Full text: Hessenland (2.1888)

275 
gar außgestorben undt ihr Dorff Hesselrode an 
sremde gediehen. Derer zu Wichdorff Nach- 
kohmen haben dargegen den Nahmen derer Heßen 
fortgefüret undt seyndt bestendig die Heßen von 
Wichdorff oder auch nur kurtzweg die Heßen 
gemeinlichen in Uhrkundten undt sonsten genennet 
wordten. *) Alß die Mentzischen güetter umb 
die gegendt her von dem Hochfürstl: Hauße Hessen 
erworben« wordten, seyndt diese Heßen lehn 
mannen des Ertzstieffts bereits geweßen undt 
haben dieße lehen theylß behaltten, theyls newe 
darzu entphangen, dannen sie allerdings trew 
undt bestendig zum Hochfürstl: Hauße gehaldten. 
Da sie auch ohnedieß nit alle ihre güetter zu 
lehen gehabbt, sondern auch noch freyes eygen- 
thum besehen, so seyndt sie vor deme wolbegüettert 
geweßen und stattliche Heußer auch allhier in 
Caßell gehabt, pp. Wie bekandt, daß Churdt 
Heß (derselbe hat offtmalen eine Lsguackrou 
pferdt in seinen stellen zu Wichdorf gehabt), 
der ein berümbter Kriegsmann undt Landtgraff 
Philippi Feldt-Obristen eyner geweßen, so all 
bereit gegen den von Sickingenn rühmblich ge- 
dienet, den schwäbischen Krieg alß ein Riedt- 
meister mitgemachet undt sich in deme treffen 
bei Lauffen herfürgethan, auch die auffrührischen 
bawern bei Fuldt auffm Frawenberge geschlagen 
undt zerstrewet, letzlichen die Hessischen völcker 
gegen dieMiedterteuffer in Münster gefüret, 
auch sonsten vil güetter dienst gethan, pp. 
(Es folgt nun eine Auseinandersetzung der 
Lehensverhältnisse, ferner wird der — oben be 
reits ausführlich geschilderten — Schicksale Mel- 
chior's Heß v. Wichdorff Erwähnung gethan, 
und „daß ihn der Fürst übel ahngeloßen, weilen 
er damahlen von der Eckerdtsbergischen justiti- 
eation nit gar glimpflichen geurteylet". — 
Bezüglich der Entziehung seiner Lehen heißt es 
dann weiter:) 
„Davon will sich nichts befindten, mag in da 
mahligen troubles abhandten kommen seyn. 
Churt Riedtessel bestettigt's aber hat nachgehends 
von Landtgraffen Moritzen Seeligen noch in 
Eschwegen sagen höhren, Melcher hette Ihme 
leydt gethan, wehre ein trefflicher cavalier undt 
officirer geweßen. 
Sehne kindter, obgemeldter Görg (Heß v. Wich 
dorff) nebst zwo Schwestern seyndt in Schmal- 
*) Alßo haben es auch die Görtzen zu Schlitze, die 
Ryeteßel, die Wölff undt Groppen von Gudenbergk, die 
Münch, Brandt undt Rützer von Buchesecken, die Dieben 
zum Fürstenstein, die Milchlingen, Holtzvdell, Keudell, 
die Rawen zu Holtzhautzen, Hundte zu Kirchpergk, 
Schlaunen zur Lindten, Schaden zu Reimpolß, die 
Schwertzell, Brendtell, Hünen undt viel andterer ge 
haldten. Mit denen Hetzen verhelt es sich gleichermaaßen, 
so ist es auch mit denen Buttlern beschaffen, deren eine 
Linea sich die Treyschen nennet. 
caldten blieben, haben sich allda in ehstandt be 
geben undt seindt, alß wir vernahmen, in guetten 
umbstendten und Ansehen, alßo, daß es ihnen 
wohlergehet. 
Do nun aber Ew. F. Gn. des ernstlichen 
Willens undt meynung, ihnen eine Institution 
auff irgendt eine weyß zu geweren, wirdts gleich 
wol schwehr haldten, bannen zur jtzigen zeitt 
auch gar nichts dazu vorhandten. Ew. F. Gn. 
ist ja selbsten bewust, daß schier auff alle Lehen 
stuck, bevor noch ein heimfall recht zu gewartten, 
allbereit im vorauß ahnwarttschafften gesuchet 
werdten und dießfals schon zuesagen geben seyndt, 
undt müeßte, wannen es denn ja jtzundt seyn 
solte, ein andterer Ahnwertter zurücke gesetzett 
werdten. 
Darob ein neheres alßogleich hier zu pro- 
poniren, will unß auß uhrsachen nit rahtsamb 
beduncken, behaldten unß derohalben undter- 
thenig vor, solchs auff Ew. F. Gnad. glückliche 
Heimkunfft zu spahren, alß wozu Gott der Herre 
baldt seine Gnade geben müege, wündschen Ew. 
F. Gnaden darzu von Hertzen gentzliche Ge- 
neßung undt gesundtheitt undt seyndt undt 
bleiben indeßen zu Ew. F. Gnd. diensten in 
undterthenigem Gehorsamb allezeitt willig undt 
erbiettig. 
vat: Caßell, den 7tm Juliy 1663. 
Ew. F. Gnd. 
undterthenige gehorsame pp Cantzlar u. Reihe. 
Hierbey ist noch angemercket: 
Dießer bericht ist einstweilen beygelegett, da 
I. F. Gnd. ohnvermuthet zu Hayna seligen von 
dießer Welt abgeschiedten, ehender die fach zum 
fürtragk kommen können. — 
Hans Georg Heß v. Wichdorff, der ält:, starb 
am 26. August 1686 auf seinem Burgsitze zu 
Schmalkalden. 
„Wehlen aber allda die lutherische Lehr durch 
die Reformirten gantz undt gar abgethan werden 
sollen, denen Lutherischen auch Kirchen, schul- 
undt Pfarrhäußer genommen undt sonsten ge- 
waldt und unrechtt an ihnen geübet wordten, 
hat dessen — am 7t°n Septbr: 1663 geborener 
Sohn Johann (Hans) Georg Heß v. Wich 
dorff, d. jüngere, solch unohristlich wesen nit 
länger mehr mit ansehen können, sondern ist 
von da weg und nach Tambach verzogen." —*) 
Seine Nachkommen aber sind gegenwärtig in 
Gotha und Erfurt ansäßig. 
Einer derselben (er waltete in Gotha eines 
hohen Amtes, weilt aber nicht mehr unter den 
Lebenden) hielt sich vor dem Jahre 1866 be 
*) Aus demselben Grunde legte aimo 1693 sein älterer 
Bruder Hans Heinrich, welcher Rector und Diaconus zu 
Schmalkalden war, seine Aemter nieder und ging als 
Prorector an die hohe Schule zu Lübeck-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.