Full text: Hessenland (2.1888)

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Aus alter und neuer Zeit. 
— Stiftung des Gymnasiums zu Hers 
feld. Am 2. Juli 1850 gründete der Abt Michael 
Landgraf (regierte von 1556 bis 1571) das Gym 
nasium in Hersfeld. Abt Michael besaß ein nicht 
unbedeutendes Vermögen, von dem er 40,000 Gulden 
für das Gymnasium verwendete. Zum Sitz der 
Anstalt bestimmte er das Minoritenkloster und zu 
Gegenständen des Unterrichts außer der Religions 
lehre das Trivium: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, 
denen noch die Anfangsgründe der griechischen und 
hebräischen Sprache, sowie Arithmetik und Musik hin 
zugefügt wurden. Die Stiftsurkunde wurde noch in 
demselben Jahre in allen ihren Theilen von Kaiser 
Maximilian II. bestätigt. Als Rektoren des Gynmasii 
illustris zu Hersfeld wirkten von 1570 bis 1584 
Uranius, Gudenus, Waltenberger, von 1584 bis 
1616 Beutefering, Rullmann, Goldenhauer, von da 
bis 1620 Georg Thalmüller, ihm folgte als Rektor 
und Inspektor der Kirchen und Schulen der Dr. 
theol. Heinrich Wetzel. 1632 wurde Johannes 
Piscator, ein verdienter Schulmann aus der Pfalz, 
1652 Johannes Croll, nach diesem Daniel Krug 
Rektor des Hersfelder Gymnasiums. 1688 wurde 
ein neues Gymnasialgebäude aufgeführt und dem 
selben bei Einweihung nach dem Landgrafen Karl 
von Hessen der Namen „Carolinum Hersfeldense“ 
gegeben. Am 1. April 1704 starb Rektor Krug, 
sein Nachfolger war Br. Konrad Mel von Gudens- 
berg. Bon 1734 bis 1738 war Walther, von 1738 
bis 1772 Johann Konrad Endemann Rektor. Diesem 
folgte Georg Erich Schirmer, nach dessen Tode im 
Jahre 1787 Wilhelm Wille, ihm folgte Wilhelm 
Endemann und diesem 1804 Wilhelm Faber, der 
dem Hersfelder Gymnasium bis 1832, in welchem 
Jahre die Anstalt reorganisirt wurde, vorstand. Nach 
ihm wurde Br. Wilhelm Münscher Direktor des 
Hersfelder Gymnasiums. Unter diesem vortrefflichen 
Schulmanne erreichte die Anstalt in neuerer Zeit ihre 
höchste Blüthe. Sein Nachfolger wurde 1868 Dr. 
Georg Friedrich Eysell und nach dessen im Jahre 
1876 erfolgten Pensionirung wurde Br. Duden von 
Gera zürn Direktor des Hersfelder Gymnasiums be 
rufen. A. Z. 
Rudolf Goclenius. Am 8. Juni 1628 
starb zu Marburg der Professor Rudolf Goclenius 
der Aeltere, eigentlich Rudolf Göckel geheißen. Er 
war ein Sonderling, dem die originellsten Züge nach 
erzählt werden. Geboren am 1. März 1547 zu 
Corbach in Waldeck, studirte er in Marburg und 
Wittenberg und war von 1575 bis 1581 Rektor des 
Pädagogiums in Kasiel, dann in Marburg zu 
erst Professor der Physik, von 1589 Professor der 
Logik und später auch der Mathematik. Er war ein 
hervorragender Gelehrter nicht nur in den genannten 
Wissenschaften, sondern auch in den Sprachen. 
Während seiner 44jährigen Amtsthätigkeit in Marburg 
soll er mehr als 600 Studirenten den Magisterhut 
aufgesetzt haben. Der gelehrte Landgraf Moritz hielt 
große Stücke auf ihn und würdigte ihn seines be 
sonderen Vertrauens. Strieder in seiner hessischen 
Gelehrten und Schriftstellergeschichte erzählt manche 
lustige Geschichte von ihm und gibt Proben seines 
ungewöhnlichen Talentes im Epigrammatisiren. So 
soll er einst, als er zur fürstlichen Tafel befohlen 
war, und der Landgraf demjenigen der Gäste den 
vor ihm stehenden vergoldeten Becher als Geschenk ver 
sprach, welcher einen Trinkspruch auf den Landgrafen 
selbst, dessen Gemahlin, den Prinzen und die Prinzessin 
in einem einzigen Hexameter ausbrächte fast in dem 
selben Augenblicke den Becher genommen, eine Ver 
beugung gemacht und geantwortet haben: 
In Domini, Dorninao, Nati Nataeque salutem 
trank ihn aus und steckte ihn, gleichsam von Rechts 
wegen, in die Tasche. 
Vilmar erzählt von ihm, daß er eines Morgens 
als lateinischer Feldherr hoch zu Roß, mit seinen 
sieben Regimentern: Grammatik, Dialektik, Rhetorik 
u. s. w. nach Frankenberg gezogen, aber Abends 
wieder in Marburg angekommen sei, statt in Franken 
berg, ohne es zu merken. K. Z. 
J a m a i s, jamais, zwei inhaltsschwere 
Worte Kaisers Napoleon I. Am 21. Juli 
1807 richtete der Geheime Kriegsrath Buderus von 
Carlshausen an den Kurfürsten Wilhelm I. von 
Hessen nach Prag, wo sich dieser in Folge der Okku 
pation Hessens durch die Franzosen damals aufhielt, 
das nachstehende Schreiben: 
„Am Sonntage wurde es in Gelnhausen bekannt, 
daß Se. Majestät, der Kaiser von Frankreich, durch- 
passiren würde. Ich entschloß mich sogleich, Sr. 
Majestät eine Vorstellung zu überreichen und um die 
Wiedereinsetzung Ew. Kurfürstlichen Durchlaucht zu 
bitten, bedachte indessen nachher, daß es mehr im- 
poniren müsse, wenn die Vorstellung durch den Amt 
mann Weil, den Stadtrath von Gelnhausen und die 
Schultheißen und Landschöffen aus den nahegelegenen 
Orten eingereicht werden könnte. Der Amtmann 
Weil war hierzu sehr willfährig, er durfte aber ohne 
die Beistinlmung der Regierung zu Hanau nichts 
veranstalten, daher ich denselben eine Anfrage an die 
selbe aufsetzen ließ und diese gestern durch einen Eil 
boten absendete. Ich ersuchte sogleich den Geheimen 
Rath von Geyling in Hanau, für die Genehmigung 
des Antrags zu wirken, und dieser zu allen guten 
Zwecken immer bereitwillige brave Mann, hat meinen 
Wünschen vollkommen entsprochen und antwortete mir, 
daß es den besseren Mitgliedern in der Regierung, 
obgleich mit Mühe und Zank, gelungen sei, die ge 
wünschte Genehmigung durchzusetzen.
        

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