Full text: Hessenland (2.1888)

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knecht mit der Flasche kam und sie dem König 
reichte. Dieser nahm den Kork ab, warf ihn 
zur Erde, setzte die Flasche an die Lippen und 
that einen kräftigen Zug, dann reichte er sic dem 
Adjutanten, setzte aber gleichzeitig sein Pferd in 
Galopp. Der Adjutant nahm die Flasche — 
aber stand nun sein Pferd nicht, oder machte der 
Dienst es zur Pflicht, dem König unmittelbar zu 
folgen, er war noch nicht zum Trinken gekoinmen, 
als auch sein Pferd sich in Galopp setzte. Der 
Wein spritzte hoch auf — und König, Adjutant 
und Flasche verschwanden in einer Wolke von 
Staub. — 
Dem König mußte der Schluck Wein wohl 
gethan habe», denn er hat seiner noch in Kassel 
gedacht, und seinem Kellermeister Befehl gegeben, 
dem Maire zu Großalmerode für den ihm ge 
schickten Wein zu danken und aus dem königlichen 
Keller ein Gegengeschenk zugehen zu lassen. Nach 
einigen Tagen überbrachte ein Bote aus Kassel 
mündlich diese Bestellung des Kellermeisters an 
meinen Vater, nebst einem Korb mit Wein. 
Hatte nun der Kellermeister die Großmuth des 
Königs auf das ihm richtig scheinende Maß be 
schränken wollen, oder war der Bote bei dem 
heißen Wetter unterwegs sehr durstig geworden, 
in dem Korb waren nur zwei Flaschen Wein, 
die mein Vater mit pflichtschuldigem Dank ent 
gegennahm und die mit dem Trinkgeld, das er 
dem Boten für den Rückweg nach Kassel ein 
händigte, reichlich bezahlt waren. In der Stadt 
wurde erzählt, der König habe meinem Vater 
zweihundert Flaschen Champagner geschickt. Wir 
sagten, es sei nicht ganz so viel gewesen, wollten 
aber weder dem Könige, noch uns die Demüthi 
gung zufügen, die Wahrheit zu sagen. 
Später habe ich in Kassel und bei militärischen 
Uebungen den König noch öfter gesehen. Ich 
hätte wohl auch seinen Bruder, den Kaiser, sehen 
mögen; es ist aber nicht der Fall gewesen, da er 
nie in Kassel war. Sein Weg durch Deutschland 
ging immer über Erfurt nach Dresden. Aber 
ich erinnere mich lebhaft der Zeit, wo sein Name 
und sein Kriegsruhm die Welt erfüllten. Wenn 
die Zeitungen verkündeten, daß Napoleon durch 
Erfurt kommen werde, oder dort sei, reisten viele 
Leute meilenweit, um ihn zu sehen. Dies that 
auch ein armer Barbier, Namens Eifer, aus 
Helsa, einem Dorf in der Nähe meiner Vater 
stadt, und zwar sehr zum Vortheil seines Ge 
werbes. Denn so wie er nach Erfurt gewandert 
war, um den großen Kaiser zu sehen, so wander 
ten nun viele aus geringerer Entfernung nach 
Helsa, um den Barbier zu sehen, der den Kaiser 
gesehen hatte. Er erzählte mit Gewandtheit und 
Begeisterung, während er seiner Zuhörerschaft 
nach Alter und Bedarf den Bart abnahm, das 
Haar schnitt, Zähne ausbrach oder zur Ader ließ. 
«Fortsetzung folgt.) 
— c ' 
Jirgendtraiim. 
Dich an mein Herz zu schmiegen, 
Das allem Weh und Streit 
Des Daseins will erliegen, 
Bist Du heraufgestiegen, 
Traum meiner Jugendzeit! 
Der aus dem Heimattale 
Den Weg bis zu mir fand: 
Mein Haupt, das sorgenfale, 
Rührt tröstend eine schmale, 
Dornblüthenweiße Hand. 
Pont, 
Ge Gesongdheet. l ) 
(Schwälmer Mundart.) 
„Immer lostig ö fidel" 
Es meng Liedche; ö meng Schätzche 
Es die Schwäster vo de ©cl 2 ) 
’) Eine Gesundheit (beim Tanze ist es Sitte, daß die 
Burschen den Mädchen Gesundheiten spielen lassen, dazu 
singen und den Mädchen zutrinken.) 2 ) Gela. 
Öso brobber bie ee Kätzche, 
Schwenkt die Reck bei jehrem Schreit, 
Kemmt im Dahnz net üus demm Drett. 
Eij! meng Mäje, schie ö rot, 
Heeßt net Frieda örrer Liesel 
Sörrern Annleis. 8 ) Bolzegrod 
Get es, es kee Schörreschiesel, Z 
Ö mer es es tret gesonn, 
Weil mer zwee ins freie wonn. 
Bann die Kärmes es gewühst, 
Voll es Käller, Kammer, Bohre, 5 ) 
Mache mer ins schie dos Nähst, 
Ö zur Hößig wedd gelohre, 6 ) 
Ber so lostig es bie mer. 
Brost, meng Schatz, ich bräng es der! 
Kurt Muhn. 
3 ) Anna Elisabeth, h Schotenscheusal-Vozelscheuche. '') Keller, 
Kammer, Boden. °) Und zur Hochzeit wird geladen.
        

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