Full text: Hessenland (2.1888)

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so unßer Groeß-Vatter von Ihrer Fürstlichen 
Genaden, Herrn Landtgraff Philipsen mit der 
bethewerung entpfangen: „Hanß-Cordtell, das 
soll Dir undt den Deinen nimmer vergehen, 
sondern wohl vergoltten werdten bis inß dritte 
undt vierdte gliedt" hatt Ihre Fürstliche Genaden 
die Händte gen Himmel gehaben undt gar be 
weglichen geseuffzett, alßdann aber nutzerer 
Muetter sehlicher, so für Ihre Fürstliche Gnaden 
uff die knye gefallen, genediglichen uffgehaben 
undt gantz lautt gerueffen: „ja, So wahr Unß 
Gott helffe, das soll noch geschehn undt Wir 
wollen Euch das noch vergeltten, die Lehenguetter 
ewerer vorfahren seyndt zwar nun anderst vorgeben, 
aber Wir wollen nit minder für euch sorgen. Undt 
haben Ihrem domahlen beysichhabenten Rath also- 
gleich bevohlen, daß er zusehen sollte, darmit wir 
kindter mit andteren guettern schadtloß gehallten 
würdten undt Landtgraff Philippsen wortt undt 
zusage erlich gelößet undt erfüllet werdten möchtt. 
Genediger Fürst undt Herre. Ewre Fürstliche 
Genaden seyndt dazumahlen auch an Ihrer Fürst 
lichen Genaden Frawen Muetter handt zuegegen 
gewest! Ihre Fürstlichen Genaden waren dazu 
Malen noch gar ein jung Herrlein undt waren 
E. F. G. Hoeffmeister Jacob vom Hoff undt 
auch M. Elias Coriarius gleychermaßen darbey. 
Mir dencket es noch gar wol, wie Ewer Fürst 
liche Genaden yensmalen das rincklein von I. 
F. G. Frawen Muetter zue beschawen begeret 
und danach gar auffmerksamb betrachtett, doruff 
es die genedige Frawe Muetter an ihren Finger 
gesteckett undt lächelndte zu meyner Muetter ge- 
saget: „Wir laßen Landtgraff Philippßen 
phandt erlich ein undt sollet ihr deßen wol ge- 
dencken." Worauff Ihre Fürstliche Gnaden sie 
noch wol beschenckett und unß gnediglich valct gesaget. 
Genediger Fürst undt Herre! Das seyndt wol 
fast nutzn dryeßig Jahr Vorgängen undt ob wir 
bestendig deß verhoffens gewest, es würdte unß 
noch werdten, das unß damahlen undt auch 
nacher vorschiedentlich ernewerte Fürstliche Ver 
sprechen vorhießen , so hatt dennoch die Volge 
gezeigett, daß es immer wiederum in vorgeßen- 
heydt gerathen. E. F. G. Frawen Mutter seyndt 
unterdeß inn dieffer langen zeitt seligen abge 
schieden, ohne daß Sie es erlebett hatte, uns 
Ihres Fürstlichen wortts zue vergnügen, alßo, 
daß wol nit zue verwundtern, wann wir gentz- 
lich auß dem gedechtnuße kehmen undt unßere 
Hoffnung allgemach gantz ersterben thette. Deme 
ohnerachtt kunnen undt mügen wir nitt daran 
verzweifflen. Ewerer Fürstlichen Genaden Groß- 
muett undt magnifizentz ist so Vilm zue stabten 
kohmen, wellche es wol nit in allewege alßo 
umb Dero Hochfürstliches Hauß verdienet, daß 
es fast ohnmüglich zue glauben, es sollte die- 
selbige alleine unß armen Kindtern endthaltten 
pleiben, die wir doch ehn sonderliches Fürstliches 
wortt und außtrücklichs vorsprechen doruff er- 
langett undt entphangen haben. Und wann 
dann newerdingß, wie wir vernohmen, eyne er- 
leddigung vorschidentlicher Guetter undt stucken, 
so unsern vorfahrn zue Lehen gestandten undt 
von ihnen vil Hundertt jähr allßo inngehabt 
worden seyndt, zue gewartten stehett, alß undter- 
windten wir unß, mit disser underdhenigen 
Supplik nochmahlen gantz flehentlichen zue Pillen, 
Dero Fürstlichen Borsprechens und getaner ge- 
nedhiger zusag in Genaden zue gedencken undt 
zu bevehlen, daß unß diesse altte Lehen unßeres 
geschlechtts nit wiedder endtzohen, sundern wied- 
derumb gereichett werdten, wannen sie heimfallen 
oder fünft erleddiget werdten. u. s. w. u. s. w. 
In der hierüber vonLandgrafWilhelm „gethanen 
Verordnunge an seine rethe in Caßell" heißt es: 
pp. Wannen es unß nun fast verdrießlich fettet, 
daß Wir mit sollchen fachen in Unßerer schwach- 
heidt belestigett werden, do Wir kaumb erst 
ahngefangen habenn, unß Unßeres gebrestes 
halben des Sawerbronns allhiero zue gebrauchen, 
Wir aber dennoch Unßerer lengst gethanen Zue- 
sag unß erinnern undt nicht gerne sehen, daß 
obgemelter (der Diertelsmeister Hanß Geörg Heß 
v. Wichdorff) Unß fürterhin noch ferner darum 
guersliret, so bevehlen Wir, daß nunmehro 
ernstlichen darzu gethan wirbt ihn zu stillenn. 
Zwar ist unß nicht bewust, daß von denen 
afften^ Lehen seiner Vorelltern, so Unß bekandt, 
Etwaß leddig worbten undt heimfallen wehre, 
oder daß sichs darzu ahnließe. Undt können 
Wir nichts darfür, daß sie anderst vorliehen, 
sintemahlen sein vatter selbsten daran schuldt 
gewehßenn. Gleichwohlen ist unß bekandt, daß 
es I. F. G. Unßerem Herrn Vatter Seeligen, 
Landgraff Wilhelmen hinderher doch leydt gewest 
undt Ers gern geendert helle, do es noch ahn 
gangen wehre. Und do Unßere Frawe Muetter 
Seelige und Wir selbsten es eynmal versprochen, 
denen nachkohmen eyne Restitution zu gewehren, 
so wollen Wir, daß sie je ehender, desto lieber 
auch perfectuiret »erbte, pp. 
Wollet daher fleyßig nachsehen, welliche be- 
bewandtnüß es überhaupt mit derer Hessen alten 
lehnschafften von Ahnfang an biß dahero gehabtt 
undt wo etwan gelegenheitt wehre. Unßer Fürst 
lich wortt gegen ermeldten Virdtells-Meister undt 
die Seinen zue lößen und bevehlen Wir, daß 
Unß nach Unßerer glücklichen reäition nacher 
Caßell, welche Unß Gott der Allmechtige recht 
balde beschehren müge, besonderlicher Fürtrag in 
der fachen gethan werdte. 
Datum Wildungen, den 19ten Juny 1663. 
Wilhelm p. (Forts, folgt.)
        

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