Full text: Hessenland (2.1888)

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Aerzte. Die Kapelle erstrahlte in Hellem Lichter 
glanze, der Sarg war mit den Prachtvollsten Krän 
zen über und über bedeckt. Tie Feier wurde mit 
Trauerchorälen, ausgeführt von Mitgliedern der 
Königlichen Oper, eröffnet und beschlossen. Die 
Trauerrede in der Kapelle hielt Geheimrach Prof. 
Or.-Ernst von Bergmann, der Schüler, Assistent, 
Nachfolger in der Professur und Schwiegersohn des 
Verstorbenen. 
— Am 19. Juni verschied zu Langenselbold 
nach längerem Leiden der Amtsgerichtsrath Joseph 
Hinkelbein. Geboren am 20. Mai 1830 zu 
Hanau als Sohn des 1863 zu Kassel verstorbenen 
Steuerraths Philipp Hinkelbein, besuchte er das 
Gymnasium zu Hanau, studirte von Herbst 1850 
bis dahin 1853 Rechtswissenschaft auf der hessischen 
Landesuniversität Marburg, wo er Mitglied der 
Verbindung Germania war, die er mitbegründen 
half. Seinen Kursus als Referendar bestand er an 
dem Obergerichte zu Kassel, wurde nach verschiedenen 
Kommissionen (in Fulda, Neuhof, Friedewald) Amts 
assessor in Hünfeld, darauf 1867 zuerst Justizbeamter, 
dann Amtsrichter in Rauschenberg, von wo er 1873 
nach Langenselbold versetzt wurde. Im vorigen 
Herbste wurde er von einem schweren Brustleiden 
befallen, von dem er sich nicht wieder erholen sollte. 
Der Verblichene war ein tüchtiger Jurist, ein berufs- 
treuer Beamter, ein wegen seines Fleißes, seiner steten 
Freundlichkeit, Gefälligkeit und Humanität in hohem 
Grade beliebter und angesehener Richter, dem man 
nachrühmt, daß er trotz großer Arbeitslast niemals 
die Fristen der Civil- und Strafprozeßordnung über 
schritten habe. Er besaß ein schönes Talent zu 
Oelmalerei und widmete, namentlich in Rauschenberg, 
seine Mußestunden dieser Kunst. In Langenselbold 
mangelte ihm die Zeit zu dieser Beschäftigung. Dort 
lebte er nur seinem Berufe und seiner Familie. Er 
war ein vortrefflicher Familienvater, seine Ehe war 
die glücklichste, seine häuslichen Verhältnisse die an 
genehmsten. Seine Freunde und alle, die ihn kann 
ten, ganz besonders auch seine Amtseingesessenen sind 
einstimmig in dem Lobe seiner trefflichen Charakter 
eigenschaften, und alle beklagen lebhaft und aufrichtig 
das frühe Hinscheiden dieses durch seltene Herzens 
güte und wahrhaft frommen Sinn sich auszeichnenden 
Beamten, der ein Ehrenmann war in der vollen 
Bedeutung des Wortes. R. i. p. A. I. 
Im Verlage von Karl Gosewisch in Kassel 
erschien vor Kurzem „Mein liebes Hessenland", 
Lied im Volkston für eine Singstimme mit einfacher 
Klavierbegleitung. Dichtung wie Komposition zeichnen 
sich durch Klarheit und knappe Form aus und sind 
von echtem hessischem Volksgemüth durchdrungen, so 
daß der Verfasser sich wahrlich nicht in den Deckmantel 
der Namenlosigkeit zu hüllen brauchte. Die Komposition, 
welche frisch vorgetragen werden muß, ist im Marsch- 
Zeitmaß geschrieben; Singstimme wie Begleitung 
sind sehr leicht gesetzt (G-vur). Das Lied wird 
unserer Ueberzeugung nach überall, wo es gesungen 
wird, gefallen und durch seine einfache Weise sich 
bald die Herzen aller echter Hessen gewinnen. Wir 
können daher unsern Lesern empfehlen, sich das Lied 
anzuschaffen, zumal der Preis desselben (l Mark) 
verhältnißmttßig gering ist. 
I. L. 
Ein cand. theol. sucht sofort Hauslehrerstelle. 
Offerten erb. d. Exp. d. Zeitschrift. 
Das Mai he ft der von A. Gild herausgegebenen 
Monatsschrift „Für Feierstunden" enthält: Lienhard und 
Gertrud. Ein Buch für das Volk von Heinrich Pestalozzi. 
(Fortsetzung). — Die Fortbildung der Mädchen nach der 
Schulzeit. Vortrag von A. Gild- — Das Bild des Groß 
vaters. Von Wilhelm Müller. — Die Völkerschlacht bei 
Leipzig am 18. und 19. October 1813. Von F. Kohl 
rausch. — Bulgarien. Von Helmuth von Moltke. — 
Die Baukunst der Vögel. Von Dr. Böhner. — Das Wirt 
schaftsbuch. Von A. Gild. — Pflichten und Rechte des 
Staatsbürgers. Von A. Gild. — Naturgemäße Lebens 
weise. Von A. Gild. (Schluß.) — Die Geschichte des 
Eisens. Von Nosegger. — Baumzucht. Von I. P. Hebel. 
Das Junihkft enthält: Lienhard und Gertrud. Ein 
Buch für das Volk von Heinrich Pestalozzi. (Fortsetzung.) — 
Wilhelm Tell Schauspiel in fünf Auszügen von Friedrich 
von Schiller. (5. Aufzug). — Handlung und Personen in 
„Wilhelm Tell." Von A. Gild. — Die Schmachschrist. 
Von I. P. Hebel. — Kriegsbilder aus dem Jahre 1613. 
Von G. Freytag. — Jerusalem. Nach Hackländer. — 
Des Adjunkts Standrede im Gemüsegarten seiner Schwieger 
mutter. Von I. P. Hebel. — Die Gottesurtheile. Von 
Nösselt. — Die Diphtheritis, ihre wahrscheinlichen Ursachen, 
Verhütung und Heilung. Von W. Siegert. — Ein Dialog 
aus der Kinderstube und Mutterprügel mit ihrem himmlischen 
Humor. Von Bogumil Goltz. — Der Arbeitsame. Von 
Falkmann. — Vom zertretenen Korn. Von Berthold 
Auerbach. — Wie Karl Maria von Weber sein „Wiegenlied" 
komponierte. Von C. Ziegler. — Kaiser Friedrich +. 
— Blütenlese. — Briefkasten des Herausgebers. 
Briefkasten. 
G. H. Hersfeld. Wir danken Ihnen für Ihren freundlichen 
Brief. Senden Sie uns nur einige Proben ein; auch 
Uebersetzungen sind unter Umständen verwendbar. 
— Das betr. Buch unseres geehrten Mitarbeiters Karl 
Finck ist erschienen in der Verlagsbuchhandlung von 
Ferd. Keßler, Kassel, Ständeplatz. 
H. K.-J. München. Herzlichen Dank für die freundlichst 
gesandten Beitrüge. 
Th. K. Melsungen. Vom „Hessenland" noch herzlichsten 
Glückwunsch! 
B. 8. in N. bei N. (B). Die gütigst gesandten Beiträge 
erhalten; besten Dank. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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