Full text: Hessenland (2.1888)

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seiner Poesie gehören. Das eine „An dem Azis- 
born", einen im Eichholz, nahe dem jetzigen Bahn 
hof, hervorsprudelnden Bergquell, an dem er auf 
seinen Spaziergängen manchmal geruht, mit dessen 
Hellem Wasser er sich manchmal erquickt haben 
mag, das andere „Auf den Grabhügel seines 
Bruders Georg," der während seiner Abwesenheit 
in Gelnhausen im Hause des Rektor Cremer, 
dem er von dem Oheim zur Erziehung übergeben 
worden, gestorben war. 
Lottichs Studien waren vollendet. Der Jüng 
ling war zum Manne gereift. Und nun begann 
für ihn ein neuer Lebensabschnitt: die Zeit seiner 
Wanderungen, wo er als Führer und Lehrer einer 
Anzahl junger Leute edlen Geschlechts Frankreich 
und Italien, das Land, in welchem damals die 
klassischen und naturwissenschaftlichen Studien 
blühten, sah und, andere lehrend, seinen eigenen 
Gesichtskreis erweiterte und neue Kenntnisse 
sammelte. (Schluß folgt) 
^schichte der Muberbanöe des „allen Druckers". 
Von Ludwig Mohr. 
(Fortsetzung.) 
Einmal im Zuge ging es nun nach der Stein 
mühle au der Diemel, wo die Hausthür unter 
Feuerjo und Mordio mit einem Rennbaum ein 
gerannt wurde. Der Besitzer der Mühle, Strie- 
pecke, welcher mit seiner Ehefrau in der Stube 
gleicher Erde schlief, erwachte beim ersten Anrann 
und floh mit seiner Frau unbekleidet in den 
dritten Stock. Indessen erbrachen die Räuber 
durch Abklemrnung der Thürbekleidung die Thür 
zu der unteren Stube. Ehe sie jedoch eindrangen, 
gab Einer derselben einen Schuß nach dem Ehe 
bett ab, von dem man anderen Tages die Schuß 
löcher, die von grobem Rehhagel herrührten, in 
dem Bettvorhang, dem zurückgelassenen Rock der 
Müllerin und in der weißgetünchten Kalkwand 
hinter dem Ehebette vorfand. In dieser Stube 
raubten die Mordgesellen einen mit Silber be 
schlagenen Meerschaumkopf, ein paar silberne 
Schuhschnallen und eine Pistole. Dann stürmten 
sie in den zweiten Stock, feuerten jedoch, ehe sie 
unten die Stube verließen, noch einen Schuß ab 
nach der, dem Bette gegenüber befindlichen Wand, 
in welcher sich später eine Menge zerhacktes Blei 
vorfand. Im zweiten Stock öffneten sie mittelst 
eines, aus der unteren Stube mitgebrachten 
Schlüssels einen Schrank, erbrachen einen andern 
und eine Koinmode und raubten daraus: 3 Ka- 
rolin, 5 Louisd'or, 1 Dukaten, 40 Reichsthaler, 
9 silberne Eß- und 5 dergleichen Theelöffel nebst 
einer Partie Kleidungsstücke. Dann zogen sie 
davon. 
Die Striepecke'schen Eheleute befanden sich in 
dessen im dritten Stock in Todes-Aengsten. Das 
Rauschen des Mühlwassers, das tosend über die 
Mühlenräder stürzte, war so laut, daß sie nichts von 
dem Abzug des Gesindels gewahr wurden. Erst 
dann, als die Morgensonne durch die Fenster 
schien, wagten sie sich aus ihrem Versteck und 
schüchtern in die Mühle hinunter. Sie hatten 
also von der ganzen Bande auch nicht einen zu 
Gesicht bekommen. Erst später erinnerten sie 
sich, daß einige Wochen vor dem Raube ein 
Mensch auf der Mühle gewesen war, der auf 
Brandbriefe gebettelt hatte. Aus der später ein 
geleiteten Untersuchung ergab es sich, daß dieses 
der große Hann-Peter gewesen war. An dem 
Raube aber waren alle die betheiligt, die den 
Einbruch in Welda bei dem Pastor Rappe mit 
gemacht hatten. 
Die Bande nahm ihren Rückweg, au Stadt 
bergen vorüber, nach der Bredelarer Eisenhütte, 
wo sie von den Drucker'schen Töchtern und Anderen 
bereits erwartet wurde. Dort nahmen sie die 
Theilung des Raubes vor. Als dieses geschehen, 
entfernten sich die Frauenzimmer; auch Weiden 
baums Görg und sein Schwager Siepel verließen 
die Gesellschaft. Kaum waren sie außer Seh 
weite, da erschien der Rentmeister Baum von 
Bredelar mit einer Anzahl von Häschern, nahm 
die Uebrigen, sechs an der Zahl: den alten 
Drucker, den schwarzen Liborius, den großen 
Hann-Peter, Gilbert Eller, Lehser und Gäul- 
Afromche gefangen und lieferte sie an die Groß 
herzoglich Hessische Justizbehörde zu Arnsberg 
aus. Man fand bei ihnen eine große Partie 
aus dem Raube von Welda und der Steinmühle 
herrührender Gegenstände. 
Das Großherzogliche Hosgericht zu Arnsberg 
unterzog sich darauf der langwierigen und schwie 
rigen Prozedur gegen diese, alles Eigenthum und 
die menschliche Gesellschaft so sehr gefährdenden 
Menschen, die bis zum letzten Augenblicke leugneten. 
Fast 5 Jahre währte die Untersuchung, die, trotz 
des Leugnens der Räuber, zu ihrer Verurteilung
        

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