Full text: Hessenland (2.1888)

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Anträge zur Geschichte des Ktäötchens WLeöenstein und öer 
Kamille Keß v. Wichöorff. 
Hersusgegeben von Ernst Wolsgnng Hest v. Wichüorff. 
II. Theil. 
(Fortsetzung.) *si/i t W■ 
Etzliche Historien und Sagen. *) 
l. 
Da Carolus magnus dem Ur-Eltter-Vatter 
des Geschlechts, Hidti Heßi,**) so ein Fürst derer 
altten Sachßen in Ostphalen geweßen, den Be- 
zirck geschencket, da man hernacher die Burgk 
Heßerodte gebauet, ist in Rhindter-grundt undt 
3 Meyll in Uembkreyß geweßen, hat ihme der 
*) Alle Rechte vorbehalten. 
**) Hiddi Heßi, mit seinen Ostphalen 771 von Karl d. 
Großen bei der Eresburg geschlagen, zog sich nach der 
Weser zurück, um sich da festzusetzen und den Anzug der 
übrigen Sachsen abzuwarten. Hier vernahm er aber, daß' 
die Wenden von der Elbe her in sein Land gefallen wären 
und dasselbe grausam verheerten, und er unterwarf sich da 
her dem fränkischen Herrscher, um sein Land wieder von 
jenen befreien zu können. Dies gelang ihm zwar, aber 
des Westsachsen-Fürsten Witukind Einfluß, welcher durch 
Sendboten die Ostphalen aufs Neue gegen Karl aufwiegelte 
und die treu gehaltene Unterwerfung ihres Fürsten als einen 
Abfall von der Sache des Sachsenvolkes darstellen ließ, 
wiegelte doch nachher Häuptlinge und Volk so gegen Hiddi 
Heßi auf, daß dieser genöthigt wurde, sich zu den Franken 
zu flüchten, wo ihm das Dorf Wulvisanger (jetzt Wolfs- 
Kaiser seinen stab dargereichet mit denen wortten: 
„Solang du undt die deinen an diesen meinen 
stab haltten, solang soll dieß guth dir undt deiner 
Nachkommen seyn undt bleiben." — Solchen stab 
haben nachgehends die Enckell Wehlen sie nit einig 
werdten können, wer ihn behaldten undt auff- 
heben sollen inß stisft zu Fritzler zu bewahren 
geben, allwo er lang behüthet worbten, bis ihn 
einLandtgraff, so die stabt erobert, mit genommen. 
Darnach das Geschlecht auch das gut verlohren. 
anger bei Kassel) zum Aufenthalte angewiesen wurde. Auch 
da vor Nachstellungen nicht sicher, begab er sich tiefer ins 
Frankenland. Er erhielt vom Kaiser Karl die Landschenkung, 
von welcher obige Sage berichtet. Die Lage derselben ist 
wiederholt Gegenstand strittiger Erörterungen gewesen. 
Hiddi Heßi hatte einen Sohn Äthalrich, der 623 starb, und 
im Stift zu Fulda beigesetzt wurde. (Vergl. Necrol. Fuldens. 
in welchem auch mehrere der nachstehend erwähnten Familien 
glieder vorkommen.) Derselbe verlor seinen einzigen Sohn 
früh und hinterließ nur zwei Töchter, deren eine, Gisela, 
dem Grafen Unwian im Gau Aschfeld in Ostfranken, die 
andere, Wigsuita, dem Grafen Berndag vermählt wurde. 
> Diese Töchter scheinen wieder zu dem ungeheueren 
! Güterbesitze ihres Großvaters Hiddi im Sachsen- 
j lande gelangt zu sein, denn nur dadurch läßt sich der 
! außerordentliche Güterreichthum Gisela's und ihrer Nach-
        

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