Full text: Hessenland (2.1888)

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von Braunschweig, der Landgraf Karl von Hessen, 
der Prinz von Hohenlohe-Jngelfingen, der Prinz von 
Salm-Kyrburg, der Prinz von Sachjen-Koburg u. s. w. 
Zu den eifrigsten Freimaurern Kurhessens ge 
hörte bis an sein Lebensende deren Protektor Kurfürst 
Wilhelm I., sowie dessen Bruder Landgraf Karl. Der 
Sohn des Kurfürsten Wilhelm I., Kurfürst Wil 
helm II., war dagegen den Freimaurern nichts weniger 
als freundlich gesinnt; kurz nach seinem Regierungs 
antritte verfügte er die Schließung der Logen in 
Kurhessen (1822), wie man wissen will, aus Aerger 
darüber, daß ihm der Orden nicht das erwartete 
Entgegenkommen bezeigt und seiner Favoritin Emilie 
Ortlöpp, Gräfin Reichenbach, nicht diejenige Ehrer 
bietung bewiesen habe, welche dieselbe zu beanspruchen 
sich vermaß. 
Der Schütze Klaus. Freunde des Pittoresken 
und Romantischen, welche das Rhönbad Brückenau 
besuchen, sollten es nicht versäumen, einen kleinen 
Abstecher nach Dorf und Ruine Werberg bei 
Kothen zu machen. Auf dem Gipfel eines mehrere 
hundert Fuß hohen, fast senkrechten Basaltfelsens, 
gebildet aus 6 Zoll dünnen, nach Norden geneigten 
Säulen, erheben sich die Trümmer der einst der 
Familie von Küchenmeister gehörigen Burg Werberg. 
Nur ein einziger in den Spalten des Basalts sich 
aufwärts windender Pfad führt zu diesem Felsen 
neste. Trotzdem wurde es vom Grafen Hermann 
dem Streitbaren von Henneberg 135! durch List er 
stiegen, wenige Jahre darauf aber von dem kampflustigen 
Fürstabte Heinrich VII. von Kralucke (regierte von 1353 
bis 1372) dem Hochstifte Fulda wieder zurückerobert. Her 
mann von Henneberg, der diesen Verlust nicht verschmer 
zen konnte und dem Abte überhaupt feindlich gesinnt 
war, zog abermals vor Werberg und umschloß es 
von allen Seiten. Wieviel bei der damaligen Kriegs 
kunst ein einzelner Mann galt, davon liefert uns 
diese Belagerung ein treffendes Beispiel. Die 
Hutten vom Steckelberg waren Gauerben des 
Schlosses Werberg und Vasallen des Abtes. Sie 
hatten einen Knecht namens Klaus, der mit der 
Armbrust ein ausbündig guter Schütze war. Den 
vermochten sie, sich mit einem Sack voll Pfeilen auf 
dem Rücken in das Schloß zu schleichen, und von 
dort sandte er nun Schuß auf Schuß und keiner 
fehlte. Da erkannten die Belagerer, daß der weit 
berühmte Schütze Klaus auf dem Schlosse sein 
müßte, und da sie auch das Herannahen des Ful- 
daer Abtes Heinrich von Kralucke fürchteten, zogen 
sie ab. — (Vorstehende Notiz ist dem interessanten 
Schriftchen von Hänle und von Spruner über die 
Bäder Brückenau, Bocktet und Kissingen, Würzburg 
1844, entnommen.) A. Z. 
Ein Ukas des Kaisers Nikolaus vou 
Rußland. Der uns von einem Freunde unserer 
Zeitschrift mitgetheilte interesiante Ukas des Kaisers 
Nikolaus betrifft den Uebertritt des ehemaligen kur 
hessischen Garde du Corps-Lieutenants Freiherrn 
Alfred Otto Rabe von Pappenheim in russische 
Dienste, die Feldzüge, die er als russischer Offizier 
in dem türkischen Kriege (Bulgarien) 1829 und in 
dem polnischen Kriege 1831 mitgemacht, die Aus 
zeichnungen, welche er in Folge seiner Tapferkeit er 
halten, und seine auf eigenen Wunsch erfolgte Ent 
lassung aus dem russischen Dienste im Jahre 1836. 
Wir bemerken hier noch, daß Freiherr Alfred Otto 
Rabe von Pappenheirn-Stammen als zweiter Sohn 
des großherzoglich sachsen-weimarischen Kammerherrn, 
früheren Majors im kurhessischen Leibgarde-Regiment, 
Freiherrn Wilhelm Maximilian Rabe von Pappen 
heim, am 2. September 1806 zu Kassel geboren 
war, seine militärische Erziehung auf der Ritterakademie 
zu Neustadt bei Dresden von 1824 —1826 erhalten 
hatte und am 15. Juni 1826 zum Lieutenant in 
dem kurhessischen Garde du Corps-Regiment ernannt 
worden war. Ein Säbelduell mit dem damaligen 
kurhessischen Artillerielieutenant F. W K. Ed. von 
Haynau (nachmals Kriegsminister und Divisions 
Commandeur, si 24. Januar 1863), in welchem der 
letztere den Kürzeren zog, und die sich daran knüpfenden 
Folgen veranlaßten den Freiherrn Alfred von Pappen 
heim in russische Dienste zu treten. Dies voraus 
geschickt, lassen wir den Ukas selbst folgen: 
Laut Ukas 
Seiner Majestät des Kaisers 
Nikolai Pawlowitsch 
Selbstherrschers aller Reußen rc. rc. 
Der Inhaber dieses, Lieutenant Freiherr Alfred, 
Sohn des Wilhelm von Pappenheim ist, wie 
man aus seiner Dienstliste ersehen kann, 28 Jahre 
alt, Ausländer, ererbten oder erworbenen Grundbesitz 
hat weder er noch seine Eltern (nämlich nicht in 
Rußland). Gewesener Hessen -Kassel'scher Unter 
lieutenant, trat er am 30. März 1829 (nach 
russischem Kalender, nach deutschenl Kalender an: 
11. April 1829) als Körnet in das Husaren-Regi- 
ment „Prinz von Oranien". — Wurde am 16. Ja 
nuar 1834 (russ. Kal.) mit einem Patent vom I. Ja 
nuar zum Lieutenant befördert. Am 24. Dezember 
desselben Jahres wurde er zum Leib-Garde-Grenadier- 
Regiment zu Pferde durch Armeebefehl, Abtheilung 
des Garde-Corps, kommandirt. An Feldzügen, Ex 
peditionen rc. machte er mit: I) 1829 im 
Kriege gegen die Türken außer der Grenze in 
Bulgarien: den 6., 7., 8. Juni die Einnahme des 
Fleckens Dschumai; am 18. Juni Unterwerfung der 
Festung Silistria; 26. Juni erneute Eroberung des 
obengenannten Fleckens; den 27. Juni Rekognoscirung 
des Dorfes Dernkoi; den 14. August nächtliche Ex 
pedition zur Abfassung der türkischen Fouragierer:
        

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