u. W. aus 
jener Zeit nur eine Schrift, die sich eingehender 
mit der „Regierungs-Geschichte des Fürstbischofs 
Heinrichs VIII. von Fulda" beschäftigt, es ist 
diejenige des Hofkanzlers Eberhard von Kaiser, 
die wir in F. K. von Moser's „Patriotischem 
Archiv", Jahrg. 1785, Band 2, abgedruckt finden. 
Selbst große Sammelwerke aus der neueren 
Zeit, wie die Encyklopädie von Ersch und Gruber, 
nehmen nur geringe Notiz von ihm, und 
sogar Historiker, wie Schlosser und Häusser, thun 
nur vorübergehend, wenn auch mit aller An 
erkennung, dieses vortrefflichen Regenten Er 
wähnung, dessen Friedens- und Geistesthaten 
doch in den Annalen der Geschichte verzeichnet 
zu werden verdienen vor vielen anderen. Vor 
acht Jahren unternahm es der Verfasser dieses 
Artikels, in der von ihm herausgegebenen Zeit 
schrift „Buchonia" ein Lebensbild des Fürst 
bischofs Heinrich von Bibra zu entwerfen, doch 
blieb seine Arbeit nur ein Bruchstück, da ihm 
der innere Zusammenhang einzelner Begeben 
heiten in jener Zeit verschlossen blieb; heute liegt 
ihm eine ausführlichere Schrift „Zur Biographie 
des Heinrich Freiherrn von Bibra, Fürstbischofs 
von Fulda" (Separatabdruck aus Bd. III. der 
„Familiengeschichte der Freiherren von Bibra", 
von W. Freiherrn von Bibra) vor, die er in der 
nachfolgenden Schilderung vielfach benutzt hat. 
Heinrich von Bibra entstammte einem alt 
adeligen fränkischen Geschlechte, das sich schon im 
13. Jahrhundert als tournierfähig erwies. 
Marquard von Bibra wohnte dem 13. Tournier 
in Worms (1209), Ernst von Bibra dem 14. 
Tournier (1235) in Würzbnrg, Heinrich von 
Bibra dein 16. Tournier in Schweinfurt (1295) 
bei. Die Familie von Bibra gehörte dem Kanton 
Steigerwald an und wurde 1698 in den Reichs- 
Freiherrnstand erhoben. Ihre Stammburg lag 
bei Römhild im Hennebergischen (Herzogthum 
Meiningen) am Fuße der Gleichberge. Sie 
wurde im Bauernkrieg (1525) arg verwüstet und 
ist heute nur noch eine Ruine. 
Im 14. Jahrhundert zweigte sich eine Linie 
Derer von Bibra ab und ließ sich in Schlesien 
nieder. Die fränkische Linie, in der allemal der 
Aelteste des Hochstifts Würzburg Erbmarschall 
war, theilte sich früh schon in mehrere Zweige. 
Unser Heinrich von Bibra gehörte der Schnabel- 
weyd'schen Linie an, die im Jahre 1826 mit 
dem Neffen des Fürstbischofs Philipp Anton 
Freiherrn von Bibra ausgestorben ist. Heute 
blühen noch die Adelsdorfer, die Gleichenwieser, 
die Schwebheimer und die Jrmelshäuser Linie. 
Zwei Bibra, Lorenz und Konrad, waren im 
16. Jahrhundert Fürstbischöfe von Würzbnrg. 
Lorenz von Bibra hatte der Heidelberger Dispu 
tation (April 1518) beigewohnt, welche auf ihn 
einen solchen Eindruck machte, daß er den Re 
formator Luther dem Kurfürsten von Sachsen 
dringend empfahl. Konrad von Bibra hatte 
seine Erwählung zum Fürstbischof von Würzbnrg 
und den damit verbundenen Sieg über seinen 
Gegner Melchior von Zobel (1540) den Bemühungen 
des Ritters von Grumbach zu verdanken, den 
er für die geleisteten Dienste nicht nur zum Hof 
marschall ernannte, sondern ihm auch einen
	        

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