Full text: Hessenland (2.1888)

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Aus Heimath und Fremde. 
Kassel. (Aus dem Kunsthanse.) In letzter 
Zeit bekundet die ständige Ausstellung im Kunst 
hause wieder ein besonders reges Schaffen hiesiger 
Künstler. Da hat u. A. Johannes Kleinschmidt, 
dessen wir an dieser Stelle schon des Oefteren mit 
besonderer Auszeichnung Erwähnung thun konnten, 
nicht weniger als vier Porträts und daneben einen 
Studienkopf, ausgestellt. Alle diese Arbeiten gehören 
zu dem Besten, was wir von dem reichtalentirten 
Künstler bisher gesehen, einzelne sogar — wie das 
Porträt eines Herrn mit blondem Vollbart und 
das des königl. Schauspielers Herrn Jürgensen - 
zeigen eine bedeutend vorgerückte Meisterschaft gerade 
in dem Fach der Porträtmalerei. Jndividnalisirung, 
Zeichnung und Farbe sind gleich trefflich. — Als 
vielversprechendes koloristisches Talent stellt sich ein 
jugendlicher Eleve der hiesigen Kunst-Akademie, 
I. Fehrenberg, vor. Derselbe bringt eine stim 
mungsvolle in den glühendsten Farbentönen gehaltene 
Jdeallandschaft, deren Staffage darauf hindeutet, daß der 
Maler eine Darstellung des Paradieses geben wollte. Ist 
auch noch manches nicht tadellos, so bleibt doch 
die Wirkung eine gute. Bei rüstigem Fort 
schaffen und tüchtigem Studium der Natur wird 
Fehrenberg gewiß seinen Weg machen. — Ein an 
derer hiesiger Landschafter, Fritz Barth, sucht mit 
Vorliebe Motive in unserer näheren Umgebung auf. 
In dem hier ausgestellten Bilde hat er in anziehen 
der Weise ein Stück des „Ahnathals" wiedergegeben. 
Recht gut ist ihm vor Allem die Beleuchtung ge 
lungen. — Frl. A. Sch epp, die treffliche Stillleben- 
Malerin, ist mit einem Frühstück vertreten. 
W. W. 
— (G r i m m - D e n k m a l.) An Professor 
Hassenpflug dahier ist bekanntlich die ehrenvolle 
Einladung ergangen, sich an der Konkurrenz für den 
Entwurf des Grimm-Denkmals, das vor dem Rath- 
haus in Hanau aufgestellt werden soll, zu betheiligen. 
Er folgte dem um so lieber, als ihn selbst nahe ver 
wandtschaftliche Bande an die Familie des hessischen 
Dioskurenpaares knüpfen. Wir hatten nun neulich 
Gelegenheit, Hassenpflug's bereits fertig gestellten, in 
Gyps ausgeführten Entwurf zu sehen und empfingen 
von demselben den besten Eindruck. Der Künstler 
hat das Ganze als in Verbindung mit einem Brun 
nen gedacht, ausgeführt. Aus einem Bassin erhebt 
sich das Postament, welchem am Fuße aus mehreren 
Thierköpfen das Wasser entfließt. Auf dem Sockel 
erscheinen beide Brüder in aufrechter Haltung. Jakob, 
der in sich gekehrtere, ist mit einem Mantel um 
hüllt, in der einen Hand hält er die Feder, in der 
anderen eine Rolle. Wilhelm stützt sich mit dem 
rechten Arm auf den älteren Bruder, während er in 
der linken Hand ein Buch (das Märchenbuch) hält. 
Die ganze Art und Weise, wie Wilhelm Grimm 
hier aufgefaßt ist, charakterisirt den im Gegensatz zu 
Jakob mehr dem Leben Zugewandten. Das Posta 
ment ist von vier Figuren, bezw. Gruppen um 
geben, die Muse der Geschichte, Dornröschen (die 
Erweckung der Sprachforschung), Aschenbrödel (das 
Märchen) und die Märchen-Frau von Niederzwehren, 
von lauschenden Kindern umringt, darstellend So 
erscheint der Entwurf in seiner Gesammtheit als 
eine charakteristische und künstlerische Lösung der dem 
Meister gewordenen -Aufgabe. Ml. M. 
Universitätsn ach richten. Der außerordent 
liche Professor der orientalischen Sprachen, Licentiat 
der Theologie und Dr. phil. Konrad Keßler an 
der Universität Marburg, ist in gleicher Eigen 
schaft an die Universität Greifswald versetzt, an 
welcher er bereits seit längerer Zeit den beurlaubten 
ordentlicher Professor der orientalischen Sprachen 
Dr. Ahlwardt vertreten hat. — Der ordentliche 
Professor für mittlere und neuere Geschichte, Dr. Max 
Lenz zu Marburg ist in gleicher Eigenschaft an 
die Universität Breslau versetzt worden. 
Fünfzigjähriges Jubiläum des Bades 
Salzschlirf. Am 2. Juli waren fünfzig Jahre 
verflossen, seit Dr. Eduard Martiny die Heil 
quellen der Gemeinde Salzschlirf käuflich erwarb 
und dort Bäder einrichtete. Das Bad Salzschlirf wurde 
wegen seiner Heilkraft bald bekannt und namentlich 
von kurhessischen und hessen-darmstädtischen Beamten 
viel und gern besucht. Die von dem Badearzte, 
Sanitätsrath Dr. Ed. Martiny getroffenen Bade 
einrichtungen waren musterhaft. Die hauptsächlich 
benutzte Quelle ist der Bonifatius-Brunnen, ein jod--, 
brom- und lithionreicher salinischer Säuerling, die 
lithionreichste Quelle Deutschlands. In früheren 
Zeiten wurden die Mineralquellen Salzschlirfs zur 
Gewinnung von Kochsalz benutzt. In Folge falscher 
Behandlung der Quellen durch einen Berg- und 
Salzmeister aus Schwaben zur Zeit des Fürstbischofs 
von Fulda, Heinrich VIII. von Bibra (regierte von 
1759—1788), verloren dieselben an Gehalt und es 
mußten nun mit vielen Unkosten Gradirhäuser an 
gelegt werden, die sich aber auch nicht bewährten. Das 
Volk hohnneckte jenen „Schwabenstreich" durch folgen 
den Knittelvers: 
Die alte Sod ist nichts geachi, 
Die neue ist nichts nutz gemacht, 
Unser Herr ist um's Geld gebracht. 
Nachdem das Fürstenthum Fulda an Kurhessen ge 
fallen war, wurde (1816) die Saline Salzschlirf 
gänzlich eingelegt. Im Jahre 1836 unternahm es 
der Ende 1839 verstorbene Graf Friedrich Wilhelm 
von Schlitz, genannt von Görtz, die Salzschlirfer 
Heilquellen wieder dem Gebrauche zu erschließen. 
Mangelhafte Vorkehrungen vereitelten jedoch alle Ver 
suche und erst, nachdem Dr. Eduard Martiny die
        

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