Full text: Hessenland (2.1888)

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Katharine im Jahre 327 enthauptet, ihr Haupt 
aber von Engeln auf den Berg Sinai getragen. 
St. Barbara ist nach der Legende die Tochter 
des Kaufmannes Dioskorus in Nikomedien. 
Als die Ermahnungen ihres Vaters, vom Christen 
thum zum Heidenthum zurückzukehren, vergeblich 
waren, ließ er sie in einem Thurme schmachten 
und darauf auf das scheußlichste ihren Körper 
mißhandeln. Da dies alles nichts half, ent 
hauptete er sie selbst um 240 oder 306. Zur 
Strafe der Unthat traf ihn der Blitz. 
Ans der inneren Seite der rechten Flügelthür 
ist in einem Gemälde dargestellt, wie Joachim 
im Tempel erscheint und ein Lamm zum Opfer 
bringen will, von einem Juden aber, der seinen 
Knaben an der Hand führt, vom Vortritt zurück 
gehalten wird, weil er keine Nachkommenschaft 
in Israel habe. Betrübt über diesen Vorwurf 
zieht sich Joachim vierzig Tage und vierzig Nächte 
in die Wüste zurück, um bei seiner Herde zu 
fasten und zu beten, bis ihm Jehova gnädig sein 
werde. 
Auf der inneren Seite der linken Flügelthür 
erblicken wir Joachim bei seiner Herde, seine 
Wohnung und seinen Garten mit einem Lorbeer 
baum, worauf ein Nest mit jungen Vögeln steht 
und unter demselben eine Anzahl Kaninchen hockt. 
Während nun Joachim bei seiner Herde weilt, 
sitzt Anna zu Hause und beklagt nicht nur ihre 
Kinderlosigkeit, sondern auch die Abwesenheit ihres 
Mannes. Betrübt geht sie in den Garten, 
blickt zum Himmel, sieht das Nest mit den jungen 
Vögeln und spricht: wehe, wer hat mich geboren, 
daß ich ein Fluch geworden bin für die Kinder 
Israel, die Thiere der Erde gebären ja, o Herr, 
vor dir! Da erscheint ein Engel dem Joachim 
bei seiner Herde und seiner Frau zu Hause. 
Anna kniet in ihrem Zimmer vor einem Pulte 
und betet, ein Engel schwebt zum Fenster herein 
und verkündigt ihr die Geburt der Maria. Freudig 
kehrt Joachim zurück, Anna eilt ihm geschmückt ent 
gegen und beide umarmen sich vor ihrer Wohnung. 
An der Außenseite der rechten Flügelthür er 
scheint die heil. Familie in einen! Gemälde. Die 
Namen der einzelnen Personen sind entweder 
auf Spruchbändern oder im Nimbus angebracht. 
An der Außenseite der linken Flügelthür er 
blicken wir eine Reihe Männer und Frauen, 
letztere sitzen auf einer Bank, während erstere 
hinter ihnen stehen: Ephraim mit einer Schrift 
rolle, Zacharias, Eliud und ein Ritter mit einer 
Fahne. Vor Ephraim sitzt Husmeria, neben ihr 
Elisabeth mit Johannes dem Täufer und vor 
dem Ritter eine Frau mit der Inschrift im 
Halsbande Johan von der L., neben ihr steht 
ein Knabe mit der Bischofsmütze und dem Namen 
St. Servatius im Nimbus. 
Der St. Catharinenaltar wird zuerst im Jahre 
1302 in einer Urkunde erwähnt. Als der 
Schwiegersohn der heil. Elisabeth, Herzog Heinrich 
von Brabant 1247 ihr Grab besuchte, verordnete 
und befahl er, daß „aus Ehrfurcht vor Jesu 
Christi und der seligen Elisabeth (ob reverentiam 
Jesu Christi et beate Elisabeth) ein Altar im 
Elisabethchor errichtet werde, mit dem Versprechen, 
denselben ehrenvoll zu dotieren." Der Altar 
wurde erbaut, aber nicht dotiert, weil der Herzog in 
zwischen verstorben war. Seine Gemahlin Sophie 
erfüllt das Gelübde unter dem 1. April 1258 und 
stattet den Altar mit dem Patronatrechte der 
Kirche zu Oberwalgern aus, ohne jedoch den 
Namen desselben in der bezüglichen Urkunde an 
zuführen. Ihr Sohn, Landgraf Heinrich I. von 
Hessen und seine zweite Gemahlin Mechthilde 
erneuern die Stiftung am 4. Januar 1298. Als 
Gegenleistung verpflichten sich die Brüder des 
deutschen Hauses täglich eine Messe am „Catharinen 
altar" durch einen Priester ihres Ordens für die 
Stifter, deren Vorfahren und Nachkommen lesen 
zu lassen. 
Der an der westlichen Wand aufgerichtete 
St. Marienaltar, über dessen Dedikation 
auch keine Urkunde vorhanden ist, stand bis zur 
Restauration an der westlichen Schmalseite des 
Mausoleums. Der Altarschrein enthält Dar 
stellungen aus den freudenreichen, schmerzen 
reichen und glorreichen Geheimnissen der Jung 
frau Maria in Bildwerken und Malerei. Der 
untere Theil des Schreines birgt eine Pieta, zur 
Seite Joseph von Arimathia und Maria Mag 
dalena, der obere, höhere eine vorzügliche Holz 
schnitzerei, die Krönung der heil. Jungfrau. 
Maria in ein blaues mit Gold durchwirktes 
Untcrgewand und goldenes Obergewand gekleidet, 
die Locken von ihrem Haupte wallend, kniet 
zwischen Gott Vater und Christus, welche ihr 
gemeinschaftlich die Krone aufsetzen; über der 
Gruppe schweben Engel, Tücher in ihren Händen 
haltend. 
An der Außenseite der rechten Flügelthür er 
blickt man das Elternpaar der Maria, Joachim 
und Anna und die Geburt Christi im Stalle zu 
Bethlehem. Maria kniet neben ihrem neugeborenen 
Knäblein, welches auf einem über Kornähren 
gebreiteten Tuche ruht. Liebliche Kinderengel 
umgeben das holde Christuskind. Der Hinter 
grund zeigt die Hirten auf dem Felde und den 
Engel der ihnen die Geburt des Heilandes ver 
kündigt; auf der Innenseite ist die Verkündigung 
der Maria und die Anbetung der Weisen aus 
dem Morgenlande abgebildet. Maria hält das 
Christuskind auf ihrem Schoße, hinter ihr steht 
Joseph, neben ihm Ochs und Esel. Zwei Magier 
knien vor dem Kinde, ein dritter — schwarz —
        

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