Full text: Hessenland (2.1888)

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bey damahliger grosser Kälte sich ins Feld gelegt 
und fleissige Wacht gehalten." Am 20. Dezember- 
würde der Herzog aus seiner Berschanzung gelockt 
und nach einem hitzigen Kampfe, wobei ihm selbst 
das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, mit 
einem Verluste von 100 Mann an Todten zum 
Rückzüge nach Amöneburg und Neustadt genöthigt. 
Von hier erließ er einen zweiten Drohbrief vom 
28. Dezember an Alsfeld, worin er für den Fall, 
daß seine Befehle nicht befolgt würden, für den 
folgenden Tag blutige Rache in Aussicht stellte. Als 
der Herzog jedoch anrückte, stürzte sich ihm der 
Schottener und Ulrichsteiner Ausschuß unter Haupt 
mann Schmelz zwischen Kirtorf und Erbenhausen 
entgegen, tödtete mehrere der braunschweigischen Reiter 
und jagte die Anderen in die Flucht. Zu Beginn 
des neuen Jahres mußte der Herzog sich über Fritzlar 
und Naumburg nach Westphalen zurückziehen. (Außer 
Beziehung auf das Theatr. Europ. I und Rommel II, 
199 verweisen wir auf Mittendorff, Christ, von 
Braunschweig re. i. Arch. d. hist. Ver. f. Nieder 
sachsen, N. F.) Dr. A. M. 
Aus Aeimath und Fremde. 
Kassel. Es wird für die Leser unserer Zeit 
schrift von Interesse sein, zu erfahren, daß unseres 
hessischen Dichters Gustav Kastropp's Tragödie 
I u s s u f und Suleika, durchaus neu bearbeitet 
nach „Suleika", zur Aufführung im September d. I. 
am königl. Theater zu Hannover vorbereitet wird. In 
früherer Bearbeitung ist dieselbe am ungarischen 
National-Theater (in ungarischer Uebersetzung von 
Bartok), ferner unter Franz Treller's Regie in Riga, 
sowie auch in Oldenburg gegeben worden und hat 
eine sehr gute Aufnahme gefunden. 
— Seit Montag tagt in Hersfeld der Verein 
für hessische Geschichte und Landeskunde. 
Die auswärtigen Theilnehmer wurden bei ihrer 
Ankunft von dem Hersselder Comitemitgliedern auf 
das Freundlichste empfangen. Das Versammlungs 
lokal in den weiten Räumen des „Vereins" war festlich 
geschmückt. Nach der Sitzung des Vorstandes, am Mon 
tag, die mehrere Stunden währte, fand gesellige Ver 
einigung statt, die in gemüthlichster Weise verlief. 
Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde 
Marburg in Aussicht genommen. Eingehender Be 
richt folgt in der nächsten Nummer. 
Todesfall. Am 29. Juli starb zu Berchtesgaden 
in seinem 61. Lebensjahre unser hessischer Landsmann, 
der Berliner Polizeioberst August Herquet. 
Geboren ist derselbe 1828 zu Fulda als jüngster 
Sohn des Regierungsdirektors Lothar Herquet; er 
besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, trat dann 
als Avantageur in das kurhessiche Artillerieregiment, 
wurde 1848 zum Secondelieutenant ernannt und 
ging als Hauptmann nach der Annexion im Jahr 1866 
in preußische Dienste über. Zunächst Hauptmann und 
Batteriechef im schlesischen Feldartillerieregiment Nr. 6 
(Schweidnitz, bezw. Neisse), wurde er später zum Major 
im 2. hannoverschen Artillerieregiment Nr. 26 (Celle) und 
zum Abtheilungskommandeur in demselben befördert. Am 
15. April 1880 wurde er zum Polizeioberst und Komman 
deur der Schutzmannschaft in Berlin ernannt. Der Ver 
blichene, ein kenntnißreicher und strebsamer Offizier, der 
sich namentlich auch im deutsch-französischen Kriege von 
1870/71 ausgezeichnet hat, war ebenso wegen seiner 
trefflichen Charaktereigenschaften und seiner persönlichen 
Liebenswürdigkeit von seinen Kameraden hochgeschätzt, 
wie er bei der Mannschaft wegen seiner humanen 
und wohlwollenden Gesinnung in hohem Grade be 
liebt war. Friede seiner Asche. 
— Universitätsnachrichten. An der groß 
herzoglich-hessischen Landes-Universttät Gießen lehren 
in dem laufenden Sommersemester 55 Dozenten. 
Davon kommen auf die evangelisch-theologische 
Fakultät: 5 ordentliche Professoren und 1 Privat 
dozent; auf die juristische Fakultät: 5 ordent 
liche Professoren und 1 außerordentlicher Professor; 
auf die medizinische Fakultät: 8 ordentliche 
Professoren, 3 außerordentliche Professoren, 1 zweiter 
Lehrer der Thierheilkunde und 3 Privatdozenten; auf 
die philosophische Fakultät: 19 ordentliche 
Professoren, 5 außerordentliche Professoren und 4 
Privatdozenten. Als neue Universitätslehrer halten 
seit Beginn dieses Sommersemesters Vorlesungen: in 
der juristischen Fakultät der ordentliche Professor Dr. 
Heinrich Otto L e h m ann, in der philosophischen 
Fakultät der ordentliche Professor I)r. Eugen Netto, 
sowie die Privatdozenten Dr. Lothar Heffter (für 
Mathematik) und Dr. Julius Lang. — Außerdem 
wirken in Gießen noch 3 Lehrerder „freien Künste": 
1 Universitäts-Reitlehrer, 1 Universitäts-Musiklehrer 
und 1 Universitäts-Fecht- und Tanzlehrer. — Der 
ordentliche Professor der Rechtswissenschaft Dr. Konrad 
H e l l w i g (aus Zierenberg) hat einen Ruf an die Univer 
sität Erlangen erhalten. — Die Zahl der Studirenden 
an der Universität Gießen beträgt in diesem Sommer 
semester 546,von denen 104 der Theologie, 85 derRechts- 
wissenschaft, 85 der Medizin, 28 der Thierheilkunde, 4 der 
Zahnheilkunde, 33 den Kameralwissenschaften, 45 der 
Forstwissenschaft, 20 der Mathematik, 66 der Philo 
logie, 23 den Naturwissenschaften, 5 der Geschichte, 
18 der Pharmacie und 30 der Chemie sich widmen. 
19 Hospitanten besuchen außerdem die Vorlesungen, 
mit welchen sich dann die Gesammtzahl der Hörer 
auf 565 stellt. Nach der Staatsangehörigkeit ver 
theilen sich die Studirenden auf folgende Länder: 
Hessen 448, Preußen 61, Bayern 13, Braunschweig 
4, Sachsen und Baden je 3 u. s. w. Im vergleich 
zu dem vorigen Wintersemester hat der Besuch sich 
um 30 Studirende vermehrt.
        

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