Full text: Hessenland (2.1888)

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stud. Sie mar von Kassel entwickelte. Hervor 
zuheben ist, daß dieselbe eine romanische Säulen- 
Basilika ist mit abgesondertem Glockenthurm 
und doppeltem Chox, von denen der eine Gott, 
der Mutter Maria und den Aposteln geweiht, 
der andere dem Ortsheiligen, dem heiligen Wig 
bert, dessen Gebeine in der Krypta ruhten.*) 
An dem darauf stattfindenden Fe st mahle 
im Gasthause zum Stern nahmen 70 Personen 
Theil. Dasselbe, dessen Güte allseitiges Lob 
fand, wurde durch verschiedene, zum Theil höchst 
geistreiche Toaste gewürzt. Die Reihe derselben 
eröffnete der Vorsitzende, Herr Major v. Stam- 
ford, und stehend hörten die Festgenossen auf 
seine Worte. Er gedachte des schweren Miß 
geschicks, welches unser Kaiserhaus und unser 
Vaterland in diesem Jahre betroffen und wid 
mete den Manen der dahingeschiedenen Kaiser 
Wilhelm I. und Friedrich ein stilles Glas. 
Darauf bemerkte er, daß wir trotz dieses herben 
Schicksals nicht verzagen dürften, und wie das 
Auftreten des nunmehrigen Kaisers zu den 
höchsten Hoffnungen berechtige; der Redner wies 
darauf hin, daß einst König Wilhelm I. an 
diesem 31. Juli zur Armee abging, um sie zu 
der großen Abrechnung mit dem Erbfeinde zu 
führen und daß heute Kaiser Wilhelm II. nach 
seinem „Friedensfeldzuge," der Meerfahrt nach 
Norden, Deutschlands Boden zuerst wieder be 
treten solle. Dann brachte er auf das Wohl 
Sr. Majestät, des Kaisers und Königs Wil 
helm II. ein dreimaliges Hoch aus, in das die 
Versammlung begeistert einstimmte und sodann 
stehend die Nationalhymne sang. 
Hierauf brachte Herr Bibliothekar Or. Brun 
ner von Kassel ein Hoch aus auf die Stadt 
Hersfeld, welche die Versammlung so freundlich 
in ihre Mauern aufgenommen. Herr Bürger 
meister Braun von Hersfeld dankte und 
toastete auf das fernere Blühen und Gedeihen 
des Vereins für hessische Geschichte und Landes 
kunde. Herr Landgerichtsrath Reul von 
Hanau ließ das Festeomito hoch leben, Herr 
Pfarrer S ch a u b von Hersfeld die Gäste. Herr 
Forstmeister Weber von Kassel erging sich über 
die reichhaltigen geschichtlichen Beziehungen der 
Stadt Hersfeld und ihre Rivalität mit der 
ebenfalls sehr alten Stadt Fulda, besprach ins 
*) Bergt, auch die Baudenkmäler im Reg.-Bez. Kassel 
von v. Dehn-Rotfelser u. Lotz, S. 103 flgd. 
besondere die Wachsamkeit der Sicherheitsorgane 
in verflossener Zeit und brachte ein Hoch den 
Frauen und Jungfrauen der „Mückenstür 
mer" (Beiname der Hersfelder von einem 
Sturni der Polizei auf einen Mückenschwarm). 
Herr Kaufmann Möller von Hersfeld ge 
dachte hieran anknüpfend des schönen Trink 
spruchs von Luther: „Wer nicht liebt Wein, 
Weib und Gesang" — —; Herr Major 
v. Slamford der Wanderversammlungen des 
Vereins, welche heute ein Vierteljahrhundert 
vollendet hätten, und des Wiedersehens im 
nächsten Jahre zu Marburg; Herr stuck. Die- 
m a r von Kassel des Aufenthalts des Landgrafen 
Wilhelm V. zu Hersfeld in 1632, dem Jahre 
der Schlacht bei Lützen. 
Nach Verlesung eines Glückwunsch-Telegramms 
des Herrn Oberstlieutenants Wille vom Ost 
seestrande toasteten Herr Geh. Regierungsrath 
Fritsch von Kassel auf unser engeres Heimath- 
land und Herr Dr. med. Spangenberg von 
Hersfeld auf die Frauen und Töchter der Gäste. 
Nach Beendigung des Festmahls wurde unter 
Vorantritt des Musikcorps zu dem au der 
Kasseler Landstraße belegenen Wolff'schen Felsen 
keller gezogen, woselbst man noch bis zum späten 
Abend in fröhlichem Zusammensein verweilte. 
Der am 1. August von etwa 40 Festgenossen 
unternommene Ausflug nach dem Stop 
pelsberge mittelst Eisenbahnfahrt nach Neu 
kirchen, und danach Ersteigung des Berges über 
Oberstoppel war auch von herrlichem Wetter be 
günstigt, und die Rundschau von der auf dem 
Stoppelsberge belegenen Ruine Hauneck war 
im Allgemeinen sehr lohnend. Uebersah man 
doch im weiten Umkreise den Alheimer, den 
Knüll mit seinen verschiedenen Höhen, mehrere 
Berge der Rhön und des Vogelsgebirges, wäh 
rend im Norden die 11 Wegestunden entfernte 
breite Masse des Meißners den Blick begrenzte. 
Herr Pfarrer Wisse mann von Kassel knüpfte 
beim fröhlichen Frühstück beredte, das schöne 
freundliche hessische Land feiernde Worte an und 
brachte ihm in Verbindung mit dem ihm ge 
widmeten Vereine ein Hoch. 
Im Laufe des Nachmittags verließen die Theil- 
nehmer die Burg und kehrten auf verschiedenen 
Wegen heim, voll der schönen Erinnerungen 
und mit Abschied auf frohes Wiedersehen im 
nächsten Jahre zu Marburg. 
ß. W.
        

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