Full text: Hessenland (2.1888)

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hards Erdbeschreibung der hessischen Lande, erschie 
nen 1778, zu Rathe gezogen batte; dort heißt es 
auf S. 587.- „In dem letzteren französischen Kriege 
hat sie (die Stiftskirche) aber ihren Untergang ge 
funden; Da sie von den Franzosen zu einem 
Magazine von Strohe und Heue ge 
brauchet, solches bey dem durch die unvermuthete 
Anrücknng der Alliirten veranlasseten geschwinden 
Abzüge den 20. Februarius 1761 angestecket, und 
die Kirche darüber bis auf die Mauern abgebrannt 
und zerstöhret worden." 
Ich dächte, dem könnte man glauben. Dennoch 
seien zum Ueberfluß noch zwei weitere Gewährs 
männer angeführt, die wohl ganz unverdächtig er 
scheinen dürften. Friedrich Christoph Schmincke 
(lebte von 1724 bis 1795 als Bibliothekar und 
Archivar in Kassel) sagt in seinen Collectaneen von 
hessischen Städten und Aemtern*) bei Hersfeld: „Die 
Gebäude, des Oberamtmanns Haus, das Dach 
von der Cantzley, die große Stiftskirche, 
der Fruchtboden, sind im Februar 1761 von den 
Franzosen wegen der darin befindlich ge 
wesenen Magazine angesteckt und gäntzlich ver 
wüstet." 
Endlich berichtet der hessische General von Wut 
gin au am 28. Februar 1761 aus Oberbreidenbach 
dem Landgrafen selbst:**) „Durch das von denen 
Feinden in Hirschfeld schon gedachtermasen verbrannte 
Magazin, welches mehrentheils in der 
dasigen Stiftskirche und dem Schloß zu 
sammen gebracht gewesen, ist es geschehen, 
daß beyde Gebäude mit in Brandt gerathen und 
gänzlich ruiniret worden." 
Solchen positiven Zeugnissen gegenüber kann, denke 
ich, das negative des Herrn v. St. nicht weiter in 
Betracht kommen. Ob der genannte Herr deshalb, 
wie er selbst sagt, „aus seinem Berichte zu viel 
heraus gelesen hat," diese Frage zu beantworten, 
überlasse ich einem jeden selbst, ebenso, ob es ge 
rathen war, die gemachte „Entdeckung" der Festkarte 
beizudrucken. Wir müssen für die Zeit des sieben 
jährigen Krieges die Franzosen, zumal aber den 
Herzog von Broglio, einen anerkannt edlen 
Mann, von aller Barbarei freisprechen! 
Wenn man sich an dem Landgrafen, den man 
übrigens noch im Jahre 1761 von seinen bis 
herigen Verbündeten ab- und zu sich herüberzuziehen 
hoffte, rächen wollte, so hatte man dazu andere 
Mittel: man hätte z. B. seine Schlösser in die Luft 
sprengen können. Jedenfalls wollen wir Deutsche 
nicht aufhören, auch unsern Feinden objective Ge 
schichtsschreiber zu sein! Kugo Urunner. 
*) Auf hies. Landesbibliothek, Mss. Hass. fol. 117. 
**) Bericht im Kgl. Staatsarchiv zu Marburg. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Kassel. Gallerie-Direktor Dr. O. Eisen 
mann dahier hat soeben einen wissenschaftlichen 
Katalog derKasseler Gemälde-Gallerie heraus 
gegeben und damit einem lang gefühlten Bedürfniß 
abgeholfen. Eingeleitet wird das Werk mit einer 
interessanten, vom Verfasser schon früher publicirten 
Geschichte der Gallerie und einem Nachtrag des 
Marburger Professors Dr. v. Dr ach über die 
Erwerbungen der Gallerie, aus archivalischen Quellen 
geschöpft. Der Katalog selbst giebt in kurzen Zügen 
biographische Notizen über die vertretenen Meister, nach 
den verschiedenen Schulen geordnet, sowie ausführliche 
Beschreibungen der vorhandenen Gemälde selbst und 
noch manches andere schätzenswerthe Material. 
Jedem, welcher sich eingehender mit den Werken unserer 
Gallerie beschäftigen will, dem es auf etwas mehr 
als einen flüchtigen Genuß ankommt, wird dieses 
Werk hochwillkommen sein. Für die außerordentliche 
Mühe, welche Herr Dr. Eisenmann für eine solche 
Arbeit, die Jahre erforderte, aufgewandt, verdient er 
Dank und Anerkennung in hohem Maße; ebenso 
für die treffliche Lösung der Aufgabe an und für sich. 
W. W. 
— In dem Schaufenster der Kay'schen Hof-Buch- 
und Kunsthandlung dahier hatte unser Landsmann 
Johannes K l e i n s ch m i d t zwei Bilder ausgestellt, 
welche während seines jüngsten Aufenthaltes in 
München von ihm gemalt worden sind und hier 
Aufmerksamkeit erregten. Sie zeigen, daß der an 
dauernd wacker schaffende Künstler auch auf dem 
Gebiete des humoristischen Genre's Tüchtiges zu 
leisten versteht. Die beiden Gemälde sind als 
Gegenstücke (Pendants) aufgefaßt und stellen das 
Wohlbefinden desselben Mönches dar, das er bei dem 
Genuß eines trefflichen Mahles empfindet. Auf 
dem einen Bild beginnt er mit dem Tranchiren eines 
Huhnes, und köstlich ist der Ausdruck des Behagens 
dabei im Antlitz des Mönches getroffen. Auf dem 
zweiten Bild erblicken wir vor ihm die Reste der 
Mahlzeit und die geleerte Flasche, in der Hand aber 
hält er prüfend einen Römer mit den letzten Tropfen 
des köstlichen Trankes. M. M. 
— Universitäts-Nachrichten. Der bisherige 
Geheime Staats-Archivar Archivrath Professor Dr. 
Max Ludwig Eduard Lehmann in Berlin ist zum 
ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät 
Marburg ernannt worden. 
Ueber die Universität zu Gießen wird dem 
„Frankfurter Journal" von dort geschrieben: Unsere
	        

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