Full text: Hessenland (2.1888)

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Die abschriftlich unterthänigst angelegte Resolution 
brachte der Eilbote gestern zurück, und da der Kaiser- 
schön heute in aller Frühe erwartet wurde, so ent 
warf ich schleunigst die weiter allergehorsamst an 
gefügte Vorstellung. In der abgewichenen Nacht um 
12 Uhr erhielt ich wieder einen Eilboten vom Geheimen 
Rath von Geyling, wodurch mich derselbe benach 
richtigte, daß nun die Regierung, durch diesen Vor 
gang angetrieben, beschlossen habe, im Namen des 
ganzen Landes um Nachlaß der Kontribution, noch 
mehr aber um die Wiedereinsetzung Ew. Kurfürstlichen 
Durchlaucht schriftlich und mündlich zu bitten, von 
ihm auch an die Beamten in Bergen, Babenhausen 
und Rodheim geschrieben worden sei, sich mit den 
brauchbarsten der Ortsvorstände in Frankfurt einzu 
finden und die letztere Bitte zu wiederholen. 
Des Nachts um 1 Uhr habe ich noch eine Staffette 
nach Steinau gesendet, damit in Schlüchtern von den 
Beamten und Ortsvorstehern das Nämliche geschieht 
und schon heute den Amtmann in Bieber vermocht, 
sich mit den Schultheißen seines Amtes dem Amt 
mann Weil anzuschließen. 
Auf den Kaiser werden diese Maßregeln, da sie 
zu den Seltenheiten in Deutschland gehören, ohne 
Zweifel Eindruck machen. Möge der gütige Gott die 
Bemühungen mit dem besten Erfolge krönen. 
Ich verharre 
Ew. Kurfürstlichen Durchlaucht 
unterthänigster Diener 
Buderus von Carlshausen. 
Am 21. Juli 1807, 
des Morgens um 7 Uhr. 
Erst am 24. Juli 1807 und zwar Nachmittags 
2 Uhr kam Kaiser Napoleon auf seiner Durchreise 
nach dem Kriegsschauplatz in Gelnhausen an, nachdem 
schon seit 3 Tagen für ihn und sein Gefolge 250 
Pferde in Gelnhausen und deren eben so viel zu 
Langenselbold in Bereitschaft gestanden hatten. 
Bei seiner Einfahrt in die Stadt wurde ihm von 
dem Amtmann Weil an der Spitze, von den Maires 
der Stadt Gelnhausen, des Gerichts Altenhaßlau und 
des Freigerichts, dem Amtmann von Bieber, den 
Maires der Gerichte Bieber und Lohrhaupten die in 
französischer Sprache abgefaßte Vorstellung überreicht, 
von ihm durchlesen, und auf die mündlich wiederholte 
Bitte Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht das Land 
wieder zu geben, von ihm nur die zwei Worte er 
widert : 
„Jamais, jamais“ (niemals, niemals). 
Nach kurzem Aufenthalte wurde die Reise weiter 
nach Fulda hin fortgesetzt. 
War auch dieses von dem Geheimen Kriegsrath 
von Carlshausen in Scene gesetzte, die Wiedergabe 
Hessens an seinen Landesfürsten bezweckende Unter 
nehmen hiernach leider! ein ganz vergebliches, so 
muß solches doch als eine patriotische That anerkannt 
werden, welche in damaliger Zeit sowohl für ihn, 
als Veranstalter der ganzen Sache, als auch für die 
Stadt Gelnhausen und die betreffenden Deputirten 
von verhängnißreichen Folgen hätte werden können. 
Die dem Kaiser Napoleon in französischer Sprache 
abgefaßte Bittschrift hatte in deutscher Übersetzung 
nachstehenden Wortlaut: 
An Seine Majestät den großen 
u. unbesiegbaren Kaiser und König 
Napoleon. 
Lire! 
Ueberzeugt, daß Ew. Majestät geruhet, mit Gnade 
die niedrigsten der Unterthanen Ihres weiten Kaiser 
reichs zu hören, bitten wir, unterthänigst zu verzeihen, 
daß unter der Menge der Wünsche, mit denen Sie 
überhäuft werden, die unserigen für Ihr Glück und 
die Erhaltung ihrer kostbaren Gesundheit bis zu ihrem 
Throne gelangen. 
Im Namen eines Landes, welches dem Kurfürsten 
von Hessen sehr anhänglich ist, flehen wir zu gleicher 
Zeit Ew. Majestät an, ihm seine Staaten zurück 
zugeben. Wir sind vollkommen glücklich gewesen 
unter seiner Regierung. 
Die Anhänglichkeit des Kurfürsten an Ew. Majestät 
wird die aufrichtigste sein und das Land wird nicht 
aufhören, den Segen des Himmels auf Ew. Majestät 
herab zu flehen und dazu beizutragen, Ihre gerechte 
Bewunderung in allen Zeitaltern zu vermehren. 
Wir würden im Uebermaße unsers Glückes sein, 
wenn Ew. Majestät es mit Ihren erlauchten Ge 
fühlen übereinstimmend finden würden, unsere heißesten 
Wünsche zu erfüllen. 
Mit der tiefsten Ergebenheit sind wir, 
Lire, 
Ew. Majestät demüthigster Amtmann und Maires der 
Stadt Gelnhausen und aller Gemeinden, der Aemter 
Alienhaßlau und Freigericht, sowie auch des Amt 
manns und des Maires der Aemter Bieber und 
Lohrhaupten. — 
Beiläufig wird in den betr. Schriftstücken, welche 
in dieser Angelegenheit vorliegen, noch erwähnt, daß 
damals dem Kaiser Napoleon vor dem Nürnberger 
Thore in Hanau die Schlüssel der Stadtthore auf 
einem Kissen überbracht worden seien, der Kaiser 
habe sie indessen nicht angenommen, sondern ge 
antwortet: „Gebet sie Eurem neuen Landesherrn, 
welchen ich ehestens bestimmen werde, der Kurfürst 
hat sich immer feindlich gegen mich betragen, er hat 
nichts zu erwartend 
Sodann habe sich der Kaiser noch nach der An- 
zahl der Katholiken und nach der herrschenden Religion 
im Hanauischen erkundigt. 
Gelnhausen. 6. 8. 
Was bedeutet Bilstein? Wie in Nr. 9 des 
„Hessenlandes" sich erwähnt findet, ward diese Frage 
im Jahre 1882 bei der zu Kassel tagenden Geschichts- 
und Altertums-Versammlung erhoben. Ich selber
	        

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