Full text: Hessenland (2.1888)

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die Dirn', weiß der liebe Gott, mit dem 
Rechten heim!" 
Der erste Besuch, den das Brautpaar machte, 
galt dem Kränterbast. Weil er ihren Herzen 
den rechten Weg gezeigt hatte, sollte er auch 
zuerst sehen, wie unaussprechlich glücklich sie ge 
worden waren. Dann gingen sie durch den stillen 
Grund dem Barthel entgegen und nahmen ihn 
mit sich auf den Jochenhof, wo am Abend die 
ganze Verwandtschaft des Brautpaares zusammen 
war, und auch allen Knechten, Mägden und 
Tagelöhnern ein großer Festschmaus gegeben wurde. 
Der Verspruch der steinreichen Erbin erregte 
im ganzen Kirchspiel großes Aufsehen. Berthold 
wurde im stillen viel beneidet, aber kein Mensch 
zuckte in Gegenwart anderer über die Wahl des 
Mädchens verächtlich die Achsel. Freilich besaß 
der Bräutigam kein Vermögen, allein er war ein 
ebenso braver als schöner Bursche und stammte 
aus einer Familie, die noch vor zehn Jahren zu 
den ersten weit und breit gehört hatte und auch 
zu den verstorbenen Eltern der Braut von jeher 
in den herzlichsten Beziehungen stand. Die Liebe 
machte also an dem Burschen nur wieder gut, 
was von bösen Menschen an ihm und seinen 
Eltern verbrochen worden war. Deshalb wurde 
dem Berthold sein Glück auch von vielen gegönnt, 
um so mehr, als er ja schon vor Jahren das 
Leben für seine Braut eingesetzt hatte und dessen 
stattliche Gestalt weit besser zu dem Mädchen 
paßte, als die aller ihrer zahlreichen anderen Freier. 
Ein paar Tage nach der Verlobung wurde der 
kranke Schimmel wieder besser, und wenige Wochen 
später war er bereits so gesund, daß er einen 
Wagen Klee aus dem Felde heimfahren konnte. 
Der Thierarzt that sich viel zu gut auf diese 
gelungene Kur, aber Hannes hatte seine eigenen 
Gedanken darüber. Freilich sprach er diese nur 
gelegentlich im Vertrauen aus, wenn es galt, 
den Ruhm des Kräuterbast und seiner wirksamen 
Zaubermittel weiter zu verbreiten. — — — 
Berthold und Marielies sind seit Jahren ein 
glückliches Ehepaar, das schon mit ein paar paus 
bäckigen Kleinen gesegnet ist. Hannes beaufsichtigt 
dieselben, weil er im Stall nicht mehr arbeiten 
soll und sich doch bis an sein Lebensende von dem 
Jochenhofe und seiner Herrschaft nicht mehr trennen 
mag. — Barthel hat sich für immer in Wilden 
born niedergelassen. Seit einem Jahre ist er 
mit der ältesten Enkelin vom Kräuterbast glücklich 
verheirathet. Dieser braut noch immer für Menschen 
und Vieh heilsame Tränklein, jedoch seit seine 
Enkel erwachsen sind und selbst arbeiten, geht er 
nicht mehr meilenweit, um ein paar Groschen 
zu verdienen. An jedem Sonntage bringt ihm 
die junge Frau aus dem Jochenhofe ein gutes 
Mittagessen. Kann sie es doch nie vergessen, 
daß Bast es gewesen ist, der ihr Herz mit kluger 
Art ans den rechten Weg führte. 
Marielies ist in ihrem Glück recht demüthig 
geworden. Wer es nicht weiß, wird sicher nie 
ahnen, daß das große Vermögen von ihr herstammt. 
Oft Sonntagabends, wenn es stille im Hofe 
ist, und die Kinder schon schlafen, dann sitzen die 
Gatten noch lange bei einander und reden von 
vergangenen Zeiten. Während sie dies thun, 
fliegt dann und wann ein dankbarer Blick auf 
ein vertrocknetes Vergißmeinnicht, das an der 
Wand unter Glas und Rahmen hängt und von 
den Ranken eines Epheustocks wie von einem 
grünen Kranze umschlossen ist. 
Alexander. 
Dem großen Alexander schrieb 
Einst Antipater: Hoher Herr! 
Olympias, die Mutter Dein, 
Treibt Politik und stört uns sehr! 
In Alles mischt die hohe Frau 
Die zarte Hand. Und sag' ich: „Nein!" 
So sagt sie ganz entschieden: „Ja" ! 
Sprich^ hoher Herr, ein Machtwort drein! 
Held Alexander las und schickt 
Dem Kläger den Bescheid nach Haus: 
„Nur eine Mutterthräne löscht 
Mir hundert Deiner Briefe aus!" 
HH. Kellner. 
Vielleicht! 
Vielleicht, dacht ich, und sah zum Abendsterne, 
Der zitternd über'm Horizonte stand, 
Vielleicht daß jetzt in weiter Heimathferne 
Auch sie den Blick ihm träumend zugewandt. 
Daß uns're armen Seelen, die hier unten 
So oft getrennt, so schmerzlich sich vermißt, 
Auf ihrem irren Lauf dort oben sich gefunden, 
Und leise, leise sich zum Gruß geküßt! 
Ricardo Jordan.
        

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