Full text: Hessenland (2.1888)

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Heilquellen erworben hatte, gelang es dessen umsich 
tiger Leitung und dessen unermüdlicher Ausdauer im 
Jahre 1838 die Bonifatiusquelle kunstmäßig und 
vollkommen rein zu fassen. Am 2. Juli des ge 
nannten Jahres konnten die ersten Bäder daselbst 
verabreicht werden. Im Jahre 1860 verkaufte Dr. 
Martiny das von ihm gegründete Bad an den kurhes 
sischen Staat und wirkte noch bis zum Ende des Jahres 
1875 an dem Bade als dessen Leiter und als Badearzt, 
auch nachdem dasselbe bereits in den Besitz einer 
Aktiengesellschaft übergegangen war. Dr. Martiny 
hat sich die wesentlichsten Verdienste um das Bad 
Salzschlirf erworben. Ein Menschenleben lang hat 
er seine Kräfte dem Dienste der Kranken und Lei 
denden gewidmet, die dort Rettung oder Linderung 
suchten, das Bad verdankt ihm seine Wiedererstehung, 
seine Blüthe, kurz alles, dessen es sich rühmen kann. 
Trotzdem sollte Undank der Lohn des uneigen 
nützigen, stets zur Hilfe bereiten, wohlwollenden 
und mildthätigen Mannes sein. Ränken aller Art 
war er in den letzten Jahren seiner Thätigkeit in 
Salzschlirf ausgesetzt, die ihn veranlaßten, sich einen 
andern Wirkungskreis zu suchen und nach dem Sool- 
bad Orb überzusiedeln. Dort befiel ihn jedoch 
bald ein schweres Leiden, das ihn nöthigte, zu den 
Seinen nach Salzschlirf zurückzukehren. Ungeachtet 
der sorgsamsten Pflege erlag er seinem Leiden am 
23. September 1876 in seinem 67. Lebensjahre. 
Seine Beerdigung fand am 26. September statt. 
Ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden aus Salz 
schlirf und der nächsten, wie weiteren Umgebung, von 
Großenlüder, Fulda, Hersfeld, Schlitz, Lauterbach, 
Alsfeld u. s. w. bewegte sich nach dem Friedhof, um 
dem allgemein beliebten Mann die letzte Ehre zu be 
zeigen. Der katholische Pfarrer Leo Schumann hielt 
seinem Freunde, dem Protestanten, eine ergreifende 
Grabrede, die mit den bezeichnenden Worten schloß: 
„Dem Bad gab er das Leben, das Bad gab ihm 
den Tod!" Das Andenken an den edlen Menschen 
freund Dr. Eduard Martiny, der nunmehr fast 12 
Jahre int Grabe ruht, wird bei allen, die ihn kannten, 
stets ein gesegnetes bleiben. Dr. Martiny ist mit 
dem Bade Salzschlirf auf das Innigste verwachsen. 
Wir konnten es uns daher nicht versagen, seiner bei 
dieser Gelegenheit ganz besonders zu gedenken. A. A. 
— Der „Staatsanzeiger" brachte kürzlich einen 
Bericht über die Thätigkeit der Geologischen Landes 
anstalt in der Provinz Hessen-Nassau während des 
Jahres 1887, dem wir folgende Mittheilungen ent 
nehmen: Im Regierungsbezirk Kassel setzte Professor 
Dr. Kaiser die Aufnahmen in der Gegend von 
Marburg fort und vollendete hier die größere Hälfte 
des Blattes Nieder-Weimar. — Bezirks-Geologe 
Dr. Beyschlag begann nach einigen Orientirungs- 
touren in der Umgegend von Kassel die Aufnahme 
des Blattes Wilhelmshöhe. Derselbe führte ferner 
die letzten Revisionen in den Blättern Melsungen 
und Altmorschen aus und stellte die von dem ver 
storbenen Landes-Geologen Dr. Moesta begonnene 
Aufnahme des Blattes Ludwigseck fertig. Professor 
Dr. Bücking führte die Aufnahme der Blätter Nens- 
warts, Kleinsassen und Hilders weiter. Berg-In 
genieur Frantzen nahm die nördliche Hälfte des 
Blattes Salmünster und im Anschluß daran Theile 
der Blätter Steinau, Birstein und Gelnhausen auf. 
— Im Interesse der Eisenbahnverwaltung wurden 
von demselben Untersuchungen zur Auffindung von 
zur Anlage von Steinbrüchen geeigneten Bausteinen 
für die Ausmauerung des Milseburg-Tunnels mit 
gutem Erfolge ausgeführt. Sie gaben zur Eröff 
nung eines großen Steinbruches im Enkrinitenkalk 
auf dem kleinen Ziegenkopf bei Kleinsassen Anlaß. 
— Professor Dr. Bücking führte unter Beihilfe des 
Dr. Linck eine Revision der Aufnahmen der Blätter 
Schmalkalden und Tambach aus. 
Hessische Dücherschau. 
König Elf's Lieder von Gustav Kastropp. 
Dritte Auflage. Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz 
& Comp. Unser hessische Landsmann Gustav 
Kastropp ist ein von Gott begnadeter Dichter. Mit 
König Elf's Liedern, jener zarten, tiefempfundenen 
Dichtung, führte er sich vor nunmehr 17 Jahren als 
Dichter ein. Es folgten das Drama „Suleika", das 
dramatische Märchen „Dornröschen" und die „Gnomen 
märchen". Durch seine großartigen Dichtungen 
„Kain" und „Heinrich von Ofterdingen" erwarb er 
sich den Ruf eines hervorragenden Poeten in Deutsch 
land, sein Name war bald in Aller Munde. Er hat 
mit seinen Dichtungen die Bahnen betreten, die von 
Victors Scheffel's „Trompeter von Sückingen" aus 
gehen, es ist die Form der poetischen Erzählung 
mit eingestreuten Liedern, ein Epos mit lyrischen 
Einlagen. In „König Elf's Liedern" beschreibt 
der Dichter eine nordische Sage, nach welcher 
Derjenige, der die Lieder des sagenumwobenen Königs 
Elf erlernt, im Meere seinen Tod findet, sobald er die 
letzte jener wunderbaren Weisen hat ertönen lassen. 
Mit dieser Sage verbindet der Dichter eine Liebes 
geschichte, von der auch der Vers Heine's gilt: 
Es ist eine alte Geschichte. 
Doch bleibt sie immer neu. 
Gefesselt durch die anziehende Schilderung, die wunder 
bare Sprache, folgen wir dem Gange der Handlung 
und legen in hohem Grade befriedigt das Büchlein aus 
den Händen, nachdem wir es mit gesteigerter Auf 
merksamkeit durchlesen haben, um uns ja keine seiner 
Schönheiten entgehen zu lassen. — Es dürfte von 
Interesse für die Leser unserer Zeitschrift sein, einiges 
Nähere auch aus dem äußeren Leben des Dichters 
zu erfahren. Wir folgen dabei einer früheren Mit-
	        

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