Full text: Hessenland (2.1888)

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Göttersage fort und wandelte sich in ihrem treuen, 
redlichen Gemüte zum lieblichsten Mährchen, das 
der Gebildetsten einer erst durch Bauernmund 
der ganzen Nation zu eigen geben konnte. Von 
der Treue des Bauernherzens zeugt auch der kleine 
Hans. Gott behüte den Bauernstand in seiner 
Eigenart und schütze ihn, das fruchtbare Ackerland, 
indem so viele gute Keime schlummern, vor den 
Maulwürfen, welche es unterwühlen und die zu 
künftige Saat vernichten wollen. K. K. 
. —-— 
54. Jahres -Versammlung 
des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde zu Hersfeld. 
Am 30., 31. Juli und 1. August fand zu H e r s - 
feld die 54. Jahres-Versammlung des 
Vereins für hessische Geschichte und 
Landeskunde statt. 
Obwohl die Witterungsverhältnisse sich seit 
Jahren nicht so ungünstig gestaltet hatten, wie 
in diesem Jahre, und bei der Ankunft in Hersfeld 
heftige Regengüsse die Wege durchweichten, fand 
sich doch eine große Zahl von Teilnehmern aus 
verschiedenen Orten unseres engeren Vaterlandes 
ein, und es kamen sogar denselben durch die 
Geburt Angehörige, jetzt in anderen Stellungen 
auswärts, aus den Nachbarlanden, wie Celle, 
Heiligenstadt u. a. O. Seitens der Bewohner 
der Stadt Hersfeld wurden die Gäste auf das 
Freundlichste empfangen, und bei der geselligen 
Zusammenkunft im Locale der Gesellschaft „Ver 
ein" am Abend des 30. Juli herrschte eine 
fröhliche Stimmung, gehoben durch die Klänge 
der Militärmusik, welche das zu Hersfeld liegende 
3. Bataillon des thüring. Infanterieregiments 
Nr. 32 in entgegenkommender Weise der Ver 
sammlung gestellt hatte. Freute sich doch Mancher 
einen alten Freund aus dem Hessenlande wieder 
zusehen, und wurde andererseits manch neues 
Freundschaftsbündniß geschlossen. Aber auch 
dem Ernste der Sache wurde Rechnung getragen. 
Nach der üblichen Weise fand in einem Zimmer 
des Dereinshauses zur Vorbereitung der Tages 
ordnung in der öffentlichen Versammlung und 
Besprechung sonstiger Angelegenheiten eine 
Sitzung des Gesammt-Ausschusses statt, 
an welcher sich folgende Herren betheiligten: 
von Cassel: Major a. D. v. Stamford, 
Custos Lenz, Kreisgerichtssecretära. D. Stern, 
Bibliothekar Dr. Brunner; von Marburg 
Archivdirector Dr. Könnecke; von Hanau: 
Dr. pllil. Wolfs und Dr. Eck. Eisenach, 
(Die Städte Fulda, Schmalkalden und Rinteln 
waren nicht vertreten.) 
Zum Haupttage, 31. Juli, brachten Hersfelder 
Zeitung und Hersfelder Kreisblatt ein passendes 
und schönes Gedicht, mit der lleberschrift: „Der 
eiserne Hut am Rathhaus zu Hersfeld und das 
steinerne Kreuz im Finsterthal," von I. R. 
Die Zahl der Festtheilnehmer hatte sich inzwischen 
vermehrt. Nachdem die Meisten derselben die 
zu den ältesten im Hessenlande gehörige und sich 
einer reichhaltigen Geschichte erfreuende Stadt 
Hersfeld durchwandert und mancherlei Sehens 
würdigkeiten dortselbst, wie Rathhaus und 
Stadtkirche, in Augenschein genommen hatten, 
begann um 10 Uhr Vormittags die öffent 
liche Versammlung in der Aula des unter 
dem verstorbenen Gymnasialdirector Dr. Wil 
helm Münscher so berühmt gewordenen 
Gymnasiums. Es war dazu außer den bereits 
genannten Vorstandsmitgliedern und den Fest- 
theilnehmeru eine Anzahl von Herren und 
Damen der Stadt erschienen. Eröffnet wurde 
die Versammlung durch den Vorsitzendeu des 
Vereins, Herrn Major a. D. v. S t a m f o r d. 
Derselbe bezeichnete die Wahl von Hersfeld, wo 
bereits vor 20 Jahren, am 17. Juli 1868, 
ebenfalls eine Wanderversammlung des Vereins 
getagt habe, als eine glückliche, wegen des hohen 
Alters und der Bedeutung der Stadt, bemerkte, 
daß die diesjährige um die nämliche Jahreszeit 
habe abgehalten werden sollen, jedoch wegen der 
Trauer um imsern vielgeliebten Kaiser Friedrich 
habe verschoben werden müssen, gedachte der 
früheren Vorstandsmitglieder, von denen leider 
manches schon dahingeschieden, und des Wachsens 
der Mitgliederzahl, und schloß mit dem Wunsche, 
daß auch die diesjährige Jahresversammlung 
gleich den bisherigen nutzbringend für den Ver 
ein sein möge. 
Hierauf begrüßte Herr Bürgermeister Braun 
von Hersfeld im Namen der Stadt die Ver 
sammlung, in warm empfundenen Worten die 
Hoffnung aussprechend, daß man die Wahl von 
Hersfeld gewiß nicht zu bereuen haben werde, 
da dessen Vorgeschichte ein großes und allge 
meines Interesse darbiete, und man es sich da 
selbst wohl sein lassen möge. 
Herr Major v. Stamford dankte Namens 
des Vereins für die freundliche Bewillkommnung 
und gedachte zweier in diesem Jahre dem Ver-
        

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