Full text: Hessenland (2.1888)

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Aus alter und neuer Zeit. 
Der Bau der neuen Fuldabrücke im 
Jahre 1 788. In diesen Tagen sind es 100 
Jahre, daß Landgraf Wilhelm IX. den Bau der noch 
jetzt der Stadt zur Zierde gereichenden neuen Fulda 
brücke beschloß und deren alsbaldige Ausführung an 
ordnete. Das Bedürfniß einer solchen an Stelle 
der alten, deren Platz noch an deren zu Eisbrechern 
verwendeten Grundpfeilern erkennbar ist, war schon 
längere Zeit ein sehr fühlbares gewesen, da der Ver 
kehr nach und von der Stadt an dieser Stelle, wo 
drei Hauptlandstraßen, die Hannoversche, Leipziger 
und Nürnberger zusammentrafen, bei weitem der 
lebhafteste war, und der Eintritt in die Stadt durch 
die sehr enge Fuldagasse ans die Besucher der Stadt 
einen sehr wenig Vortheilhaften Eindruck machte. Die 
hier fortwährend vorkommenden Verkehrsstockungen 
halten noch am 9. Januar 1788 die Fürstliche 
Polizeikommission zum Erlaß folgender Verordnung 
veranlaßt. „Nachdem man mißfällig wahrnehmen 
müssen, daß die Wagen, so über die Fuldabrücke aus 
der Stadt hinaus oder hereinkommen wollen, sich 
in den dahitl führenden engen Straßen, besonders in 
der mittleren Fuldagasse, öfters begegnen und so in 
einander verfahren, daß sie ohne Schwierigkeit und 
großen Aufenthalt nicht wieder auseinandergebracht 
werden können, wodurch die Passage gehindert wird, 
Als sollen hinfüro, um diesem Ungemach abzuhelfen, 
alle Fuhren, so über die Fuldabrücke hereinkommen, 
durch die mittlere, diejenigen aber, die hinauswollen, 
durch die unterste Fuldagasse ihren Weg nehmen, 
welches hierdurch jedermann, dem es angeht, zur 
Nachricht und stracklichsten Nachachtung bekannt ge 
macht wird." Da aber diese Verordnung den Uebel 
stand nicht beseitigte, und die alte Brücke bereits so 
schadhaft geworden war, daß sie mit einem starken 
hölzernen Hängewerk hatte versehen werden müssen, 
beschloß Wilhelm IX die Erbauung einer neuen 
Brücke, welche einen breiten Eingang nach dem Alt 
städter Marktplatz gewähren sollte. 
Die dieser zu gebende Lage machte zunächst erfor 
derlich, daß außer einer Anzahl hier im Wege 
stehender Privathäuser, auch die auf dem Unter- 
neustädter Platz befindliche alte, bei ihrer Erbauung 
der heiligen Magdalena geweihte, und schon im Jahre 
1342 als vorhanden erwähnte Kirche zum Abbruch 
kommen mußte. In Folge gnädigster Resolution 
wurden die Häuser des Schreinermeisters Friese, der 
Wittwe Vogt und des Büchsenmachers Wunsky, so 
wie das den Erben des Kammersekretarii Dilling 
zustehende Haus niedergerissen und in dem auf den 
3. Juli bezw. 22. November 1788 anberaumten 
Termin die hieran befindlich gewesenen Baumaterialien 
meistbietend verkauft. Der Bau der neuen aus 3 
Bogen bestehenden Brücke wurde in einer Länge von 
275 und einer Breite von 42 Fuß unter Leitung 
Jussow's von dem Werkmeister Wolfs in vortreff 
licher Weise ausgeführt und nahm 7 Jahre in 
Anspruch. 
Das Erforderniß einer Brücke über die Fulda der 
Stadt gegenüber war schon im 13. Jahrhundert 
durch die bei Erweiterung der Stadt auf dem rechten 
Fuldaufer stattgefundenen Ansiedelungen hervorgetre 
ten, welche in dieser Zeit eine solche Bedeu 
tung erlangt hatten, daß sie bereits im Jahre 1293 
als neue Stadt (Neustadt) urkundlich erwähnt wer 
den. Während schon früher wohl eine hölzerne 
Brücke hier die Verbindung zwischen den beiden 
Stadttheilen hergestellt haben mag, war am Ende 
des 13. Jahrhunderts bereits eine auf steinernen 
Pfeilern ruhende und mit einem Dache versehene 
Brücke vorhanden, welche aber schon im Jahre 1346 
so schadhaft geworden war, daß Landgraf Heinrich 
der Eiserne die Erbauung einer neuen beschloß und 
zur Beschaffung der nöthigen Gelder einen Brücken 
zoll einführte, wie Piderit in seiner Geschichte Kassels 
anführt, wohl der erste Zoll dieser Art in Deutschland. 
Die im Jahre 1788 abgebrochene Brücke war 
im Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut und zur 
Zeit des dreißigjährigen Kriegs, wegen der Truppen 
durchzüge, durch Abreißen der überbauten Thore und 
der auf den Pfeilern stehenden Wohnungen erweitert 
und erheblich verbessert worden. A.-L. 
— Eine kleine Berichtigung. Von dem 
Verfasser des Artikels: „Eine Meldung in dem 
dreißigjährigen Kriege im Jahre 1621" (Nr. 13 
unserer Zeitschrift) ist uns folgende Berichtigung zu 
gegangen: Seite 204, Spalte 2, Zeile 40, muß es 
heißen: „In der Kälte der Nacht um 4 Uhr am 
15. November 1621", ferner Seite 205, Spalte I, 
Zeile 15: „Am 20. Dezember wurde dann der 
Herzog Christian von Braunschweig im Busecker 
Thäte von dem zu seiner Vertreibung abgesendeten 
Oberst Anholt geschlagen und zog sich später längs der 
waldeckisch-hessischen Grenze, an Fritzlar und Naum 
burg vorbei, bis nach Westphalen zurück." (S. Nehm, 
„Geschichte beider Hessen".) — 
Ueber den Verlauf des Kampfes selbst sind uns 
von einem Freunde unserer Zeitschrift folgende Einzel 
heiten mitgetheilt worden: 
Am 22. November nahm Herzog Christian von 
Braunschweig die Feste Amöneburg ein und alsbald 
danach auch Neustadt. Von hier aus verlangte er 
vom Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt in 
einem Drohbriefe vom 28. November freien Durchzug. 
Landgraf Ludwig aber rief seine Truppen ein und 
beschloß, Widerstand zu leisten. Zu seiner Unter 
stützung eilte Graf Anholt herbei. Herzog Christian 
stand bereits im Busecker Thal. Am 6. Dezember 
erließ er auch an die Städte Homberg a. d. O. und 
Alsfeld Drohbriefe. Zwischen Großen- und Alten- 
Buseck hatte er eine Wagenburg geschlagen „und
        

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