Full text: Hessenland (2.1888)

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2. 
Da Lentfried Heß. der eltere dieß nahmens, 
noch ein page bei Grafs Volckweynen geweßen, 
hat er an dessen hoff bekandtschaft mit einem 
schönen freulein Jmma gemachet, auß dem hauß 
v. Cahnstein,' haben sich lieb gewonnen, auff 
ewigk verlobet, auch mit eynandter vermehlen 
wollen, wannen er erst ein Ritter wordten wehre. 
Da aber Lentfried nachhero mit dem kayßer zu 
feldt getzogen undt gar lang außblieben, hat sie 
sein daheym vergeßen undt sich von einen stiffts- 
herren bethören laßen. Derhalben sie ihr Batter 
inß Closter gestoßen, allwo sie eine pforttnerin 
wordten. Ist einstmahlen ein altt hexenwehb 
dahin kommen, sich inß Closter eindtrengen wollen 
undt da die pforttnerin sie mit gar hartten 
wortten gestraffet, hat die hexen sie mit ihren 
staab berühret undt alßobald in einen garstigen 
Raaben verwandtlet, so zur stundt darvon geflogen. 
Darnach, da Lenifridus wiedter heymkommen, 
undt die mähr vernommen j hat er sich fast 
entsetzet. Hat aber doch nachgehends eine 
andtere alß haußfrau heymgeführet, so Mech- 
tildt v. Kasterfeldt geweßen. Undt da sie ge- 
trawet wordten, ist ein raab in die Kirchen 
kommen undt immerfort umb die brautleuth mit 
häßlichem Geschrey herumb geflogen, bis der 
Chorknab mit dem weihwedtel nach ihme geschlagen. 
Da er zwahr auß der Kirchen gewichen, aber 
die jungen Ehleutt, so auffn Heßenstein getzogen, 
auch dahin vervolget. Tag und Nacht umb solch 
schloß herumb gekreyßet undt greßlich geschrhen, 
daß sie sich seiner kaumb erwehren undt des 
lebens allda nit froh werdten können. Ist auch 
wedter mit schießen noch werffen zu verdtreyben 
geweßen. Hat ihn dann eines Abendts, da man 
auff der Burgk das ave geläuttet undt der raab 
wiedter darumb gestrichen und geschrhen, der 
Jäger mit einem gesegneten Boltzen geschoßen, 
daß solcher hintter der Capellen in Zwinger herab 
gefallen undt alß man da gesuchet, hat man die 
Nonnen sterbende sundten. Hat Lentfriedo noch 
gefluchet undt dannen verschiedten. Solches ist 
kommen in Sachsen und Nordhessen erklären und es scheint, 
daß ihre Enkel aus Pietät den Familiennamen Heßi fort- 
sührten. Von Gisela's Söhnen wurde Bernhardt der 
Stammvater der sächs. Pfalzgrafen, sowie der Grafen v. 
Blankenburg und Regenstein, Hessico derjenige des eigent 
lich so genannten Hessidischen Gaugrafenhauses in Ostfranken, 
sowie der Grafen im Leinegau, von Reinhausen, Dassel, 
wahrscheinlich auch der Grafen von Schaumburg und der 
Herren von Itter. — Gisela, an deren gräflichen Hofe die 
heilige Liutbirgis lebte, stiftete zwei Klöster, Caragoltesbach 
(bei Heßdorf im sränk. Saalgau) und Winethohusen 
(welches nach Einigen am Harze lag, von Wynkelmann aber, 
wohl irrig, an die Stelle des jetzigen Dorfs Windhausen 
bei Kassel verlegt wird) und setzte zu Aebtissinnen derselben 
ihre beiden Töchter, von denen Hruothildis dem ersteren, 
die uhrsach wordten, daß Lenfridus den Heßenstein 
verlassen, auch nachhero seinen Vettern v. Keße- 
bergk abgetretten hat. (Der in dieser Sage ge 
nannte Graf könnte Graf Volquin von Schwalen 
berg sein, der 1137 bis 1177 vorkommt und da 
Lenfried bereits 1167 in der Urkunde über seines 
Vaters Hugo Verzichtleistung auf die Güter zu 
Lindheim, Trehß rc. zu Gunsten des Stifts Fulda 
genannt wird, so würde er der Zeit nach wohl 
in seinen Jünglings-Jahren an des Ersteren Hofe 
gelebt haben können. — Aeltere Scribenten 
schrieben Landgraf Heinrich dem eisernen auf 
den Umstand hin, daß er 1342 mit den Vögten 
v. Keseberg die Burg Heßenstein gemeinschaftlich 
erbaut, die ursprüngliche Einrichtung und Be 
nennung derselben zu; später ist aber urkundlich 
festgestellt, daß die Burg schon 1328 existirte, 
denn er verpfändete sie in diesem Jahr dem 
Kloster Haina. Es war also schon eine ältere 
Burg dieses Namens 1328 da und zwar wahr 
scheinlich aus einer Zeit, in welcher die Landgrafen 
von Thüringen und Hessen noch keinen Besitz in 
dieser Gegend hatten und also auch diese erste 
Burg nicht erbaut und benannt haben konnten. 
Vermuthlich fand diese ältere Burg in den Kriegs 
stürmen jener Zeit nach der Verpfändung ihren 
Untergang und der Landgraf mochte die Wieder 
herstellung der alten Grenzveste in seinem In 
teresse gefunden haben.) 
3. 
Hugo Heß v. Wichdorff, der mittlere (gestorben 
1244) war nach Wynkelmanns Stammtafel zweimal 
vermählt, 1., mit Else v. Itter und 2. mit Nesa 
v. Züschen. Erste soll ein tragisches Ende ge 
funden haben und die Sage berichtet darüber: 
Vor altters hat droben auff dem Schwencken- 
berg ein altter Jäger gehaußet, der hat Sprinckel 
geheißen undt mehr gekundt als Brodt essen. 
Solcher jeger hat eine häßliche Tochtter gehabt, 
die von deme altten auch ettliche seiner büßen 
künst gelernet undt da sie einstmahlen untern 
Bergk an dem börnlein gewaschen, ist von ohn- 
Bilihildis aber dem letzteren vorstand. Hessico's Sohn, 
Adalbert Heßi, tritt urkundlich anno 837 zuerst als Graf 
des Saalgau's auf, sein Sohn Hessi II. als solcher 860, 
sein Enkel Heßi III. 923, sein Urenkel Hruodolf Heßi 953 
und dessen Sohn Adalbert Heßi starb 962. Die Gau 
grafenwürde im Saalgau, Sinngau, so wie in den Gauen 
Aschefeld. und Folkfeld wurde nun auf andere übertragen 
und es ist fraglich, ob dies geschah — wie Wynkelmann 
andeutet — wegen Betheiligung an einer Empörung. Das 
Geschlecht pflanzte sich jedoch in Franken und Sachsen mittelst 
verschiedener Linien im Unwian'schen Männesstamm fort 
und von diesem entsproß auch—darüber lassen die vorhandenen, 
früher bereits genannten, Urkunden keinen Zweifel — das 
im 12. und 13. Jahrhundert zum Dynastenstande zählende 
Geschlecht der Heßen v. Wichdorff.) —
        

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