Full text: Hessenland (2.1888)

227 
in welcher auf Seiten der Hugenotten der Ad 
miral Coligny und der Prinz von Conds, und 
auf der königlichen der berühmte Connetable äs 
Uontmorsney und der Herzog von Cniss be 
fehligten, weist die Eigenthümlichkeit auf, daß 
in ihr zwei der sich feindlich gegenüberstehenden 
Feldherren, nämlich Conds und der Connetable, 
gefangen wurden; jedenfalls ein Beweis, wie nahe 
sich die Anführer an dem persönlichen Kampfe 
betheiligten und auf den Leib rückten. — 
In einer ins Deutsche übersetzten Geschichte 
von Frankreich, verfaßt von dem Pater Daniel 
Gabriel vom Orden Jesu (Nürnberg bei Raspe 
1760), findet sich eine genaue Beschreibung der 
Schlacht und es wird erzählt, daß der Conne 
table Anne de Montmorency, durch einen 
Pistolenschuß im Gesicht verwundet, von dem 
Herrn von Buffi zum Gefangenen gemacht sei, 
aber vor den andringenden Reitern, welche ihm 
den Kopf hätten spalten wollen, kaum hätte ge 
rettet werden können. Hierzu macht nun der 
deutsche Uebersetzer folgende Anmerkung: „Es war 
weder der Herr von Buffi, noch, wie Herr von 
Thon meldet, Robert Stuart, der den Connetable 
gefangen nahm, sondern ein deutscher Kriegsbe 
fehlshaber Namens Bolpert von Dertzsch (es. Me- 
moires de Conde Band 4. Seite 332 ff.) — 
Aus den verschiedenen Wendungen, welche die 
Franzosen diesem Ereigniß zu geben suchten, 
worüber Einzelheiten zu erzählen hier überflüssig 
ist, geht deutlich hervor, daß sie die Ehre, den 
Connetable, einen Kriegshelden, den sie als einen 
zweiten Ritter Bahard verehrten, gefangen ge 
nommen zu haben, einem Deutschen nicht gönnten, 
sondern einem Franzosen zuwenden wollten. Sie 
suchten nämlich glauben zu machen, Dersch habe 
den bereits von Buffi gefangenen Connetable 
diesem wieder abjagen wollen, während wohl das 
Gegentheil versucht sein mochte. Allein drei in 
den Memoiren Condss sich findende Briefe, welche 
höchst wahrscheinlich heute noch in den französischen 
Archiven im Original vorhanden, da sie mit An 
gabe der Archivabtheilung und der Nummer be 
zeichnet find, lassen keinen Zweifel darüber, daß 
schließlich dem Junker Bolpert von Dersch die 
Gefangennahme des Connetable zuerkannt wurde. 
Der erste hierauf bezügliche Brief lautet etwa 
folgendermaßen: Wir Casxard von Coligny, Herr 
Von Chatilion sur Loing, Ritter des Ordens des 
Königs rc. Versprechen und verpflichten uns durch 
gegenwärtiges von unserer Hand unterzeichnetes 
und mit unserm Wappen untersiegeltes Schreiben, 
dem Bolpert von Dersch. einem deutschen Edelmanne 
von dem Fähnlein des Arnold von Auffel (jeden 
falls von Uffeln) die Summe von 2000 Thalern 
(ecutz) zu zahlen, auf Abschlag der Summe 
von 6000 Thaler, welche ihm zugesprochen wurde 
für die Gefangennahme und Rancionirung des 
Herrn Connetable, welche Summe von 2000 
Thaler wir ihm versprechen zu zahlen und ein 
zuhändigen an der Grenze des Reiches, bevor die 
Reiter sie überschreiten. 
Gegeben Orleans am 4. April 1563 vor Ostern. 
In einem zweiten Brief, datirt aus Monti- 
randel am 25 Mai 1563, beschwert sich Bolpert 
von Dersch bei dem Connetable darüber, daß das 
von ihm zu empfangende Lösegeld nicht anständig 
genug sei, indem er schreibt: Gnädiger Herr! 
In Folge dessen, was Ihr mir versprochen, als 
ich Euch am Tage der Schlacht zum Gefangenen 
machte, Euch mir gegenüber auszulösen als ein 
braver und tugendhafter Prinz und daher zu 
bewirken, daß ich von Euch völlig befriedigt sein 
sollte, so möchte ich Euch doch zu wissen thun, 
daß man mir nur 6000 Thaler versprochen, 
während Herr von Rochefort 9000 Thaler ge 
zahlt hat ohne das Silberzeug, der doch kein so 
großer Herr ist als Ihr. Ich bitte nun unter- 
thänigst, es möchte Euch gefallen, mir nicht 
weniger zukommen und die genannte Summe von 
9000 Thaler auszahlen zu lassen, mit dem Be 
trag für die Schuld von zwei Monaten her 
(Zinsen!). Ich will Euch auch nicht verhehlen, daß 
ich demjenigen, welcher Euch bewacht hat, als 
Belohnung eine goldene Kette habe geben müssen 
und auch andere Kosten gehabt habe, und bitte 
gütigst verzeihen zu wollen, daß ich mir die Frei 
heit genommen, Euch meine Meinung auszusprechen, 
bin auch zu jedem Gegendienst bereit, soweit es 
in meinen Kräften steht. — Indem ich, gnädigster 
Herr, Gott bitte, er möge Euch in Eurer Größe 
(granäsur), gutem Gedeihen und Gesundheit er 
halten, empfehle ich mich Eurer Gnade 
als Euer unterthänigster Diener 
Bolpert von Dersch. 
In einem dritten Briefe eines Jean Hier wird 
unter dem 8. Juni 1563 dem Connetable be 
richtet, daß er sich mit Bolpert von Dersch auf 
4000 Thaler geeinigt, und daß dieser durch Ver 
mittelung der Herren Bonnat und Georges An 
brecht, zugleich mit der Zahlung dessen, was man 
den Reitern schulde, durch einen Wechsel auf 
Frankfurt befriedigt werden solle. 
Befremdlich ist die Stelle eines Briefes von 
Conds an den Prinzen von Porcien, welche die 
Bitte enthält, man möge die Reiter veranlassen 
von ihrer Forderung abzulassen, daß ihnen die 
Städte Straßburg und Frankfurt als Kaution 
gegeben würden, für das, was man ihnen schuldig. 
Ueber weitere Schicksale des Bolpert von Dersch 
ist nichts bekannt; die Familie ist zu Anfang des 
vorigen Jahrhunderts ausgestorben. 
Aus Allem geht hervor, daß die Reiter in 
Frankreich als eine tüchtige Truppe ebenso geschätzt
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.