Full text: Hessenland (2.1888)

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womit so viele die Gunst der Großen zu erschleichen 
suchen, durch die Rechtlichkeit, Biederkeit und 
Anspruchslosigkeit seines Charakters sich auszeich 
nete, der frei von allem Stolz und Eigendünkel 
seinen eigenen Werth zu vergessen schien und durch 
sein leutseliges, bescheidenes und diensteifriges 
Betragen das allgemeine Zutrauen zu gewinnen 
wußte, das Andenken eines solchen Mannes ver 
dient vor Allem geehrt zu werden, wie es von 
seinem gnädigsten Fürsten, dem er bis auf den 
letzten Augenblick treu ergeben war, auch jetzt 
durch die von ihm selbst veranstaltete Todesfeier 
auf eine so ausgezeichnete Art gewürdigt worden 
ist". 
Hachlrag 
zu dem ersten Theil des Artikels: 
„Beiträge zur Geschichte des Städtchens Niedenstein und der Familie Heß von Wichdorff" 
Von L- W. Heß v. Wichöorss. 
(S. Nummer 12 d. Zeitschrift.) 
Anno 1542 „da Landtgraff Philippus zu 
einer Türckenhülff rüstet*), würbe anch Curth**) 
Heß von Wichdorff darzu, weilen dieß Bolck 
aber hernach nit darzu gebrauchet, hat er sich 
darmit in Kahßerl. Dienst gen Niedterlandt be 
geben, allwo sein Fehnlein untter deme jungen 
Reiffbergk blieben, er aber heym getzogen. 
Alß nun hernacher der Kayßer gegen Landtgraff 
Philippum unwillig wordten undt es sich all 
gemach zum Krieg gegen die Evangelischen schicken 
wollen, hat der Landtgraff Curthen gewarnet. 
Worauff selbiger nacher Niedterlandt geritten 
undt den Reiffberger beweget, der Hertzogin Mariä 
nit auffs neu zu schwehren, welches auch die 
Knechtt aus deme Hessenlandt nit gethan. Sindt 
*) Landgraf Philipp, welcher sich durch seine bis dahin 
glücklichen Kriege einen großen Feldherrnruhm er 
worben halte und welchen die Bolksstimme allge 
mein als den geeignetsten Heerführer gegen die 
Türken bezeichnete, war anfänglich Willens, den 
Feldzug selbst mitzumachen und traf dazu schon 
ernstliche Anstalten. Da aber auf dem Reichstage 
zu Speyer Joachim v. Brandenburg zum obersten 
Feldhauptmann erwählt wurde und Landgraf Phi 
lipp bei dessen bekannter Unfähigkeit den unglück 
lichen Ausgang voraussah, welchen der Krieg gegen 
die Türken nachher in der That nahm, so gab er 
den Gedanken an eine persönliche Theilnahme auf 
und entließ die schon geworbenen Knechte. 
**) Churdt defendirte anno 1515 die Vestung Stein 
gar tapffer, daß der v. Sickingen ohnverrichter 
fachen abziehen müssen, ward Landtgraff Philippi 
feldt-Obrist, schlug anno 1525 die auffrürischen 
bawren vor Fuldta, belägerte anno 1534 die 
wiedter-Teuffer in Münster, dienete nachgehends 
dem Kayßer in Niedter-Landt, war ein schultheiß 
in Marpurg und ist daselbst auch nachero gestorben, 
nachdeme er, weilen ihm von Oarolo quinto die 
soldt-geldter für seine fehnlein vorendhaldten wor 
den, in viel schuldten und Ungemach gerathen." 
Vergl. Wynkelmann Diplomat, pag. 10, Rom 
mel III. I. Abth. 249, Teuthorn VIII. 9, 
Rommel VI. 180. 
mit Curthen nach Hauß getzogen. Alß sie aber 
nacher Frankfurth kommen, hat sich befundten, 
daß die Wechßell-brieff, darmit man Curthen sein 
ruckstendtigen soldt in Brüchßell betzahlet, nit 
richttig geweßen, dannenhero er allda kein geldt 
darauf bekommen können undt weylen die Knecht 
auffrürisch wordten, ist Curth fast des lebcns 
nit sicher blieben und hat schier hautt undt haar 
verschreyben müßen, sie loß zu werdten. Ist 
damahlen ohnedem gar kranck geweßen, das 
Zipperlein gehabt und in der Senfften getragen 
werdten müssen. Woher er dannen in große 
schuldten gerathen. Dahero ihme denn Landt 
graff Philippus ein Moratorium ertheilet, daß 
er eines theilß güther mit Raht verkauffen undt 
betzahlen können. Hat darnach sein Ampt zu 
Gießen auffgeben, (Curt Hesse v. Wichdorff, 
„Amptmann zu den Gießen" vergl. Lanze 
Buch II Cap. 10, Verzeichniß der adlichen Stämme 
in Hessen) seinen Dienst in Marpurgk behaltten, 
mit seinen Widersachern, darunter ihn insondter- 
heit Hanß Brendtel Ao. 1549 bey Kayßer undt 
Reich verklaget, (St. Archiv z. Cassel, vergl. 
Akten: „Conrad's Clag-Schrifft wider Hans 
Brendeln betr.") viel Verdruß erlebet nndt letzlich 
auch verstorben anno 1559 zu Stanffenbergk alt 
70 Jahr tags nach Lichtmeß an schlag-fluß von 
der großen hitz, so in die stuben gemachet, alß 
er allda ein verhör gehallten. Seine Haußfrau 
Maria v. Stapeln starb vor ihme." 
cfr. zu Vorstehendem: 
St. Arch. Acten betr. Stadt Nyedenstein, Hoff 
Derer Heßen undt Wichdorff, Dorff derer Heßen, 
modo Treyß undt dessen Freyheit. Vol. IV. 
Nr. 2. 1538 Zeugenverhör vor fürstl. Statt 
halter und Räthen zu Cassel wegen der, Con 
rad Heßen v. Wichdorff, amptmann zu den 
Gießen von der Gemeinde Wichdorff bestritte
        

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