Full text: Hessenland (2.1888)

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blichenen wird stets ein ehrenvolles, gesegnetes bleiben 
Sit tibi terra levis! 
— Am 29. Juli verschied im 61. Lebensjahre 
auf dem Familiensitze Stöckach in Unterfranken 
Ulrich Freiherr von Hutten z u in Stolzen 
berg, königl. bayerischer Kämmerer, Generalmajor 
a. D., Oberhofmeister a. D., Ritter vieler hohen 
Orden. Der Stammsitz der reich begüterten Familie 
von Hutten ist Roms that im Huttcnschen Grunde 
(Kreis Schlüchtern), und wegen ihrer Besitzungen in 
den ehemaligen Provinzen Fulda und Hanau gehört 
dieselbe der hessischen Ritterschaft an. Geboren 
wurde Ulrich von Hutten am 2. Dezember 1827 
auf dem Familiengute Steinbach in Unterfranken als 
ältester Sohn des Freiherrn Ferdinand von Hutten 
(f am 25. März 1851 in Würzburg), welcher in 
den 30er und 40er Jahren Mitglied der kurhessischen 
Ständekammer war. Ulrich von Hutten besuchte u. 
W. die Pagerie in München, studirte hiernach auf 
der Universität Würzburg, wo er Mitglied des Korps 
Moenania (Mainländer) war. Im Jahre 1848 
trat er in die bayerische reitende Artillerie ein, wurde 
rasch zum Lieutenant befördert und befand sich in 
den Reihen der bayerischen Exekutionstruppen, welche 
1850 Kurhessen besetzten. Wir müssen es ihm zum 
Ruhme nachsagen, daß er einer von den wenigen 
bayerischen Offizieren der damaligen Periode war, 
welche die Verhältnisse in Kurhessen klar durchschauten. 
Der jugendliche Offizier wußte sich vermöge seiner- 
persönlichen Liebenswürdigkeiten schon damals, unter- 
gewiß schwierigen Verhältnissen, in unserem Hessen 
lande die allgemeine Hochschätzung zu erwerben, die 
ihm in späteren Jahren noch in erhöhtem Grade zu 
Theil werden sollten. Den Krieg von 1866 machte 
Ulrich von Hutten als königl. bayerischer Hauptmann, 
den deutsch-französischen Krieg 1870/71 als Artillerie- 
major mit. Als solcher zeichnete er sich derart aus, 
daß ihm das eiserne Kreuz erster Klasse verliehen 
wurde. In den 70er Jahren war Ulrich v. Hutten 
Abgeordneter der hessischen Ritterschaft im Kommunal- 
Landtage für den Regierungsbezirk Kassel. Hier in 
unserer Vaterstadt Kassel erinnert man sich heute 
noch mit größtem Interesse der überaus sympathischen 
Erscheinung des liebenswürdigen Mannes und beklagt 
lebhaft sein frühes Hinscheiden. Ulrich von Hutten 
lebte schon seit langer Zeit in München, wo auch 
sein Regiment stand, und wo er noch vor wenigen 
Jahren Offizier der königlichen Leibtrabanten, der 
Hatschiere, war. Die feierliche Beerdigung des Dahin 
geschiedenen fand am 1. August unter großer Theil 
nahme zu Würzburg in der dortigen Familiengruft 
statt. Ehre «seinem Andenken und Friede seiner 
Asche. A. Z. 
Hessische Kücherschair. 
— Kürzlich ist dahier im Druck von Friedr. Scheel 
die Fe st predigt erschienen, welche Pfarrer H. F. 
Opper am 22. April d. I. „zur 150jährigen 
Jubelfeier der evangelisch-lutherischen 
Kirche zu Kassel" gehalten hat. In dieser 
Festpredigt ist die Geschichte der lutherischen Kirche und 
Gemeinde ausführlich behandelt, und ist das Schriftchen 
sonach auch in historischer Beziehung von Interesse. 
— In den nächsten Tagen wird von Karl Preser 
in Wächtersbach, dem hochgeschätzten Mitarbeiter un 
serer Zeitschrift, in der Hofbuchhandlung von E. Hühn 
dahier, ein größeres Epos „Ulrich von Hutten" 
erscheinen. Es läßt sich bei der poetischen Begabung 
des Verfassers, unseres hessischen Landsmannes, dem 
wir so viele treffliche Dichtungen verdanken, nicht 
anders erwarten, daß uns hier wieder eine gediegene 
dichterische Leistung geboten wird. Und dafür spricht 
auch schon der Inhalt der beiden ersten uns vor 
liegenden Aushängebogen. Der Dichter leitet sein 
Epos ein mit dem Verse: 
Wenn Gott sich ein streitbares Rüstzeug erkor. 
Zu heilen der Menschheit Wunden: 
Das bricht aus den tiefsten Tiefen hervor 
Und wär' es an Ketten gebunden. 
Das scheint denn auch der Grundgedanke zu sein, 
der sich gewissermaßen als rother Faden durch das 
Gedicht hinzieht. Daß das Gedicht auch zeitgemäß 
ist, wird wohl Niemand bezweifeln, leben wir doch in 
diesem Jahre 1888 gleichsam unter dem Gestirne „Ulrich 
von Hutten". Die Verlagsbuchhandlung wird es sich 
angelegen sein lassen, das etwa 127 2 Bogen umfassende 
Werk auf das Eleganteste auszustatten. Wir werden 
gleich nach dem Erscheinen auf dasselbe zurückkommen. 
— Die letzten Nummern der A. Gi ld'schen Monats 
schrift „Für Feierstunden" zeichnen sich, gleich den 
früheren, durch ihren lehrreichen, interessanten Inhalt 
auf das Vortheilhafteste aus. Wir verfehlen nicht, 
hier noch besonders zu bemerken, daß die Königliche 
Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen 
dahier, Anlaß genommen hat, diese Monatsschrift, 
welche dem Leser eine Geist und Gemüth bildende 
Unterhaltung liefern und als Familienblatt einen 
Ersatz für den Fortbildungsunterricht bieten soll, mit 
warmen Worten zu empfehlen. 
Krieskasten. 
A. H. Hünfeld. Vesten Dank, lieber Freund! Zusendung 
sehr willkommen. Freundlichsten Gruß. 
H. F. Schleusingen. Erzählung „Treu bis in den Tod" 
mußte für die nächste Nummer zurückgestellt werden. 
Fr. 8t. Kassel. Erhalten. Sagen unsern verbindlichsten 
Dank. Novelle wird in einer der nächsten Nummer begon 
nen werden. Hinsichtlich des Gedichtes Prüfung vorbehalten. 
I. K. Fulda. Gedicht „Ebersberg" wird in der nächsten 
Nummer zum Abdrucke gelangen. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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