Volltext: Hessenland (2.1888)

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Verdacht der Mitthäterschaft auf ihn lenkte. 
Dazu kam noch, daß mau sich nicht erklären 
konnte, wie die Diebe in das Haus gekommen, 
da man Alles unversehrt vorfand und man vor 
schnell annahm, die geübte Hand eines Schlossers 
müsse auf die eine oder andere Weise mit im 
Spiel gewesen sein. Da nun auch die Wallach- 
sche Magd behauptete, in dem Menschen, der 
ihre Frau und sie mißhandelt hatte, ganz sicher 
den Schlosser Craß wiederzuerkennen, und auch 
Frau Wallach, von alle dem befangen, vermeinte, 
die schwarzen Schlosserhände des Meisters seien 
diejenigen, die sie so arg mit Faustschlägen traktirt 
hätten, wurde Craß gefänglich eingezogen. Man 
gab ihn wegen mangelnder Beweise nach einigen 
Wochen wieder frei (18. September 1808); aber 
der Verdacht blieb auf ihm lasten, man mied ihn 
und die Seinen, und Niemand wollte mehr in 
geschäftlicher Beziehung etwas von ihm wissen. 
Sv wäre das schließliche Loos der Familie Craß 
der Bettelstab gewesen, wäre seine völlige Unschuld 
durch die späteren Geständnisse der Räuber nicht 
sonnenklar an den Tag gekommen. — 
(Fortsetzung folgt.) 
Mas Schutt «nd Trümmer erzählen. 
Unter Schutt und Trümmern tief 
Manches liegt verborgen, 
Mancher, der da längst entschlief, 
Frei von Freud' und Sorgen. 
Asche wurden wohl und Staub 
Längst schon die Gebeine, 
Doch es nimmt des Todes Raub 
Immer nur dies Eine: 
Tief aus Schutt und Trümmern steigt 
Manches Lebens Kunde, 
Ob auch vieles sie verschweigt 
Bis zur großen Stunde. 
Eifernd dann die Nachwelt füllt 
An der Kunde Lücken, 
Doch es bleibet unenthüllt 
Vieles ihren Blicken. 
Ob es böse, ob cs gut 
Was er that hienieden 
Drüber wächst der Bücher Flut, 
Ward doch nicht entschieden. 
Da von oben laut ertönt 
Der Posaunen Schmettern, 
Erd' und Himmel dumpf erdröhnt 
Von gewaltigen Wettern: 
Wen in Schutt und Trümmern tief 
Tod auch hielt verborgen, 
Wer da jüngst und längst entschlief, 
Steigt zur Wahrheit Morgen. 
Jührer. 
Uet verzojt.) 
(Schwälmer Mundart.) 
Ondignäjcht ft hon mcr gebrocht 
I die Schier dos leßte Fürrer ft 
Ö dobei ins stell gedocht: 
Jnser Härrgött es in gürrer. 
Wosse läßt hä Johr ser Johr, 
Bos so ser ee Johr es nehrig, ft 
£) das ahle Wodd ft es wohr: 
„Net verzojt, Gött es noch dährig."ft 
„ Bann ööch mol de Doilncr kracht, 
Ö im Zickzack Bletze zocke, 
Morr ft nür net, düh liwwer sacht: 
Näßt de Rähng ft, die Sonn machts drucke. 
Gött, de Bläume botzt so schie 
Ö de Vehlerche ft schasst Klecrer, ft 
Läßt ins ööch net engergieh; 'ft 
Glööwe' ft sill dos doch ce jehrer. 
Kurt Mnyn. 
*) Nicht verzagt. ') vorgestern. -) Fuder. 3 ) nöthig. 
4) Wort. 5) thätig. 6) murre. 7 ) Negen. «) Vögelein. 
9) Kleider. 10 ) untergehen. *i) glauben. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Ein Stück französischer Kriegsführung. 
Bor Kurzem hat der Verein für hessische Geschichte 
und Landeskunde in der alten Stadt Hersseld seine 
Jahresversamntlung abgehalten und auch die als 
Trümmer noch großartigen Reste der dortigen Stifts 
kirche in Augenschein genommen. Die Frage liegt 
nahe, welches Ereigniß führte die Zerstörung dieses 
Baues herbei, der als der dritte auf dieser Stelle im 
Jahre 1144 eingeweiht worden. Der nachfolgende 
Bericht beantwortet sie: 
„Copia Berichts von dem Renthmeister Hartert 
zu Hersfeld dd. den 25. Febr. 1761. 
Ew. HochFürstl. Durchlt. habe hiermit unter-
        

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