Full text: Hessenland (2.1888)

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lebendig machten, so haben Sie auch immer mit 
besonderer Vorliebe im Neuen das Alte, im Modernen 
das Antike erkennen gelehrt und sind den durch die 
Jahrhunderte gehenden Wirkungen der großen Geister 
mit treuer Liebe nachgegangen. 
In diesem Sinne haben Sie den Besten Ihrer 
Zeitgenossen diesseits und jenseits des Oceans zu 
einer lieferen Anschauung der geistigen Menschen- 
geschichte die Augen geöffnet und ihrem Leben einen 
reicheren Inhalt gegeben. So haben Sie Ihre 
Freunde Jahr aus Jahr ein mit köstlichen Spenden 
erfreut und eine große Reihe dankbarer Schüler zur 
Erkenntniß wahrer Kunst erhoben und begeistert. 
Gott erhalte Ihnen auch im siebenten Jahrzehnt 
die segensreiche Kraft des Geistes! — 
Aus Heimach und Fremde. 
Kassel, Am 6. Januar, dem Todestage 
des letzten K u rf ü rst e n F r i e d r ich W i lh e 1 m 
von Hessen, war, wie alljährlich seit seinem Hin 
scheiden, auch in diesem Jahre das Grabmal des 
selben auf dem alten Friedhofe reichlich mit Lorbeer 
kränzen und Schleifen in den hessischen Farben, roth 
und weiß, geschmückt. 
— Die Ko nsek r at ion des neugewählten Bischofs 
von Fulda, Joseph Wey land, wird unter 
Assistenz der Bischöfe von Mainz und Trier am 
25. d. M. durch den Erzbischof von Freiburg in der 
Domkirche zu Fulda vollzogen werden. Die alte 
Bvnifatiusstadt bereitet sich zu einem würdigen 
Empfange des neuen Oberhirten der Diöcese vor. 
— Ein hiesiger geschätzter Künstler, unser hessischer 
Landsmann Herr Louis Katzen st ein, ist seit ei 
niger Zeit mit einer Aufgabe beschäftigt, welche un 
zweifelhaft es verdient, daß berufene Kräfte sich ihr 
zuwenden. Herr Katzenstein beabsichtigt eine Reihe 
von Scenen aus der hessischen Geschichte 
darzustellen, welche dann durch die Photographie ver> 
vielfältigt werden sollen, um Freunden der Vergangen 
heit unseres Volksstammes zugänglich zu werden. 
Der Künstler ist durch die bei der Feier des 
50 jährigen Bestehens des Vereins für hessische Ge 
schichte und Landeskunde am 16. August 1884 ge 
stellten lebenden Bilder auf den jetzt aufgenommenen 
Gedanken geleitet worden. Jene Bilder brachten 
eine Reihe von Scenen oder Ereignissen aus Hessens 
Geschichte zur Anschauung und waren von Herrn 
Katzenstein gestellt worden. Derselbe gedenkt, die zu 
schaffende Bilderreihe dem Vereine für hessische Ge 
schichte zu widmen; wünschen wir dem patriotischen 
Unternehmen Erfolg. 
— Am 1. Januar d. I. feierte der Hof-Buch- und 
Kunsthändler T h e o d o r K a y in K a s s e l das fünf 
undzwanzigjährige Jubiläum als Inhaber der alt- 
renommirten I. E. Kriegerischen Buchhand 
lung, die 1730 als „Akademische Buchhandlung" 
in Marburg gegründet, im Jahre 1807 ein Zweig 
geschäft hier in Kassel errichtete, welches später der 
Buchhändler Kempf übernahm, und das 1863 na 
Theodor Kay überging. Letzterer verband mit rde 
ursprünglichen Sortiments-Buchhandlung ein Verlags 
geschäft, das außer auf wissenschaftliche und Päda 
gogische Schriften sich namentlich auch auf den Verlag 
von Kunstwerken erstreckte. In dieser Beziehung war 
Theodor Kay bemüht, die Sehenswürdigkeiten Kassels 
durch photographische Aufnahme und Vervielfältigung 
dem Publikum zugänglich zu machen, und heben wir 
hier ganz besonders die Herausgabe der Meisterwerke 
der weltberühmten Kasseler Gemäldegallerie in Photo 
graphien (eine Mappe von ca. 170 Bl. umfassend) 
hervor. — 
— Am 3. Januar starb zu Fulda nach kurzem 
Krankenlager im Alter von 61 Jahren der Buch 
händler Aloys Maier. Er war der Verleger der 
Volckmar'schen und H. Müller'schen Kompositionen, 
wie er denn überhaupt für Musik, namentlich für 
Kirchenmusik, einen regen Sinn und gutes Verständ 
niß hatte. Wenige Tage vor seinem Hinscheiden 
war ihm noch die ehrenvolle Genugthuung zu Theil ge 
worden, durch den Kardinalstaatssekretär Rampolla von 
dem Papste Leo XIII. ein Schreiben zu erhalten, in 
welchem ihm für das dem letzteren übersandte Pracht 
exemplar der in seinem Verlage erschienenen Papst- 
Festlieder von Dechant H. Müller, Dank und An 
erkennung ausgesprochen wurden. R. i. p. 
— Die Nummer 1 der bereits von uns angekündigten, 
von A. Gild herausgegebenen Zeitschrift „Für 
Feierstunden" ist soeben erschienen und zeichnet 
sich durch ihren ebenso lehrreichen wie unterhaltenden 
Inhalt auf das Vortheilhafteste aus. Wir lassen 
denselben hier folgen: Lienhard und Gertrud. Ein 
Buch für das Volk von Heinrich Pestalozzi. - 
Pestalozzi, der Verfasser von „Lienhard und Gertrud." 
— Wilhelm Tell. Schauspiel in fünf Aufzügen von 
Friedrich v. Schiller. — Friedrich von Schiller, der 
Dichter des „Wilhelm Tell". — Der Bruder Redner. 
Von G. H. v. Schubert. — Das Verfahren der 
Franzosen in Deutschland. Von Wirth. — Die 
Hessen. Von E^ M Arndt. — Der Mensch. Von 
Schubert. — Die Kunst, reich zu werden. Von 
Benjamin Franklin. — Freiheit, Gleichheit und 
Brüderlichkeit. — Die ansteckenden Kinderkrankheiten. 
— Was ist eine Pferdekraft? — Die Entstehung 
des Volksliedes „Droben stehet die Kapelle" von 
Uhland. — Zitate aus „Dreizehnlinden" von F. 
W. Weber. — 
Krieskasten. 
Vielen Mitarbeitern und Lesern von nah 
und fern. Die Redaktion des „Hessenlandes" dankt für 
die so zahlreich eingelaufenen freundlichen Glückwünsche an 
läßlich des Jahreswechsels. In Poesie und Prosa hat 
man uns alles Schöne und Gute gewünscht und es ge-
	        

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