Full text: Hessenland (2.1888)

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Das Buch Tobias metrisch übersetzt. 1847. 
An das deutsche Volk (Gedicht). 1848. 
Gedichte dem Vaterland gewidmet. 1848. 
Wider das Lügenbuch der Enthüllungen. Auf 
klärendes Sendschreiben an eine Landgemeinde. 1850. 
Kritische Zusammenstellung der innerhalb der 
evagelischen Kirche Deutschlands eingeführten neuen 
Perikopenkreise. 1850. 
Mittheilungen in Sachen des kirchlichen Streites 
in Oberhessen. 1858. 
Offenes Sendschreiben an die lutherische Geistlich 
keit des Konsistorialbezirls Marburg. 1858. 
Der Fortbestand des herkömmlichen Perikopenkreises 
vom geschichtlichen und praktisch theologischen Stand 
punkt aus beleuchtet. 1859. 
Fragmenta versionis sacrarum scripturarum 
latinae Antehieronymianae e codice manuscripto 
erutä. 1860. 
Carmina academica. 1866. 
Marburger Gesangbuch von 1549 mit verwandten 
Liederdrucken herausgegeben und historisch kritisch er 
läutert. 1862. 
Codex Fuldensis, Novum testamentum lat. 
interpr. Hieronymo ex ms. Victoris Capuani 
ed. 1868. 
Lieder aus großer Zeit. 1872. 2. Ausg. 1875. 
Die Schlacht im Teutoburger Walde. 1876. 
Fragmenta antiquissimae evangelii Lucani yer- 
sionis lat. 1874. 
Horae lyricae. 1874. 
Par palimsestorum Wirceburg. Antiquissimae 
vet. test. versionis lat. fragmenta. 1872. 
Rhythmica. 1881. 
Ehorgesänge zum Preis der hl. Elisabeth. 1884. — 
„Der Vip ist tobt“, das waren die Worte, 
welche am 5. August in Marburg von Mund zu 
Mund gingen. Obgleich man wußte, daß Professor 
Victor Plattier schon seit längerer Zeit an einer 
schweren Krankheit (Hydropsia) litt, und der 
Gedanke an eine Herstellung von derselben ausge 
schlossen war, so überraschte doch die Kunde von 
seinem Tode, und allgemein wurde sein Hin 
scheiden tief betrauert. War doch der „Vix" 
eine der bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten 
Marburgs, ein Marburger Kind, das mit Marburg 
vollständig verwachsen war, ein Original, wenn man 
will, und zwar von jener Art, in deren Tod man 
sich nicht leicht zurechtfinden kann. Professor 
Fr. Victor Platner wurde geboren am 3. Fe- 
brnar 1822 als Sohn des geistreichen Professors 
der Rechtswissenschaft Geheimen Hofraths Fr. Eduard 
Platner (gest. am 5. Juni 1860). Vix Platner 
besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte 
vom Herbst 1840 in Marburg und Heidelberg 
Rechtswissenschaft und wurde nach rühmlichst bestan 
denem rigorosum auf Grund seiner Dissertation 
„Fe quibusdam Constantini legibus (1845) zum 
Foctor iuris utriusque promovirt. Am 18. Februar 
1845 habilitirte er sich als Privatdocent in der 
juristischen Fakultät der alma Philippina. Am 15. 
Juli 1865 wurde Fr. Platner zum außerordentlichen 
Professor ernannt. Zu seinen Hauptfächern gehörten 
Handels-, Wechsel- und Seerecht; seine Vorlesungen 
über diese Zweige der Rechtswissenschaft waren stets 
von einem ansehnlichen Zuhörerkreise besucht. Auch 
hielt er in früheren Jahren in größeren Städten 
(auch hier in Kassel) über obige Rechtsmaterien 
öffentliche Vorlesungen, die beifälligst aufgenommen 
wurden. Professor Victor Platner war ein grund 
gelehrter Herr, aber er litt an einem Fehler, der 
häufig sich bei Männern von umfangreichem Wissen ein 
zustellen pflegt, an Zerstreutheit, die zu mancher 
lei komischen Vorkommnissen Anlaß gab, welche 
Freund Vix aber niemals aus seinem heiteren Gleich- 
muthe zu bringen vermochten. Daß ein Gelehrter 
wie Professor Platner auch als Schriftsteller thätig 
war, ist selbstverständlich. Von seinen Schriften hier 
nur einige: Ueber die Auferstehung des deutschen 
Reichs 1848; Ueber die historische Entwickelung des 
Systems und des Charakters des deutschen Rechts, 
vorzugsweise des Privatrechts, 1851; Die Bürgschaft, 
eine germanistische Abhandlung, 1857; Sachenrecht 
mit besonderer Rücksicht auf das frühere Kurfürsten 
thum Hessen, 1875; Erbrechtliche Bestimmungen, 
1882.— Von außerordentlich kräftigem Körperbau, ein 
Meister in allen körperlichen Uebungen, ein Freund 
der Natur, liebte Platner große und weite Spazier 
gänge, eine Promenade von Marburg nach Gießen 
und wieder zurück gehörte bei ihm nicht zu den Selten 
heiten. Als Marburger Student war er gleich seinem 
Zwillingsbruder, dem früh verstorbenen Fr. med. 
Moritz Platner, Mitglied des Korps Teutonia. Er 
war ein allzeit fertiger Schläger und forscher Paukant 
auf der Mensur. Offenenen, aufrichtigen, biederen 
Charakters, freundlich und wohlwollend gegen Jeder 
mann, ein treuer, stets zuverlässiger Freund, hat sich 
Professor Platner die Hochschätzung aller erworben, 
die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Und 
ganz besonders verdient noch seine Gastfreundschaft 
hervorgehoben zu werden, die er gegen Freunde und 
Bekannte in liebenswürdigster Weise auszuüben 
pflegte. Am 7. d. M. wurde die irdische Hülle des 
Verblichenen mit studentischen Ehren der Erde über 
geben. Pastor Bernhard sprach das Gebet, nach ihm 
ergriff Professor Fr. Westermann das Wort, um 
namens seiner Fakultätskollegen das Leben und Wirken 
des Verblichenen, welcher wie kaum ein anderer mit der 
Universität und Stadt Marburg verwachsen gewesen, 
zu schildern, mit warm empfundenen Worten von dem 
biederen, treuen, deutschen, und im persönlichen Ver 
kehr allzeit heiteren und gefälligen Manne Abschied 
zu nehmen und ihm ein letztes „Ruhe in Frieden* 
nachzurufen. Das Andenken an den edlen Ver
        

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