Full text: Hessenland (2.1888)

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gefehr der juncker v. Wichdorsf von der jagd 
kommende surüber gangen. Deme hat sie es an 
gethan, daß selbiger von stundt an nit hat von 
ihr laßen können. Darob sich männiglich ver- 
wundtert, auch des Junckern Haußfrau, so eine 
auß dem hauß Wtera undt eine gar feine tugendt- 
sahme Frauwe geweßen, gar schwehr abgegrämet. 
Da aber der altte jeger des Dingß inne wordten, 
hat er sich, Wehlen er des junckern Heßen feindt, 
hefftig ertzürnet und seine tochtter, alß sie wiedter 
am börnlein geseßen undt des Junckern gewarttet, 
in Zorn erstochen. Darvon heißet solch börnlein 
der Jungffern-born. Des Junckern Hauß 
frau ist auß gram schier von sinnen kommen, 
hat sich vom schloß (Nydenstein) verlausfen undt 
ist in altten teychborn todt fundten wordten. 
Darvon solcher der Frauwen-Born genennet 
wirdt. Der altte jeger aber, so Uniterm Nhden- 
stein dem Junckern am gehöltz auffgelaueret, hat 
nach selbigem zwahr mit dem spieß geworffen, 
ihme aber nichts anhaben können, Wehlen seine 
tochtter dem Junckern ein gut kräutlein inß wamß 
geflicket. Hat ihn der Juncker ergriffen, über- 
weldtigt undt in ein tieff wasserloch allda ge- 
stürtzet und heißet dahero solches noch heuttiges 
tags der Sprinckels-born. 
4. 
Die Burg zu Heßerodt stehet auff einen tieffen 
undterirdtischen see odter Weyher undt die Nixlein 
darinnen hüthen den Grundtbau, dannen sie 
sonsten untter gehet; Dafür wirdt ihnen aller 
7 Jahr ein seel, so in den Burgk-graben fettet 
undt wenn auff solchen graben, der nit zu- noch 
Abfluß hat, auch niemahlen frieret, die meer- 
linßen einmahl nit blühen, so mahnen sie ihre 
schüldtigkeitt. Solche ist nun einmahl in Ber- 
geßenheitt gerahten, da der letzte Heß, so allda 
gewöhnet, lang auff den sterbebett gelegen. Da 
er nun die Uncke immermehr darnach hat ruffen 
hören, ist er endtlich auffstandten undt auff die 
brücken geschlichen, allwo ihme der Pfarrer undt 
Meßner begegnet, so ihme die letzte Oehlung 
bringen wollen. Da nun solcher vernommen, daß 
die Nucken den Kranken geruffen, hat er in großen 
eyffer deme Meßner das weyhwasser entlaßen, 
selbiges in Graben gesprenget undt die uncke sambt 
ihren Nixlein in Gottes Nahmen gebannet. Darob 
der Krancke hefftig erschrocken undt von der 
brücken inß waßer gefallen auch nit wiedter 
fundten wordten undt haben die seinen nit lang 
darnach die Burgk verlohren. So untter Landt- 
graff Henrico ferreo geschehen. (Burg Hessenrode 
war nachher im Besitze des Holzsadtel'schen Edel 
geschlechts (um 1383). Nach dessen Aussterben 
1526 kam sie an die v. Baumbach und v. Wallen 
stein, 1550 an die v. Rehen und später an die 
von Oynhansen, in deren Besitz sie noch ist. Die 
alte Burg ward im 30 jährigen Kriege zerstört 
und nachher auf der alten Burgstütte nur das 
Herrenhaus nothdürftig wieder hergestellt. Es ist 
noch mit Wall und tiefem Wassergraben umgeben.) 
5. 
Da Henricus Heß v. Wichdorsf, der elterc, ge 
lobet, hat in Vennden ein gottloßer Sohn seine 
stiff-muttern erschlagen undt seinen Vattern mit 
gisst vergeben undt da solcher an sterben, hat er 
annoch das hehl. Sacrament begehret, darvon er 
wundterbahrlich geneßen. Undt da der Sohn die 
thatt geleugnett, hat alles volck verlangt daß ein 
Gottes-ordteill darob scheidten sollen. Ist Henricus 
aber alß ein staab-Richtter darzwischen getretten, 
wehre ohnerhörtt und eine todt-.Sündt, daß ein 
Batter alßo mit den eygen kindt streckten sollt. 
Solches dahero auch nit geschehen; da sich aber 
der Uebell-thetter deß gefreuet undt gar frevent 
lich verschwohren, "hat ihn ein jeher Wetterblick 
auff der mahlstadt vor allen volck erschlagen, ob- 
wohlen kein wölcklein an Himmel geweßen, daß 
menniglich vor schrecken auff die Knye gefallen. 
Henricus aber hat von stundt an den Richtter- 
Staab niedter geleget und nimmer wiedter ahn- 
gerühret, Wehlen ihme Gott der Herre das Richtter- 
Ampt selbsten auß denen hendten genommen. 
6. 
Auffn Nydenstein hat es allerhandt felß-klüfft, 
darin Querchlein gewöhnet, so Niemandts ein 
lehdt gethan. Alß aber Bolpcrt Heß v. Wich- 
dorsf Haußgemahl, Frau Jrmcngardt untter der 
Burgk gen Morgen ein gerttlein gehabt undt 
darinnen allerhandt köstlich würtz- und balßam- 
kreuther, sindt die Querchlinge des nachtts Herfür 
kommen in solch gerttlein undt haben den tljau 
von denen würtz-beethen abgetzogen, darbey aber 
die beeth vertretten, auch sonsten schabten gethan. 
Solches hat die Burgkfrauw höchlich verdroßcn 
undt hat sie in ihren zorn die Querlinge ver 
wünschet, daß sie bis an der Welt endt nit mehr 
auß ihren löchern kommen dörffen. Es haben 
aber die Querchlein anß rach davor der Edtel- 
frauen jüngst töchtterlein Juttam, da solches 
hintter der Burgk in graß gespiehlet, in ihre 
löcher gclocket, daß die Frau endtlich für gram 
vergangen. Aller 7 Jahr lassen die Querchlinge 
solch töchtterlein eynmal herauß, ehe die Pfingst- 
Sonne aufgehet, sitzet untter den klippen gen 
Wichdorf zu an öbersten börnlein undt trocknet 
sich die äuglein mit ihren langen gehlen haaren, 
wie solches vor zeitten viel leutt gesehen. Wannen 
einmahl ein rechter Erb auß deme Heßen-Ge- 
schlecht kombt, der 7 Töchtter hat, können sie 
solch töchtterlein erlößen. Müßen aber auffn
        

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