Full text: Hessenland (2.1888)

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halte Gelegenheit damals das Wort zu ergreifen. 
.Vielleicht so ausführlich als bislang noch nirgends 
geschehen, habe ich aber mich, in meinem Nachtrags- 
Bande zu Vilmars Idiotikon, unter der Aufstellung 
„Bilstein" zur Sache geäußert. 
Noch allerdings möchte ich endgültig nicht schon 
mich schlüßig machen. Wem mein Idiotikon zugänglich 
ist, den lade ich freundlich zum Nachlesen ein. Hier 
will ich doch folgendes erwähnen — 
In Niederhessen gibt es nahezu unzählige Bilsteine, 
schier in jeder Gemarkung; oder gab solche. In der 
Flur von Zwehren z. B. heißt eine Wiese „am Bil 
steine", wo doch nichts derlei vorhanden ist. Einige 
Dutzende habe ich im Idiotikon genannt. — 
Grimm's Bezeichnung auf jenes: den Hirsch zu 
Beile stellen, ist anfechtbar; nicht sprachlich, wol aber 
begrifflich. Freilich gab es außer dem Zeitworte: 
Kelle ball gebollen (wie noch Göthe cs abwandelt), 
auch ein starkformiges beile bil gebilen - gleiches 
Sinnes; die ganz gewöhnliche waidmännische Vor- 
komnis eines Abfangens gestellter Hirsche und des 
Halalis ereignet sich jedoch wol überall, und nicht 
gerade immer an einem Steine. Doch will ich dem 
Urteile deutscher Jäger und Förster gerne Raum laßen. 
Die in jüngerer Sprache verworrenen Hauptwörter 
Bili Billi (Schwert) und Bihal (Beil) haben ursprünglich 
nichts mit einander zu tun. Im fuldischen Hilde 
brandsliede heißt es: breoton mih sinn Billiü — 
spalten mich suo gladio. Mit diesem Worte ist 
möglicher Weise Bill (Recht, Gesetz) verwandt: ähnlich 
wie unser „weihen" zugleich „kämpfen" bedeutete. 
Schwertes Zunge spricht Recht — ist alte Wendung. — 
Ein „Bil« als gottheitliche Benennung kann nur 
in keltosüchtiger Auffaßung leben. Der gallische „Bel" 
ist ja, strenge nach dem Gesetze der Lautverschiebung, 
unser deutscher „Phol". Diß betonte damals zu 
Kassel besonders auch Herr Dr. Rieger aus Darmstadt. 
Wir sitzen bei der Erwägung der Frage, nach wie 
vor, also feste, da tatsächlich mehrere Ausdeutungen 
doch möglich sind. Die oberhessischen Formen ver 
wehren die Annahme eines echten mhd. i; nur unechte 
Dehnung möchte heute in Niederhessen Vorligen. 
Daß auch der Orts-Name Beilstein erscheint, ist gerade 
so mißverständlich, als Leute etwa Gerwein, Traut 
wein heißen, durch Verwechselung von Win (anriet) 
mit kurzem i, und Win (Wein) mit langem i. — 
Zumeist geneige ich zu der Vermutung, daß die 
Bilsteine teils Gemarkungs-Grenzen, teils Gerichts- 
Stätten bezeichneten; ohne jedoch mich irgendwie vor 
schnell binden zu wollen. 
Der Ausdruck selbst ist so überwigend chattisch, 
daß des Namens Auftreten anderwärts kaum in Be 
tracht körnt; z B. in Österreich. Auch braucht er 
da nicht immer dasselbe zu meinen. 
Kermann v. Nstster. 
— Eine Meldung in dem dreißigjährigen 
Krieg im Jahre 1621. Dem Hochwürdigen 
Durchlauchtigen und Hochgeborenen Fürsten und 
Herrn! Herrn Moritz Landgraf zu Hessen, Herrn zu 
Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda: 
unserm genädigen Fürsten und Herrn! 
cito! cito! cito ! 
cito! cito! cito! 
citissime! 
Durchlauchtiger, Hochgeborner, genädigen Fürst und 
Herr! Diese Nacht um drei Uhr haben S. F. G. 
der Herzog von Braunschweig uns Ew. f. G. Hand 
schreiben de dato Korbach zugeschickt, verlesen und 
dabei anmelden lassen: daß S. f. G. auf E. f. G. 
Begehren nicht alleine noch Morgen Donnerstags in 
dieser Grafschaft Quartieren: sondern auch E. f. G. 
ahn welches Ört's und auf welchen Tages derselben 
gelegen; gern sprechen und zu E. f. G. kommen. 
Auch Freitages nach derselben Nacht wendt (gegen) 
Meiners marschieren wollen, wie E. f. G. aus unsern 
ahn dieselben umb 11 Uhr abgegangenen Schreiben 
mit Mehreren genädig wird verstanden haben; und 
weil wir alle Stunde auf Resolution wegen unseres 
abgegangenen Schreibens gewartet; als haben S. f. 
G. mit Ausgebung der morgenden Quartiere: bis in 
dieser Stunde wir unterthänig aufgehalten. Weil 
aber keine Antwort kommen, welche Quartiere E. f. 
G. gelegen sein möchten: als haben S. F. G. der 
Hertzog die Quartiere selber genommen und werden 
derowcgen Morgen Donnerstags das Rendez-Vous: 
bei Strotzen um 8 Uhr auf dem Felde halten und 
darauf S. F. G. selbsten mit zween Compagnien: 
nach Twiste und die andern; nach Mühlhausen, Helm 
stedt , Braunsen, Elleringhausen, Rieder-Waroldern, 
Deringhausen, Oberen-Waroldern; daselbsten der 
Oberstlieutenant logiren wird: marschiren und daselbst 
benachten, welches E. f. G. wir zur Nachrichtigung 
aufs schleunigst unterthänig nicht verhallen sollen: 
Resolution auf Twiste unterthänig erwarten. Nachts 
um 4 Uhr den 15. November 1521. 
O Malsburg'sches Siegel. 
Otto von der Malsburg. 
O Pappenheim'sches Siegel. 
Friedrich Georg von Pappenheim. 
Anm. S. f. G. der Herzog feint begierig E. F. G. 
ahnzusprechen und wollen zu Twiste auf Resolution 
warten und zu demselben kommen: wohin sie E. f. G. 
fordern werden. — 
Landgraf Moritz von Hessen, stand damals an der 
Spitze von 20,000 Mann im Lager bei Kirchhain 
und hatte erst kurz zuvor die Grafschaft Waldeck mit 
seinen Truppen besetzt, um einen Einfall des 
25,000 Mann starken spanischen Heeres unter 
Gonzalo Fernando de Cordeba, welches sich in der 
Pfalz und am linken Rheinufer befand, nach Hessen 
zu verhindern. Herzog Christian von Braunschweig, 
welcher in einem geheimen Einverständniß mit dem
        

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