Volltext: Hessenland (2.1888)

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freundte Harttmann v. Löwenstein, Hanß Görgen 
v. Budtler, Friederichen v. Herttingßhaußen 
undt Görgen von Schwalbach auf einen tagk zu 
Gudenspergk (den 22. Maji ^.nno 1612) auf 
einen Abschiebt verttragen. (Urk. i. St. Archiv 
zu Cassel.) *) 
Ist hernach Melchior Heß v. Wichdorff 
von Landtgraff Mauritio gen Hofs beschiedten 
worbten, deine er seine Kriegs-leuffte ertzehlen 
müssen, hat ihn der Landtgraff gar genedtig 
gehallten, gern umb sich gehabt, auch unter- 
schidtlich in geschefften verschicket undt ihme ein 
Ampt geben wollen. Hat aber der lehdtige 
Teuffell sein spiehl gehabt undt alles verdtorben. 
Undt ists darmit alßo zugangen: Landtgraff 
Mauritius hat damahlen in seinen zweytten 
Ehstandt gelebet mit Frauen Julianen, einer 
gebvhrenen Gräffin von Nassauen, so noch jungk 
undt gar wohllüstig geweßen undt da ihr Ehe- 
herre mehr nach denen sternen geschaltet, dannen 
nach Ihr, alß hat sie dafür mit andtern cares- 
siret. Jnsondterheit mit einen Hofs-Junckern, 
so der Eckersperger geheyßen, deme sie 
einstmahlen einen Kuß geben, welches der Hoff- 
Marechall Friederich v. Herttingßhaußen gesehen 
undt deme Landtgraffen verrathen haben sollen. 
Darumb der Eckersperger solchen vorn schloß 
zu Caßell auffgepaßet undt ihn mit seinen Rohr 
durch den lehb geschoßen, daß er des todts sein 
müssen. Worauff ihn Landtgraff Mauritius 
alßbaldt greiffen, den Proceß machen undt gar 
unmenschlich graußamb justificiren laßen, alßo, daß 
männiglich darob ein Abscheu gehabt.**) Ueber 
den Eckersberg'schen Prozeß bringt Landau (Hess. 
Ritterburgen II. 244 u. folg.) aktenmäßige Nach 
richten. Darumb der Landtgraff gar sehr verdacht 
worbten undt weylen Melchior Heß v. Wich 
dorff sich auch sollt haben verlautten laßen, 
er hätte solche justitz kaumb in der Türckey zu 
sehen bekommen, hat der Landtgraff ihn darob 
schellten wollen, Melchior aber sich solchs nit ge 
fallen laßen, deme Fürsten gar ernstlich inß 
gewißen geandtwortt undt von stundt an den 
Hoff quittiret, alßo in ungenaden abgetzogen 
undt nachhero gen Meentze sich gewendtet. All 
da er wohl auffgenommen worbten und hat ihn 
der Chur-Fürst ahnfengklich zu allerhandt Ver 
schickungen undt Geschefften gebrauchet, hernacher 
zu einem Hauptmann erstlich in Amehnenburgk, 
*) Ein Freund Melchior's, Hans von Luder hatte 
bei seiner Rückkehr in die Heimath nach langjähriger 
Abwesenheit in fremden Kriegsdiensten ein ähnliches aber 
noch härteres Schicksal. Er gelangte nie wieder in den 
Besitz seiner Güter, lvergl. Estor neue kleine Schriften 
I 578.) 
**) Ueber den Eckersberg'schen Prozeß bringt Landau 
(Hess. Ritterburgen II. 244 u. folg.) actenmäßige Nach 
richten. 
alßdann zu einem Ampt- undt Haupimann in 
Naumburgk bestellet, allwo sich Melchior mit 
Frauen Annen v. Boynenburgk, ge 
nannt Ho he st ein, einer noch jungen wittib, 
annoch in den heyligen Ehstandt begeben. Dar 
nach er sich aufs das Eychsfeldt begeben, allda 
eine beßere Militzverfassung ahnzurichten, auch 
die vestungen undt schlößer zu besehen undt 
wiedter in staubt zu setzen, worauff er nachero 
weiters nacher Fritzler undt letzlich wiedter nach 
Naumburgk verordtnet worbten. 
Mittlerweyll ist der große 30jährige Krieg 
ahngangen undt alß das Hessenlandt auch in 
gefahr kommen, hat Landtgraff Mauritius An- 
staldt getroffen, sich dargegen zu wehren, dahero 
seine Vasallen auffgebotten undt darbet auch 
Melchiorn Heß v. Wichdorff mit zu solcher 
Lehnsvolge gemahnet. Darbey ist dannen 
Melchior gar sehr in die Klemmen kommen, die- 
weylen er alß ein Ehrlicher Edtelmann seinen 
Herren, den Chur-Fürsten, so ihme Ampt und 
Brodt geben, da er zu Caßel in ungenadten 
gefallen, in der Zeitt der Noth nit schündtlich 
verlaßen dürffen. Hat dahero dem Landtgraffen 
solches fürgestellet undt gar hoch gebetten, daß 
er ihme ettliche Frist gönnet, sich in Meentze 
mit Ehren loß zu scheelen, darmit auch der 
Landtgraff, ahnfengklich zufriedten geweßen. 
Indeß ist aber anno 1623 gegen den Herbsten 
der Marquis Spinola*) mit denen Kayßerl. 
trouppen ins Hessen-Landt gerucket, hat auch 
etlich Meentzisch Volck darbet gehabt undt in 
der gegendt° von Ahmehneburgk die hessische 
Landt-Militz attaquiret undt verdtrieben, worbey 
die Hessen untterschiedtliche vcrlohren. Obwohlen 
nun Melchior damahlen kranck zu Naumburgk 
gelegen, allwo auch eben seine Haußfrau eines 
Kindtleins geneßen, ist doch auß-spargiret 
worbten alß solle er alß ein Hauptmann bei 
denen Meentzischeu mit darbey geweßen sein. 
Worüber dannen der Landtgraff gar hefftig 
ertzürnt, Melchiorn feloniam fürgeworffen undt 
ihme seine mit-Belehnschafft in Hessen entzogen. 
Undt obwohlen Melchior gantz ohnzweyffelhafft 
*) Der Marquis Spinola wurde von ligistischer Seite 
zur Unterstützung der Kaiser!. Kriegs-Unternehmungen 
gegen den Kurfürsten Friedrich in der Unterpfalz aus 
den Niederlanden herbeigezogen und blieb nach Eroberung 
der Unterpfalz in der Gegend stehen, um gegen die Pro 
testanten , namentlich den Landgrafen von Hessen - Cassel 
verwendet zu werden. Mit diesem fanden Anfang 1621 
zu Bürgen Verhandlungen statt u. cs kam das. am 26. 
März zu einem Abschiede. Dennoch rückte aus Anlaß 
der Streitigkeiten mit Waldeck und Darmstadt Spinola 
nebst Tylly 1623 gegen den Herbst in's Cassel'sche ein, 
brandschatzte den 4. Oktbr. 1623 die Gegend von Mar 
burg u. zog unter Verheerungen aller Art über Amöne 
burg u. Rothenburg nach dem Eichsfelde. (Teuthorn 1, 
IX 763—769).
        

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