Full text: Hessenland (2.1888)

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eschLchte der 
Räuberbande des „allen Druckers." 
Von Ludwig Mohr- 
«Schluß.) 
Nach dem Ziegenhainer Raube ist es, als ob 
der schwarze Hann-Adam spurlos verschwunden 
sei, die bereits angezogene Anklageschrift des 
Generalprokurators wenigstens erwähnt seiner bei 
den von ihr behandelten später ausgeführten 
Raubunternehmen als aktiven Spießgeselle der 
Bande nicht weiter. War er inzwischen, wie so 
mancher Andere der Gesellschaft dingfest gemacht? 
War etwas Wahres daran, was später der Volks 
mund fabelte, daß eines Tages bei der hohen 
Polizei zu Kassel ein anonymes Schreiben ein 
gelaufen sei, in welchem sich einer der Räuber 
gegen Zusicherung von Straflosigkeit und Ueber- 
tragung des Postens eines Polizei-Agenten an 
heischig gemacht habe, die Schlupfwinkel sämmt 
licher, auf freiem Fuß sich befindender Mitglieder 
der Drucker'schen Diebesgenossenschaft nachzuweisen 
und bei ihrer Einsaugung behilflich zu sein, daß 
man den Brief als die Ausgeburt eines Wahn 
witzigen unbeachtet bei Seite gelegt habe und erst 
dann wieder darauf aufmerksam geworden, als 
nach geraumer Zeit ein zweiter gleichen Inhalts 
eingetroffen sei; daß man dann dem Könige die 
Sache unterbreitet, der die Tragweite des Aner 
bietens erkannt und dieBegnadigung desSchreibers, 
sofern er sich freiwillig stelle, zugesagt; daß sich 
darauf hin der schwarze Hann-Adam gemeldet 
habe, die Begnadigung erfolgt und er Agent der 
Hohen Polizei geworden sei; daß er als solcher 
sein Wort gelöst und alle seine früheren Spieß- 
gesellen an das Messer geliefert habe?! 
Aus dem uns vorliegenden Material haben 
wir über das Gesagte nichts weiteres festzustellen 
vermocht, als daß Wenderoth von dem Könige 
begnadigt wurde, und daß er als Kronzeuge bei 
den Kriminal-Verhandlungen auftrat, wo er 
hauptsächlich die Identität der, Namen und Person 
verleugnenden Räuber, festzustellen hatte. Das 
zuverlässige von Grolmannsche Werk* **) ) nennt 
gelegentlich der Besprechung eines durch Vogels 
berger Räuber verübten Einbruchs bei dem Geld 
erheber Bretthauer zu Ziegenhain vom 3. auf 4. 
November 1809 den schwarzen Hann-Adam als 
Theilnehmer und bemerkt dazu, er säße in 
Marburg; auch Fr. Müller's „Kassel seit 
sieben zig Jahren"*) läßt die Begnadigung 
des Wenderroth erst in dem Gesammt-Urtheil 
*) F. L. A. von Grolmann. Aktenmäßige Geschichte der 
Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden. Seite 338 
u. 463. Anklageschrift des Generalprokurators des Königs. 
Seite 18 u. 21. 
**) Fr. Müller. „Kassel seit siebenzig Jahren." Seite 51. 
ausgesprochen werden, das am 11. November 
gegen die Räuber in Kassel gefällt wurde; dar 
nach wäre also die Briefgeschichte und freiwillige 
Gestellung Wenderoths in das Reich der Märchen 
zu verweisen. So viel aber entspricht der Wirk 
lichkeit: der Räuber schwarzer Hann-Adam ward 
als Johann Adam Wenderroth der menschlichen 
Gesellschaft zurückgegeben und machte als Polizei- 
Agent, dem später der Ruf eines gefürchteten 
Diebes-Fängers zur Seite stand, wett, was er 
früher gegen dieselbe gesündigt hatte. 
Nach und nach füllte sich das Gefängniß zu 
Marburg. Außer dem bei der Razzia auf der 
Bredelarer Hütte eingefangenen, zu Arnsberg 
verurtheilten und requirirten Räuber, wurden 
noch dahin eingeliefert: „Weidenbaums Görg; 
den Wenderroth angegeben; Hann-Jost Mein; 
Mannes; dessen Bruder Kaspar Kreuz; der 
Erkel'sche Schuster; der scheele Rößler, der Lieder- 
Konrad; der rothe Becker u. a. m., so . daß die 
Matadoren der Bande jetzt erst vollzählig hinter 
Schloß und Riegel waren. 
Ein ungeheures Material hatte der Kriminal- 
Gerichtshof zu bewältigen; denn außer den zehn 
Raubfällen, welche die Bande von dem Zeitpunkte, 
wo der alte Drucker zurückgekehrt war, bis zu 
dessen Gefangennehmung verübte, und den weiteren 
fünfzehn, die von diesem Zeitpunkte bis zur 
Schließung der Acten registrirt sich finden, lagen, 
noch ihrer sechzehn vor, die in die Zeit fallen, 
wo der alte Räuber in der Karre zu Braun 
schweig ging. Der Umfang mag aus der An 
gabe erhellen, daß die Ausmittelung und die 
Untersuchung dieser Räubereien 118 Bände Akten 
füllten. Und dennoch waren das nur die zur 
Anzeige gekommenen, wie viel aber wurden von 
den Bestohlenen verschwiegen, weil sie zu ihrem 
Schaden sich nicht noch verdrießliche Gerichtsgänge 
machen wollten. 
Von den verhafteten Räubern wurden in 
Marburg abgeurtheilt: „Weidenbaums-Görg; der 
schwarze Liborius; Gilbert Eller; der große Hann- 
Peter; der rothe Konrad; Leyser; Gäul-Afronche; 
Philipp Schäfer; Johannes Noll und Auscher- 
Leib-Doktor. 
Bezüglich des alten Drucker entstanden jedoch 
Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kriminal 
gerichtshöfen des Werra-Departements zu Mar 
burg und des Fulda-Departements zu Kassel, 
welche beide über denselben abzuurtheilen ver 
langten ; der Staatsrath, dem die Sache vorgelegt 
wurde, entschied darauf unter dem 8. Febr. 1812
	        

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