Volltext: Hessenland (2.1888)

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nen Freiheit von Steuern und Lasten auf die 
nicht zu seinem freiritterlichen Stammgut zu 
Wichdorff gehörigen Nebengüter, den Scheffer- 
schen, Schade'schen und Kyme'schen Hof das. 
actum 0a886l, Donnerstags nach a88umt Nariac 
1539 und von Wigand Lanze protocollirt. 
St. Arch. Conrad Heß v. Wichdorff, Amptmann 
zu den Gießen, überläßt dem Hospitalstifte 
Merxhausen vergleichsweise ein strittiges Ge 
hölz am Embßerberg gegen eine Abfindung von 
100 Gülden. Wichdorf uf Petri Vincula 1540. 
Darmst. Lehnsarchiv. Conrad Heß zn Wichdorff, 
Amtmann zu Gießen wird vom Landgraf 
Philipp mit 8V2 Gülden Manngeld aus dem 
Zoll zu Kirtorf und der Beede zu Gießen be 
lehnt. — 1542. 
Rommel IV. 281. Conrad H. v. W., Feldobrist 
im Land zu Oberhessen zieht unter Landgraf 
Philipp mit der oberländischen Miliz gegen Herzog 
Heinrich v. Braunschweig der in der Schlacht bei 
Calefeld geschlagen und gefangen wird. 1545. 
(Hiermit endet der erste Theil; mit dem zweiten 
werden wir in der nächsten Nummer unserer Zeit 
schrift beginnen.) 
eschlchte der Näuberbanöe des „alten Druckers" 
Von Ludwig Mohr. 
(Fortsetzung.) 
Nl die Art und Weise null kennen zu lernen, 
wie die Räuber bei ihrer Hanthierung zu 
Wege gingen, wählen wir die drei letzten, 
der Sprengung der Bande vorausgehenden Raub 
unternehmungen aus. 
Schmul, der Schwiegersohn des „Mentel Polack", 
hatte auf dem Jahrmarkt zu Wildungen den, mit 
Ellenwaaren handelnden Moses Levi aus Ge- 
münden an der Wohra gesprochen und ausge 
kundschaftet, welchen Weg derselbe auf seiner Nach 
hause-Reise einschlagen würde. Von Schmul be 
nachrichtigt, beschloß die Bande die Beraubung 
Levi's und gab als „bezinkten Emmes" die 
Ziegelhütte bei dem Kloster Haina an. Dort 
trafen sich: Der alte Drucker; Mentel Polack 
(der noch den Arm in der Binde trug, den ihm 
der mannhafte Müller auf der Reichshofmühle 
zu Vacha bei dem daselbst versuchten Raube mit 
einem Ochsenjoch entzwei geschlagen hatte); der 
schwarze Liborius; Leyser; Weidenbaums-Görg; 
oer große Hann-Peter; der rothe Konrad; Gäul- 
Afromche; der rothe Gottlieb; Joseph Markus 
und der Sohn des alten Scheu. 
Als man vollzählig war, ging es dem Dorfe 
Löhlbach zu, bis man im Walde dem Wagen 
begegnete. Die Bande ging an demselben vorüber 
und theilte sich, als sie ihn im Rücken hatte. 
Die vier zuerst Genannten blieben als Wache, 
um Jedermann, der des Wegs von Löhlbach käme, 
fest zu halten; die Andern aber machten Kehrt 
und suchten den Wagen wieder zu überholen. 
Es war das in dem Walde zwischen Haina und 
Löhlbach, in dem sogenannten „tiefem Loch." Sie 
hätten jedoch die Eile nicht nöthig gehabt; denn 
der Handelsmann, der mit seiner Ehehälfte, nichts 
Schlimmes ahnend, auf den Waaren-Kisten saß, 
vermißte in diesem Augenblicke seinen Stock, den 
er vor einer Weile noch zwischen den Knieen ge 
habt hatte und schickte den Fuhrmann (Tobias 
Berg von Gemünoen) zurück, denselben zu sucheu. 
Dieser war kaum einige Schritte gegangen, als 
er sich von den Räubern ergriffen und zurück zu 
dem Wagen geschleppt sah, wo im Nu der Handels 
mann und seine Frau von ihren Sitzen gerissen, 
geknebelt und mit dem Gesicht auf die Erde ge 
legt wurden. Ein gleiches Loos traf alsbald auch 
ihn. Dann schlugen die Räuber Kisten und Kasten 
auf, raubten eine Menge Kattun, dessen Werth 
der Beraubte später eidlich auf 2500 Thaler an 
gab und 5 bis 6 Karolin an baarem Gelde. 
Nachdem das Gesindel den Kattun in Säcke ge 
borgen, entfernte es sich, kehrte jedoch nach kurzer 
Zeit zurück, durchstöberte noch einmal Alles, warf 
den Fuhrmann in den ledigen Waarenkasten, die 
Eheleute auf den Wagen und führte denselben 
mit dem Bedeuten, daß für ein gut gemachtes 
Bett gesorgt werde, in das Walddickicht. Dort 
banden ihn die Räuber mit einer Kette an einen 
Baum und entfernten sich. Dem Fuhrmann ge 
lang es nach einiger Zeit, sich von seinen Fesseln 
frei zu machen und seine Schicksalsgenossen eben 
falls zu befreien. 
Durch diesen Raub wurde Moses Levi ruiniert 
und mußte dazu noch erleben, daß man ihn in 
den Verdacht nahm, die Geschichte von dem Raube 
erdichtet zu haben, uni damit einen betrügerischen 
Bankerott — als solchen bezeichnete man seinen, 
durch die Beraubung herbeigeführten Ruin — 
zu rechtfertigen. 
Die Räuber wendeten sich nach gelungenem
        

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