Full text: Hessenland (2.1888)

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als gefürchtet waren, und damals vielleicht eine 
ähnliche Rolle spielten als unsere Ulanen im 
Kriege 1870/71, und die Erzählungen der Rück 
kehrenden, wenn sie von dem schönen Frankreich, 
seinem lustigen Leben und der reichen Beute be 
richteten, mochten noch viele Jahre hindurch 
manchen hessischen Junker angelockt haben, dort 
hin auf Abenteuer zu ziehen und sein Glück zu 
versuchen. — So zog auch Georg von Dersch 
aus, nachdem er in einem Schreiben vom 20. 
Oct. 1575 von seinen Gutsnachbarn Heinrich 
und Reinhard von Dalwigk zu Lichtenfels in be 
wegter Weise Abschied genommen. Er schreibt: 
dieweilen es an deine, daz ich mich nunmehr ver 
mittelst göttlich hülff in Frankreich zu begeben 
willens, und wir dan alle sterblich, auch gewisseres 
nit alls den doit wissen vor uns haben und alle 
augenplick dessen gewartten müssen .... Georg 
von Dersch ist denn auch mit seinem ihn be 
gleitenden Schwager, Johann Huhn zu Ellers 
hausen, aus Frankreich nicht zurückgekehrt; er soll 
in Saarbrücken begraben sein. Sein Tod wird 
durch ein ebenfalls im von Dalwigk'schen Familien 
archiv zu Camps befindliches Aktenstück beglaubigt, 
worin eS heißt: „wurden drei altte erweltte 
menner vorgestellt, als nemplich Wilhelm Bock von 
Hertzhausen burtig itzo in Lewensteinischen gründe 
wonhafftig unb an die fünff- und- siebentzig jar 
alt, welcher dere zeit alff Georg von Derss 
seliger in Frankreich Todes verplieben, sein cutzger 
gewesen. — 
Veranlassung zu dieser Aufzeichnung gab eine 
vor zwei Jahren mit einem alten Freunde des 
Verfassers, dem nun leider verstorbenen Eduard 
von Goeddaeus, gehabte Unterredung, in welcher 
dieser die Hoffnung aussprach, es möchte ein 
hoher Herr sich bewogen finden, einige wichtige 
Begebenheiten der hessischen Geschichte malen zu 
lassen, und so kam denn anch das Abenteuer des 
Junker Vvlpert zur Sprache, das aber damals 
historisch noch nicht sicher festgestellt war. Es 
wäre sehr erfreulich, wenn dieser Wunsch des Ver 
storbenen sich erfüllen sollte, denn zweifellos würde 
der leidenschaftliche Vorgang, wie Vvlpert im 
Getümmel der Schlacht seinen Gefangenen von 
den andringenden Franzosen sich nicht nehmen 
lassen will, ein prächtiges Bild abgeben können. — 
Die Dersch'schcn Landgüter in Viermünden 
sind schon seit vielen Jahren im Besitz der land- 
gräflich hessischen Linie, und von den ehemaligen 
Rittersitzen sind nur geringe Reste übrig geblieben, 
doch die nächste Umgebung ist reich an Erinnerungen 
aus der romantischen Vorzeit. Von den benach 
barten Höhen blicken wir auf den alten Hessen 
stein und weiter zur Spitze der Kesebnrg, Alles 
verödete Stellen, die doch ihre nun verklungene 
Geschichte haben; nur das Edcrthal mit seinem 
rauschenden Fluß und den dunkeln Waldbergen 
prangt noch heute in ursprünglicher Schönheit. 
N. v. Z». 
- — 
Hessische Kaumeister?) 
von W. Kogge-Ludwig. 
III. Karl Steinhöfer. 
^Ä
    

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