Full text: Hessenland (2.1888)

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iessm in bm Mugmottmkriegm, 
eine Episode aus der Schlacht bei Dreux 
am 19. Dezember 1562. 
j^aß die Hessen seit Aufhebung des Lehnsauf- 
'Wt gebots und seit der ersten Bildung geworbener 
Os Heere fast alle großen Schlachten in Europa 
und auch jenseits des Meeres in den drei letzten 
'Jahrhunderten mitgekämpft, ist eine bekannte 
' Thatsache, und die Zeitschrift. „Hessenland" hat 
uns über diese Verhältnisse oft interessante Mit 
theilungen gebracht. — Wir mochten hier über 
- die von den Hugenotten in Hessen geworbenen 
Truppen Einiges erzählen, da sich in den franzö 
sischen Geschichtswerken eingehende Berichte darüber 
vorsinden; namentlich sind die „Nemoires de 
Conde (ä la Haye chez Jean Neauhne 1743)" 
eine Fundgrube des reichhaltigsten Materials. 
Im Verlaufe der großen Reformationsbewegung 
trat den in Frankreich hart bedrängten Hugenotten 
der Gedanke nahe, bei den deutschen Glaubens 
brüdern Hülfe zu suchen, und da der Landgraf 
Philipp der Großmüthige von Hessen ihnen der 
rechte Mann zu sein schien, ihren Zwecken zu 
dienen, so schickte, nachdem aus Hessen günstiger 
Bescheid eingegangen war, der berühmte Admiral 
Gaspard de Coligny, als einer der Hauptführer 
der Sache, seinen Bruder Andelot de Coligny 
an den Landgrafen, welcher denn auch nicht allein 
die Erlaubniß zur Werbung von Truppen er 
theilte, sondern auch eine erhebliche Unterstützung 
an Geld spendete. Deutsche Soldtruppen standen, 
nachdem die Schweizer bei Pavia ihren alten 
Ruhm eingebüßt hatten, in besonderem Ansehen, 
und wenn auch in den vorhandenen französischen 
Korrespondenzen ihrer Tüchtigkeit, Tapferkeit und 
selbst ihrem schönen, kräftigen Aeußeren manches 
Lob ertheilt wird, so fehlt es doch nicht an bos 
haften Seitenhieben auf den deutschen Volks 
charakter. So schreibt ein französischer Gesandter 
aus Florenz: „Die Deutschen kämpfen für jeden, 
der sie bezahlt, ohne Rücksicht auf die Ursache des 
Streites," und ferner: „Es giebt fast keinen 
deutschen Prinzen, von welcher Religion er auch 
fein mag, der nicht dort diente, wo fast alle 
Prinzen seine Verwandte und Freunde sind; die 
Mehrzahl derselben haben in den letzten Kriegen 
gedient, und sie haben dabei so gut ihren Vor 
theil gefunden, daß die Hoffnung es ebenso zu 
machen, sie jetzt die Waffen zur Hand nehmen läßt." 
Die angeworbenen Schaaren sammelten sich 
unter Führung Andclots und des hessischen Kriegs 
obersten, von Rollshausen, der in den Akten „le 
Marechal de Hessen" genannt und als sehr 
„raisonnable" gerühmt wird, im Ganzen etwa 
3000 Reiter (von den Franzosen stets „les 
Reitres genannt) und ebensoviel Hakenschützen, 
am 15. August bei Wildungen und marschierten 
von dort nach Orleans, wo die Hugenotten ihr 
Hauptquartier hatten. In Orleans ging nach 
„Rommel's Geschichte von Hessen" ein Graf von 
Waldeck zu ihnen über, es waren aber wahr 
scheinlich (nach Steinmetz Geschichte Waldeck's) 
zwei Grafen von Waldeck, die Brüder Daniel 
und Heinrich, welche sich von dem Ocmnetable 
Anne de Montmorency, in Verkennung der 
Verhältnisse, für den jungen König Karl IX. hatten 
anwerben lassen. Wir machen hier wieder die traurige 
Erfahrung, wie Deutsche gegen Deutsche kämpften. 
Unter den aus Hessen geworbenen Reitern be 
fand sich nun auch Volpert von Der sch, ein 
jüngerer Sohn der in Viermünden bei Franken 
berg ansässigen Familie von Dersch, welche die 
Hälfte des Gerichtes Viermünden besaß, und die 
mit der Familie von Viermünden, welcher die 
andere Hälfte gehörte, in steter Feindschaft lebte, 
welche oft in Streit und Gewaltthätigkeiten aus 
artete, ja sogar zum Morde führte. Es wird uns 
berichtet, daß Johann von Dersch im Jahre 1654 
den Johann von Viermünden in der Nähe von 
Schreufa bei Frankenberg erschlug. 
Der junge Volpert von Dersch muß ein tapferer 
Kriegsmann gewesen sein, denn was wir von 
seinem Antheil an der Schlacht bei Dreux, welche 
trotz der glänzenden Reiterangriffe der Hessen 
unter Otto von der Malsbnrg für die Hugenotten 
verloren ging, nach authentischen Berichten hören 
werden, ist aller Ehren werth. — Diese Schlacht,
        

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