Full text: Hessenland (2.1888)

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Schatzgräber *) und als Mengler in Albini's 
langbetitelter Posse **). Beide Leistungen wurden 
mit allgemeinem Beifall aufgenommen, weil das 
Publikum in ihnen ganz den alten Liebling 
wiederfand. Herr M. versteht es, wie vielleicht 
wenige Komiker, einen Charakter von einer 
Seite konsequent aufzufassen und dessen Lächer 
lichkeiten ohne alle Anstrengung, alles Haschen 
nach Effekt, alles unzulässige Hervordrängen zu 
entwickeln. Sein ganzes Bild ist ein rein komisches. 
Besonders aber gelingt ihm jener trockene Humor 
in Sprache und Aktion, welcher richtig behandelt 
seinen Eindruck nimmer verfehlt." Für Meaubert 
gastirte Rösicke vom Oldenburger Hoftheater und 
Räder aus Hamburg, dessen Humor noch jetzt 
in seinen Zauberpossen auf den deutschen Bühnen 
fortlebt. Beide werden als „recht bedeutende 
Erscheinungen" bezeichnet, bei Räder wird die 
sprudelnde komische Ader, die jugendliche Frische, 
bei Rösicke das tiefer angelegte und künstlich be 
rechnete Spiel in Erwägung gezogen. „Räder," 
heißt es. „zeichnet in kecken raschen Zügen und 
darum vielleicht ein wenig hart, Rösicke malt 
einzelne Momente, fällt aber dabei zuweilen in 
jene sogenannten Lazzis, welche eigentlich der 
feinen Komik fremd bleiben müssen. Beide stehen 
in dieser Hinsicht Herrn Meaubert wohl nach, 
während ihn HerrRäderan Kraft und übermüthigem 
Konius, und Herr Rösicke an schnellen, hin 
reißenden, hell lächerlichen Seiten theilweise über 
trifft." Schließlich wird noch Meaubert's allge 
meines, nicht auf ein besonderes Publikum ge 
gründetes und berechnetes Spiel hervorgehoben. 
Die beiden Gäste würden vielleicht auf einer 
süddeutschen Bühne nicht den rauschenden Beifall 
wie hier gefunden haben, Herr Meaubert da 
gegen sei überall einer minder lauten, aber gleich 
mäßigen Wirkung gewiß. Bei dieser Gelegenheit 
wird auch die Befähigung Birnbaum's und 
Ouanter's für fein komische Rollen in Frage 
gezogen, da es nicht ausgeschlossen erschien, daß 
die entstandene Lücke durch dieselben gedeckt 
werden könnte. Birnbaum wird, wie ja noch 
allgemein bekannt, als recht gut in grotesk 
komischen Rollen, polternden Alten und Buffos 
bezeichnet, doch dahin gestellt gelassen, ob er ein 
fein komisches Bild detaillirt ausmalen und ohne 
zu grelles Kolorit hinstellen könne. Bezüglich 
Ouanters aber wird der Wunsch ausgesprochen, 
daß derselbe sich nicht aus dem seinem Genius 
so eigenthümlichen Felde der Charakterrollen 
herausschlagen lassen sollte. Hierin leiste er 
Ausgezeichnetes, während bei einer dauernden 
Uebernahme scharf komischer Parthien leicht ein 
*) In der Mehul'schen Oper gleichen Namens. 
**) „Endlich hat er es doch gut gemacht". 
Verwischen und Beeinträchtigen beider Fächer 
znm Vorschein kommen dürfte. 
Auch in anderen Fächern traten zu der ge 
nannten Zeit Veränderungen ein. Mad. Chri- 
stianh *), die damalige Opernsoubrette, verließ 
nach kurzer Engagementsdauer das hiesige Theater 
und trat in den Verband der Hamburger Bühne. 
Herr Danielson, in jugendlichen Liebhaberrollen 
beschäftigt, ging nach Frankfurt a. M. Derselbe, 
ein geborener Kasselaner, ist gegenwärtig noch 
am Königlichen Theater in Hannover engagirt.*^) 
Von Föppel nahm man damals an, daß er vom 
Bariton in das Fach eines tiefen Bassisten über 
gehen werde, da Krug vom Magdeburger Theater, 
ebenfalls aus Kassel gebürtig, als „Figaro" im 
„Barbier von Sevilla", „Rocco" und „Johann" 
in „Zu ebener Erde und erster Stock", welche 
Posse damals Novität war, gastirte. Föppel 
selbst war im Laufe des Juli am Hof- und 
Nationaltheater in Mannheim fünfmal als Gast 
aufgetreten und zwar als „Don Juan", „Pi- 
zarro", „Bertram" in „Robert der Teufel" und 
zweimal als „Bois Guilbert". „Templer und 
Jüdin" war bei dieser Gelegenheit zum ersten 
Male in Mannheim gegeben worden und die 
zweite Vorstellung mit aufgehobenem Abonnement 
sogar zum Vortheil Föppels. Ein Berichterstatter 
der „Theater-Chronik" schreibt nach Beendigung 
des Krug'schen Gastspiels: „Herr Föppel weiß 
noch immer die Direktion recht artig in Schach 
zu halten, dieselbe ist noch nicht im Klaren, ob 
ein tiefer Baß oder ein Bariton zu engagiren 
ist —" wogegen ein anderer Referent seiner 
*) In betn von Herloßsohn birigirten Leipziger „Ko 
meten" erschien unter betn Pseudonym „Giaeomo Male- 
fitto" ein übelwollenber Bericht über diese Sängerin, 
tvelcher ihren Mann, ben Herzogt. Sächsischen Premier- 
Lieutenant a. D. Ebnarb Christiany, veranlaßte, bem 
Malefitto im Alvensleben'schen „Theaterfreund" einen 
offenen Brief zu schreiben, in welchem er ihn den „aller 
gemeinsten Lügner unb Vertäuender" nennt. Zum Beweis 
dafür brückt er eine Anzahl Reeensionen aus Doktor 
Töpfer's „Thalia", bem „Freischütz", ber „Urania" u. a. 
ab, in welchen Mab. Christiany, wenn auch nur bedingt, 
gelobt wirb. Sämmtliche Berichterstatter finden ihr Spiel 
unmuthig, ihren Gesang korrekt, bic Stimme scheint 
sympathisch, aber nicht ausgiebig gewesen zu sein, ba 
Töpfer z. B. schreibt: „Es liegt etwas Schmeichelnbes 
unb Wohlthuendes in ihrem Tone, unb ein Mangel an 
Kraft ist besser, als eine unschöne Stärke." 
**) Danielson hat am 11. März 1887 sein sechszig- 
jähriges Künstlerjubiläum begangen. Er spielte an diesem 
Tage den „Friebberg" in „Rosenmüller und Finke". 
Vom Kaiser erhielt er eine Ehrengabe von 1000 Mark. 
Heinrich Danielson war schon 1827 in Kassel engagirt 
gewesen, als er seine Bühnenlausbahn begann, 1882 findet 
man ihn in Bremen, 1834 in Detmold, dann, wie oben 
mitgetheilt, 1835—36 wieder in Kassel, nach seinem 
Frankfurter Engagement 1840—43 als ersten Liebhaber 
in Würzbnrg und Nürnberg, dann wieder in Bremen, 
1848—50 in Hamburg, seit 1859 am Hoftheater in 
Hannover.
	        

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